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Blogparade: Was macht glücklich auf Reisen?

Wiese Klatschmohn

Als ich den Aufruf der Reisemeisterei zu einer Blogparade gelesen habe, fiel mir sofort Bruce Chatwin ein. Was macht am Unterwegssein eigentlich so glücklich? Der Autor war der festen Überzeugung, dass es das Reisen selbst ist, das das Herz zum Klingen bringt – weil der Mensch zum Nomaden geboren ist. 

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Viele zehntausend Jahre zogen unsere Vorfahren umher, als Jäger und Sammler. Die Sesshaftigkeit, das Streben nach immer mehr Besitz, nach „meins, meins, meins“ – das ist eigentlich alles eine ziemliche neue Erfindung. Und so viel glücklicher hat es uns tatsächlich nicht gemacht. Vielleicht ist es ja schon in den Genen angelegt, dass wir aufbrechen wollen, die Welt erkunden, neue Horizonte entdecken.

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Bei mir setzt dieses Gefühl schon ein, wenn ich in der Bahn sitze, die Landschaft vorbeifliegt. Dann bin ich offen für Neues, und schon entspinnt sich ein Gespräch mit der pensionierten Pathologin gegenüber und ich fühle mich irgendwann in einen Krimi von Kathy Reichs versetzt.

Wenn am Flughafen Gesichter und Sprachen aus unterschiedlichen Kulturkreisen durcheinanderwirbeln, dann kribbelt die Vorfreude so langsam von den Fußspitzen die Beine hinauf bis sie sich schließlich in einem Dauerlächeln auf dem Gesicht niederlässt. Und da fragt mich schon ein chinesischer Student nach dem Gate A. Wir haben den gleichen Weg und ich erfahre, dass er gerade ein Praktikum bei einem deutschen Automobilhersteller gemacht hat und wie toll er sein Abenteuer fand. Auch er hat dieses Strahlen im Gesicht, diese Offenheit: Hoppla Welt, da bin ich, ist es nicht wunderschön, dieses Reisen? Sind da nicht überall unglaublich spannende Menschen, Orte und Dinge zu entdecken?

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Und erst das Wandern, die ursprünglichste Art des Reisens. Wenn ich ins Seufzen gerate bei einem schönen Ausblick. Wenn ich jedem, einfach jedem Fremden, der mir begegnet, einen guten Tag wünsche. Und mich an simplen Dingen wie einer Bank, einer schönen Blume oder dem frischen Geschmack von Quellwasser erfreuen kann. Dann bin ich garantiert unterwegs. Und es singt wieder, mein Nomadinnenherz…

8 Kommentare

  1. Witziger Ausdruck: Nomadinnenherz. So eines muss ich wohl auch haben… 🙂
    Erstaunlicher Weise scheiden sich daran aber die Charaktere! Es gibt ja auch gar nicht so wenig Menschen, die tief verwurzelt sind mit ihrer Heimat, denen fremde Kulturen eher unheimlich sind und deren weiteste Reise allenfalls in die nächstgrößere Stadt „um die Ecke“führte.
    Ich werde das nie wirklich verstehen, aber die mich wohl auch nicht.

    • Iris sagt

      Wie wahr, verallgemeinern kann man das nicht. Aber vielleicht haben viele ihr Nomaden-/Nomadinnenherz nur noch nicht entdeckt?
      Am allermeisten hat mich die Geschichte eines Wanderführers auf Madeira erstaunt: Der erzählte von einer alten Dame, die bis vor kurzem in einem kleinen Dorf mitten auf der Insel gelebt hat (sie ist leider verstorben, sonst hätte ich sie unglaublich gern kennengelernt). Auf jeden Fall verkaufte sie Obst und Gemüse aus eigenem Anbau und deckte auch ihren sonstigen Bedarf an Dingen im Dorf. Die Dame ist über 80 Jahre alt geworden, ohne jemals in ihrem Leben das Meer gesehen zu haben. Das hat mich echt umgehauen! Dass es möglich ist, auf einer Insel zu wohnen, ohne dass es einen auch nur interessieren würde, einmal das Meer zu erblicken…

      • Hah! Dachte ich doch, daß es Cabo Girão gewesen sei, daß Dein drittes Foto zeigt! 😉
        Die Geschichte von der alten Dame klingt wirklich unglaublich. Auf Madeira ist es wirklich nicht einfach, einen Punkt zu finden, an dem man das Meer nicht wenigstens von Weitem sieht… 🙂

      • Iris sagt

        Das nenne ich mal ein super fotografisches Gedächtnis! Das ist tatsächlich Cabo Girão. Wenn Du von der Südküste auf den Levadas Richtung Hinterland wanderst, kommst Du eigentlich sehr schnell in zugewachsene Gebiete und Täler – ohne jeden Meerblick. 😉 Aber es klingt schon unglaublich, deshalb habe ich auch bei unserem Wanderführer Lui König mehrfach nachgefragt.

  2. Ja – ich weiß schon – ich bin auch schon entlang der Levadas gewandert und in der Inselmitte über die Grate gegangen. Dennoch habe ich auf Madeira immer das Gefühl ich könnte jederzeit ins Meer kippen. 🙂 Das Leben dort ist doch eigentlich stark vom Meer bestimmt. Aber scheinbar nicht für alle…

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