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Patrick Superstar

Irland2_ttVolksfest für einen heiligen Superstar: Wenn sich am 17. März gestandene Iren als Kleeblätter verkleiden und singend durch die Straßen laufen, Paraden bejubeln und Partys auf den Straßen und in den Pubs feiern, wenn sogar die Flüsse und das Bier grün fließen – dann ist wieder St. Patrick´s Day. Eine riesige, irische Party in quietschgrün.

Kleeblattgrün dominiert in diesen Tagen die Städte, und das ohnehin grüne Land wird noch ein bisschen grüner. Der St. Patrick`s Day ist ein Irland ein Feiertag, wie er im Buche steht. Aber auch den Rest des Jahres prägt der irische Nationalheld den Alltag.

Irland - die grüne Insel

Irland – die grüne Insel

Dabei war Patrick ja eigentlich gar kein Ire. Geboren wurde der Nationalheilige nämlich vermutlich in Wales (andere Quellen sprechen von Schottland). Als junger Mann haben ihn marodierende Iren dann wohl aber nach Irland verschleppt, Trost soll der junge Mann im Christentum gefunden haben, und nachdem es ihm gelungen war nach Frankreich zu fliehen, ließ er sich im dortigen Kloster Auxerre zum Priester ausbilden. Später kehrte Patrick nach Irland zurück, um die Heiden zu bekehren. Als Bischof ließ er Kirchen, Schulen und vor allem Klöster bauen, und bei seinem Tod im Jahre 461 hatte er den Iren neben dem Christentum noch etwas ganz anderes gebracht: Bildung. Das frühchristliche Irland bekam so erstmals eine einheitliche Schrift und überragte damals mit seinen Dichtern, Gelehrten und Kunsthandwerk die europäische Kultur.

Heute, am 17. März steht ganz Irland Kopf. Aber nicht nur Irland. Patricks Todestag im Jahre 461 ist auch in Nordirland und der kanadischen Provinz Neufundland ein gesetzlicher Feiertag. Eigentlich haben ohnehin die rund sieben Millionen in die USA ausgewanderten Iren den Feiertag zu einer großen, schrillen Party in grün gemacht. In Irland selbst feiert man den Nationalhelden nämlich überwiegend beschaulich mit der Familie (in Dublin allerdings sogar mit einem großen Festival). Doch in vielen großen Städten auf der ganzen Welt marschieren an dem Tag Paraden voll Prunk und in grünen Kostümen durch die Straßen, feiern die Menschen vielerorts schon Tage vorher Patrick-Festivals. In Dublin, aber auch in New York, in London und sogar in München jubeln die Menschen ausgelassen den Musikern zu. Klar, dass bei dem fröhlichen Besäufnis jede Menge Bier und Whiskey fließen.

Die spinnen, die irisch verwurzelten Amis: Der Chicago River knallgrün gefärbt

Die spinnen, die irisch verwurzelten Amis: Der Chicago River knallgrün gefärbt (Foto: travelogg)

Jedes Jahr sehen die Menschen in Chicago giftgrün: Am St. Patricks`s Day färben sie ihren Chicago River. Dafür schütten sie einen fluoreszierenden Farbstoff in den Fluss, den sonst Geologen zum Auffinden unterirdischer Wasserströme verwenden. Am 17. März jedenfalls leuchtet der Chicago River jedes Jahr aufs Neue knallgrün und um die Wette mit den verkleideten Partygängern auf den Straßen und in den Pubs (heißen Dank an travelogg für das Foto!!). Dort wird an den Tagen vor dem St. Patrick`s Day, am sogenannten Green Beer Day, dann auch noch das Bier grün gefärbt – einst ein Scherzartikel, der aber schnell aus seinem Nischendasein heraus wuchs und sich inzwischen bei den Amerikanern im Feierrausch jedes Jahr aufs Neue bestens verkauft.

