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Glücklich im Norden

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Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Wir Norddeutschen sind die glücklichsten im Lande, das fand die Glückstudie der Deutschen Post heraus. Und während die Forscher die Gründe nur erahnen können, wissen wir im Reiseblog längst, warum unser Herz leichter ist als das unserer Landsleute im Süden, Osten oder Westen. Es ist vielen ein Rätsel: Wir haben ein schlechtes kulturelles Angebot, unsere ärztliche Versorgung hinkt hinter der anderer Bundesländer hinterher und unsere Winter sind dunkel und trüb. Bei den Feiertagen schneiden wir schlecht ab und besonders reich sind wir auch nicht gerade. Aber das macht uns gar nichts. Während andere frei haben, um sich zu Karneval bunt zu machen oder an Allerseligen den ersten Novembertag langschläfrig im Bett verbringen, sind wir auf dem Weg zur Arbeit. Rufen regelmäßig an Maria Himmelfahrt in Bayern an und wundern uns erst beim dritten Anruf, warum wir niemanden erreichen. Gleiches gilt für die Heiligen Drei Könige oder Fronleichnam. Wie, die im Süden haben schon wieder frei? Anstatt uns aufzuregen, zucken wir, nordisch by nature, einfach mit den Schultern und arbeiten weiter. Selbst, wenn wir im Winter mit den Münchenern telefonieren und hören, dass gerade bei denen die Sonne untergeht und wir schon gefühlte Ewigkeiten ins Stockdunkel draußen schauen – wir zucken erneut mit den Schultern: Ist eben so, was soll’s denn?

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Na, der ist bestimmt auch glücklich – wenn er schon freilaufend ist.

Wenn es früh dunkel wird, treffen wir uns eben zu Glühwein, Grünkohl oder naschen Lübecker Marzipan als Antidepressivum. Wir im Norden quatschen nicht ohne Pause, sondern können auch mal lange still nebeneinander sitzen und gemeinsam schweigen. Das beweist wirkliche Freundschaft und wahres Können. Ins Quatschen kommen wir nur, wenn es wichtig ist, sogar Alkohol bringt bei uns keine Redseligkeit hervor – ganz so wie in der Flenswerbung.

Auch kulinarisch haben wir eher Geheimtippcharakter als Mainstreamküche. Wer kennt schon den Geschmack von Fliederbeersuppe im Süden? Wir löffeln sie genüßlich aus und bekommen ganz nebenbei einen gesunden Kick von den Vitamin B2 und Folsäure. Das stärkt nicht nur die Abwehrkräfte, sondern macht bestimmt auch etwas glücklich.

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So sehen die Zitronen bei uns aus. Sie heißen Sanddorn!

Ja, wir haben so unsere Eigenheiten im Norden – und das ist gut so. Unsere Zitrone hat lange Dornen und wächst in Büschen an der Nord- und Ostsee. Wer schon mal Sanddornbeeren gegessen hat, weiß, wie es aussieht, wenn sich der ganze Mund zusammenziehrt, weil sie derart sauer sind. Macht nichts – beharrlich wie wir sind, greifen wir noch mal zu, denn Sanddorn hat neunmal mehr Vitamin C als Zitronen. Irgendwann gewöhnt man sich dran oder erfindet einfach Gummibärchen aus der Beere, damit die Vitamine besser rutschen.

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Magic Mushroom? Nein! Nordischer Glückspilz!

Ja, vielleicht haben wir weniger Ärzte und weniger Theater, aber was soll’s? Wir brauchen nicht viel zum Wohlfühlen. Das ist unser wahrer Schatz, denn er beschert uns Unabhängigkeit. Und eben das Gefühl, dass wir glücklich sind.

Kategorie: Reisen

von

Andrea Lammert

Als Reiseautorin bin ich gerne in der Welt unterwegs, am liebsten am Meer und an Orten, die Kraft geben. Auf jeden Fall draußen, Wälder, Strände und Wiesen sind meine Heimat - ob in Frankreich oder in der Mongolei. Ich schreibe regelmäßig auf meinen Blogs www.reisefeder.de und www.schamanen-garten.de

6 Kommentare

  1. christine Ziummermann sagt

    Noch nie habe ich so eine schöne Liebeserklärung an den Lebensraum in dem man lebt gelesen.
    Mit feinem Humor und der in sich ruhenden Lebenseinstellung , nicht Veränderbares so anzunehmen und zu lieben, wie es ist…..

    Wenn ich nicht schon sympathischen „Nordlichtern“ begegnet wäre , spätestens nach diesem Artikel finde ich sie liebenswert….

  2. Herrlich, Andrea, und sofort möchte ich mehr Meer…Ich liebe den Norden sehr, mag die Menschen mit ihrer leicht unterkühlten Art – kurz: wenn ich nicht nach Franken gezogen wäre, hätte ich mich für den Norden entschieden:-)
    In diesem Sinne „Moin moin“
    LG Sabine

  3. Dieter Schmidt sagt

    Als NORDmensch muss ich sagen: Super dargestellt. So sind wir nun mal im Norden und DAS ist auch gut so!

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