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Pferdeglück in Niedersachsen

Bauernhof-Mohre

Mal so richtig aufs Land fahren und auf dem Bauernhof entspannen – dafür ist der Frühling wunderbar: Überall blüht es herrlich in den Gärten und auf den Weiden machen die Jungtiere wilde Sprünge. Hier gibt es sie tatsächlich noch, die Idylle wie in Bullerbü – und wer Glück hat, darf sogar ein Lämmchen mit der Flasche aufziehen. Unser Reiseblog hatte Glück und hat Romantik in Niedersachsen entdeckt.

Rocky ist wild. Er will endlich raus aus dem Stall. Die Kinder warten schon auf dem kleinen Holzpferd und Rocky freut sich auf seine Abendrunde – Fünfjährigen das Reiten beizubringen, ganz ohne Sattel, das ist seine Aufgabe. Aber vorher noch schnell eine Möhre naschen. „Die gebt Ihr bitte immer mit der flachen Hand“, sagt eine Mama noch zu ihrer Tochter, als Rocky auch schon an ihrer Jacke herumknabbert und Eßbares sucht. Bei Marianne Cohrs in Volkwardingen schwelgen nicht nur Kinder im Pferdeglück. Hier können sie Ponyreiten, Pferde streicheln, Kutsche fahren, im Stroh toben, Stockbrot backen und später sogar im Heu schlafen. Doch der Reihe nach.

Ponyreiten

Ganz versteckt in einem kleinen Heidedorf liegt dieser Bauernhof. Kinder fahren auf dem großen Hof mit Go-Karts und Treckern, andere rennen durch die Scheune oder schauen zu, wie die Pferde gestriegelt und gefüttert werden. Langeweile – Fehlanzeige. Nach dem Mittagessen wartet schon die Kutsche auf uns, ganz nah liegen das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und der Wilseder Berg. Wir wollen die Schäfer besuchen und Kutscher Gerd-Peter Dierßen erweist sich als echtes Heideoriginal.

Bauernh_kutscheBauernh_angus

Der Bart in seinem Gesicht hat die Farbe der Grasbüschel, die hier trocken aus der Erde schauen. Obwohl er auf den ersten Blick etwas wortkarg wirkt, hat er es faustdick hinter den Ohren. Auf dem Weg zum Heideschäfer machen wir einen kleinen Zwischenstopp bei den Angus-Rindern – ein Projekt, um die Heide naturnah zu bewirtschaften. „Ich kann mit denen sprechen“, sagt Kutscher Dierßen, hält seine Hände wie ein Trichter vor den Mund und gibt laute Töne von sich. Die braunen Tiere heben die Köpfe und spazieren in Richtung Tor – und antworten in derselben Tonlage.

Bauernh_heideSpäter in der Heide wuselt dann Hund Mücke um den Nachwuchsschäfer Christian Buttmann herum und hält die Herde von etwa 600 Heidschnucken beisammen. Sommer wie Winter sind die beiden jeden Tag draußen und kümmern sich um die Tiere – auch im dichten Schneesturm stehen die Schnucken malerisch in der Landschaft. Ein Berufsbild, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Wir steigen in die Kutsche, aber das Geruckel macht müde, Kinder wie Erwachsene gähnen oder halten ein Schläfchen. Schade, so sehen sie weder die Rehe, die dauernd den Weg kreuzen noch die mystisch bemoosten Bäume.

Bauernho_baumZurück auf dem Ferienhof, blöken die schwarze Lämmer ohne Unterlass – sie mussen gefüttert werden, wer sich traut, darf ins Gehege und ihnen die Flasche geben. Wir trauen uns, meine Tochter und ich! Mir schnappt ein freches Schnucklein gleich hungrig in den Finger und saugt dran. Ruckzuck ist das Fläschchen leer. „Die Lämmer sind Zwillingsgeburten oder Kleine, die von der Mutter nicht versorgt werden konnten“, erklärt Bäuerin Marianne Cohrs, die ihnen hier eine Auffangstation geschaffen hat.

Nicht nur die Lämmer haben Hunger – wir auch. Doch darauf ist man vorbereitet. Wir schnippeln Heidekartoffeln und kochen über offenem Feuer in einem gußseisernen Topf leckeres Gratin. Stockbrot gehört auch dazu – ist doch klar! Nach einem ganzen Tag an der frischen Luft fallen wir müde ins Bett und schlafen wie die Murmeltiere bis zum Morgengrauen.

www.landsichten-niedersachsen.de

Die Recherche wurde unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande e.V. Niedersachsen und Niedersachsen Tourismus

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