Aber zurück zur Geschichte. Heute sind die Stätten in Irland, an denen Patrick wirkte, Publikumsmagneten für Iren und ausländische Touristen. So pilgern jedes Jahr am 17. März Unzählige zu seinem Grab in Downpatrick in Nordirland. Das liegt unter einer schlichten grauen Granitplatte, mit der ebenso schlichten Gravur „Patrick“ und einem keltischen Kreuz gleich neben der Kathedrale des 10.000-Einwohner-Städtchens südlich von Belfast. Vermutlich ist Patrick hier begraben – allerdings beanspruchen auch andere Orte Irlands für sich, Patricks letzte Ruhestätte zu sein. Wer aber schon einmal in Downpatrick ist, sollte auf jeden Fall einen Abstecher nach Downpatrick Head machen: Eine schroff-felsige Steilküste mit einem abgetrennten Fels, der rund 50 Meter hoch aus dem Wasser der Nordsee ragt – wildromantisch.

Hier keine drei Blätter, aber auch als Herz schön: grüner Klee

Hier keine drei Blätter, aber auch als Herz schön: grüner Klee

Irlands inoffizielles Nationalsymbol ist das dreiblättrige Kleeblatt, Shamrock genannt. Grün wie die Landschaft und schon von den alten Druiden als heiliges Kraut gegen Schlangen verwendet, symbolisierte es in Patricks Augen außerdem perfekt die christliche Dreifaltigkeit. Als Missionar soll er den Iren jedenfalls anhand des Kleeblatts die Dreifaltigkeit erklärt haben: Ein Stiel, an dem drei Blätter sitzen. Bei seinen Predigten pflückte er einfach grüne Kleeblätter und hatte damit ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Lehrmittel in der Hand. Heute ist das Shamrock bei Irlandfans vor allem als Fanartikel beliebt: Auf T-Shirts, als Schoko-Kleeblatt oder als Anstecknadel. Ganz so diskret kommt das Kleeblatt am St. Patricks`s Day allerdings nicht davor: Dann verkleiden sich die Menschen in Ganzkörper-Kostümen als wandelndes Kleeblatt oder malen es sich mindestens mitten ins Gesicht.

Zu Irlands heiligem Berg Croagh Patrick pilgern jeden letzten Sonntag im Juli tausende von Gläubigen. Der Nationalheld soll sich selbst als Buße auferlegt haben, wie Jesus vierzig Tage ohne Nahrung und Wasser auf dem Berg zu verbringen. Der steile Aufstieg auf den 753 Meter hohen Gipfel ist echt mühsam, immer wieder rutschen die Füße auf dem lockeren Geröll weg. Doch oben angekommen, entschädigt ein grandioser Rundumblick auf die schroffe Landschaft und die Inseln der Clew Bay für alle Mühen. Patricks Knie sollen hier vom Beten einen Abdruck im Gestein hinterlassen haben, und in der Kapelle auf dem Gipfel des kegelförmigen Bergs findet am Ende der Wallfahrt ein Gottesdienst in Gedenken an den irischen Superstar statt. Dass der Schutzheilige jemals vergessen werden könnte, ist allerdings sowieso eher unwahrscheinlich: Seinen Namen bekommen noch heute viele Babys in Irland – als Patrick oder Patricia. Paddy, die Abkürzung, ist ebenfalls weit verbreitet. Und bei den Briten sogar als Spitzname für die Iren gebräuchlich.

St. Patrick`s Festival in Dublin: www.stpatricksfestival.ie

Wer noch mehr über Patricks Spuren in Irland lernen will: www.saintpatrickscountry.com

… by the way – echt irischer Folk aus Westfalen: The New Foggy Few

2 Kommentare

  1. Sehr interessant. Ich habe mal wieder etwas Neues dazugelernt. Ich wusste gar nicht, dass St. Patrick kein Ire war. Die Leute in Wales haben ihren eigenen Heiligen. Es ist der St.David. Und der hat auch seinen eigenen Feiertag, den St. David’s Day. An diesem Tag tragen die Leute eine papierne Osterglocke am Blazer.

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