Nachhaltigkeit, Reisen
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Teneriffa: „All inclusive tötet alles“

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All inclusive ist im Trend – nicht nur auf Teneriffa. Doch es wäre dringend an der Zeit, mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen – das meint Chefkoch Adrian Broins: „Unsere Insel braucht die kleinen Bauern und Produkteure. All inclusive tötet alles hier.“ Warum es Zeit ist, beim Reisen auf  Nachhaltigkeit zu setzen, erzählte er mir bei meinem Besuch.Pico del Teide Teneriffa, Papas Arrugada, Papas Teneriffa, Teneriffa All inclusive, teneriffa Slow Food, Teneriffa Öko, Reiseblog, Travelblog, FoodblogPapayas, Ananas, Kiwi, Mangos wachsen auf Teneriffa – fast ein Garten Eden mit all der Vielfalt. Hinzukommen Fisch und Ziegenspezialitäten – die kanarischen Inseln sind mit ihrem Klima ein kleines Paradies. In manchen Gegenden gibt es bis zu drei Kartoffelernten pro Jahr. „Es ist Zeit, den lokalen Anbau zu fördern“, meint Adrian Broins. Weil ihm genau das ein Herzensanliegen ist, hat der Chefkoch jetzt auf der Finca El Patio de Tita in Los Realejos das erste Slow-Food-Restaurant der kanarischen Inseln eröffnet. Damit setzt er bewusst einen Gegenpunkt zu All inclusive.

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Adrian Broins (rechts) und sein Team.

Bei ihm kommt das auf den Tisch, was auf Teneriffa wächst: Bananen, Schwarzkartoffeln, Kürbisse oder Ziege. „Wir haben keine Kühe auf der Insel und auch kaum Schweine. Warum sollten wir dann die Steaks herfliegen, wenn hier eigentlich Ziegenbraten und Fisch gegessen wird?“ Damit diese Vielfalt bewahrt bleibt, züchtet er jetzt auch auf seiner Finca in Los Realejos nicht nur eigenen Wein, eigene Zwiebeln, sondern hält auch Bienen.
Kartoffeln haben auf den kanarischen Inseln Tradition, vor allem die berühmten Papas – die kleinen Kartoffeln. „Sie stammen ursprünglich aus Südamerika, dorthin haben unsere Inseln vor 200 Jahren intensive Handelsbeziehungen gepflegt“, weiß der Küchenchef Adrian Broins. Heute aber sind die Kartoffeln derart an die kanarischen Böden und das Klima angepasst, dass sie als eigene Sorte gelten. „Und die muss geschützt werden, sonst ist sie irgendwann verschwunden“, fordert Broins. Und das geht nur mit Nachfrage.
Die Landwirtschaft der Insel sei geprägt von alten Bauern, die für ihre Felder keine Nachfolger mehr finden. „Dabei liegt unsere Jugendarbeitslosigkeitsquote bei 70 Prozent und gehört zu den Spitzenreitern in Europa“, weiß Broins.Er hofft, dass die Landwirtschaft mit Projekten wie seinem anzukurbeln, damit auch junge Menschen sich nicht nur auf Jobs im Tourismus stürzen. Damit setzt er bewusst ein Zeichen für regionale Produkte und Pflege von Traditionen. „Ich möchte mit meinem Essen gegen die Industrie protestieren“, bekennt der Revolutionär der Küche.

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Viele einheimische Bauern auf der Insel haben nichts von den Touristen, das Essen in vielen großen Hotels ist zur Massenabfertigung geworden. „Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit und neben dem Tourismus kaum andere Wirtschaftszweige. Viele Nahrungsmittel kommen als Fertigprodukte auf die Insel. Pommes, Nudeln, Rührei oder Limonade sind nicht von hier und unterstützen nur die großen Konzerne wie Coca Cola. Das ist Gift für unsere Wirtschaft.“ Anstatt die Produkte der großen Weltmarken auszugeben oder Eier von Käfig- oder Bodenhaltung vom Festland zu essen, wäre es viel wichtiger lokale Spezialitäten anzubieten, fordert der gebürtige Holländer. „Als auf Teneriffa vor 40 Jahren der Massentourismus aufkam, haben die Menschen ihre traditionellen Gerichte gegen Pizza und Hot Dog eingetauscht, die Folgen spüren wir heute noch“, erklärt er. Manche Kartoffelsorten seien fast ganz verschwunden und wer kocht denn noch mit Gofio, dem traditionellem geröstetem Mehl, das die Hirten einst immer bei sich trugen?  Tatsächlich sind die Inseln eine Region, in der Ziegenmilch und Honig fließen. Kartoffeln auf Teneriffa, Papas Arrugada, Papas Teneriffa, Teneriffa All inclusive, teneriffa Slow Food, Teneriffa Öko, Reiseblog, Travelblog, Foodblog

„Dank unserer reichen Flora sammeln die Bienen hier mehr als 250 Sorten Honig. Mancher ist fast durchsichtig, anderer schwarz und dick.“ Immerhin gibt es ein eigenes Honigmuseum im Norden. „Aber wenn im Hotel der Honig in den verpackten, kleinen Paketen kommt, dann ist er nicht von hier.“ Ein Jammer, denn zum Entdecken eines Landes, einer Region gehört auch das Schmecken. „Die Spezialitäten kommen von kleinen Erzeugern. Es hilft uns sehr, wenn die Menschen hier in Restaurants gehen und damit unsere kleinen Lokale unterstützen – und die kleinen Bauern und Zulieferer.“ Ein Grund mehr, bei der nächsten Buchung mal darüber nachzudenken, ob es wirklich all inclusive sein muss oder ob vielleicht auch Frühstück reicht und man abends nicht lieber in der Dorfkneipe mit den Einheimischen ins Gespräch kommt.

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Eigene Zwiebeln aus dem Garten kommen ebenso auf den Tisch wie…
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..Mangold oder Schweinebraten.

Tipp: Essen auf Teneriffa – Slow Food
Das Restaurant El Patio liegt im Norden der Insel, in Los Realejos, in der Calle El Jardin 13. Das Restaurant kocht mit regionalen Spezialitäten und hat selbstverständlich frischen Fisch auf der Karte. Besonders hübsch sind aber auch die Zimmer auf der Finca, sie hat einen eigenen Swimmingpool und liegt idyllisch am Fuße des Pico del Teide. www.fincaelpatio.com

Die Reise wurde unterstützt von Tourismo de Teneriffe, www.webtenerife.com – danke dafür.

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