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Nur ein Schritt bis zum Himmel

Ich bin nicht die Einzige, die die Farben am Pragser Wildsee faszinieren: In den letzten zwei Jahren fanden dort die Dreharbeiten für die Serie „Un passo dal cielo“ statt. Ein absoluter Quotenhit in Italien. Seitdem strömen immer mehr Fans der Serie in die Dolomiten. Schon zu Anfang des Trailers habe ich viele bekannte Orte entdeckt. Quizfrage: Wann kommt dieses Bootshaus erstmals ins Bild?

Irgendwie kam mir diese Serie immer wieder unter: Mein Bergführer Erwin Steiner hatte die Drehorte für die RAI ausgewählt und außerdem noch den Hauptdarsteller Terence Hill bei gefährlichen Kletterszenen gedoubelt. Trotzdem hat Steiner noch keine Folge ganz gesehen – „zu kitschig, als dass ich es lange Zeit ertragen könnte“, war sein Kommentar.

Irgendwann reitet Terence Hill auch auf dem Rundweg um den See entlang – da war ich natürlich auch.

Pragser Wildsee

Und dann hat die Filmcrew noch im gleichen Hotel gewohnt wie ich, Hotel Pragser Wildsee. Dabei waren die Schauspieler nicht einmal die berühmtesten Gäste, die hier abgestiegen sind. Erzherzog Franz-Ferdinand verbrachte einen ganzen Sommer mit seiner Familie hier, damals, als vor dem Hotel noch die Luxuskarossen des Hochadels aus der KuK-Zeit parkierten. Später löste Franz-Ferdinands Ermordung in Sarajevo den ersten Weltkrieg aus. Und dieser Krieg veränderte alles: Plötzlich war der Brenner gesperrt, die Südtiroler mussten von nun an damit klarkommen, nicht mehr Teil Österreichs, sondern Italiens zu sein.

Hotel Pragser Wildsee

Gewiss, das Grandhotel ist in die Jahre gekommen. Aber dafür hat es sich alten Charme bewahrt, viele Zimmer noch mit den Originalmöbeln, -dielen und Badfliesen aus der alten Zeit. Das hat was. Seit Generationen ist es in Familienbesitz. Mit der heutigen Chefin Caroline Heiss konnte ich mich ein wenig unterhalten. Sie hat in den vergangenen Jahren ganz ungewöhnliche Gäste beherbergt: ehemalige Gefangene der SS haben diesen Ort in guter Erinnerung behalten. Eigentlich waren sie dem Tod geweiht, unter den Gefangenen waren auch Pastor Martin Niemöller, Angehörige des Hitler-Attentäters  Graf von Stauffenberg, der ehemalige österreichischen Bundeskanzler, die früheren Ministerpräsidenten von Frankreich und Ungarn, und der in Ungnade gefallene Financier Hitlers, Fritz Thyssen. Man hatte sie dem SS-Untersturmführer Bader übergeben, das kam praktisch einem Todesurteil gleich. „Dieser Mann war Mitglied eines Exekutionstrupps der Gestapo und verbrachte sein Leben damit, von einem KZ zum anderen zu reisen, wie ein Schädlingsbekämpfer bei der Vertilgung von Ratten“, erzählte später einer der Gefangenen. Ausgerechnet die Deutsche Wehrmacht nutzte die Wirren um das Kriegsende und befreite die Gefangenen aus den Händen der SS. Als man sie nach Gefangenschaft und Entbehrungen hier am Pragser Wildsee einquartierte, fühlten sie sich wie im Himmel. Vielleicht sind deshalb so viele von ihnen später an diesen Ort zurückgekehrt.

Die Recherche wurde unterstützt von: SMG, Südtirol Marketing Gesellschaft.

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