Norddeutschland
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Heideblüte: Besuch beim Korb-Imker

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Ich liebe Bienen und Honig. Damit scheine ich auch voll im Trend zu liegen, denn Bienen sind gerade unheimlich in Mode. Doch während die meisten Imker Styropor-Beuten  für die Bienen haben, arbeitet einer noch ganz traditionell:  Hans-Jürgen Winterhoff gehört zu den letzten Korb-Imkern Deutschlands. Er hält seine Bienen, wie es schon Generationen vor ihm getan haben – in Körben aus Stroh. Ein Besuch beim nachhaltigen Imker zur Heideblüte.

Sie fliegen geschäftig von einer Blüte zur nächsten, holen sich mit ihrem langen Rüssel den Nektar aus den kleinen, lila Kelchen: Die Bienen in der Lüneburger Heide sind derzeit in Volltracht – das heißt, sie haben mehr als genug Honig im Nahrungsangebot. „Das wird ein gutes Honigjahr“, freut sich Hand-Jürgen Winterhoff aus Herrmannsburg schon auf seine Ernte. Er führt die Imkerei mit den derzeit 75 Bienenvölkern schon in der 5. Generation. Das allein ist schon etwas Besonderes, doch seine Betriebsweise noch viel mehr, denn er ist der letzte Korbimker Deutschlands. Seine Bienenbehausungen, auch Beuten genannt, sind so, wie sie heute noch auf den Honiggläsern abgebildet sind – kleine Körbe mit winzigem Einflugloch.

Während andere Imker mit kleinen Türmen arbeiten, in die sie einfach kleine Rähmchen hineinstecken und voller Honigwaben wieder herausholen können, geht bei Winterhoff alles seinen natürlichen Gang: Die Bienen bauen die Waben ganz so, wie sie möchten, ohne Vorgabe von Rahmen und Richtung. „Meine Völker sind auch kleiner, hier passen nur etwa 10000 Bienen in den Stock“, sagt er. In herkömmlichen Beuten wimmeln immerhin 40-60000 Bienen. Dort kann der Imker die Rahmen einfach rausnehmen und neue hineinstecken, da sie ja an einem Holzrahmen befestigt sind. Bei den Körben bauen die Bienen direkt an die Wand, da kann man nichts herausnehmen. Winterhoff muss seine Bienen gleich umsiedeln, wenn er den Honig entnehmen will.

Das ist unbequem, nicht nur für die Bienen. „40 bis 60 Stiche sind dann normal“, sagt er und lächelt. „Trotz Stichschutz.“ Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Imkerei heute von diesen Körben abgekommen ist. Dabei ist der Imker dort näher bei seinen Tieren. Nicht nur bei der Honigernte, sondern auch in der Schwarmzeit. Dann sitzt er wochenlang vor seinen Stöcken und schaut, ob ein Volk sich teilt und ausschwärmt. Während andere Imker Ableger machen, weil sich die Rähmchen ja so gut aus den Kästen ziehen lassen, kann er nicht einfach Waben herausbrechen, sondern muss warten, bis die Natur sich entscheidet, das Volk zu teilen. Imkern auf entschleunigte Art. Der Honig übrigens ist etwas ganz besonderes, er wird nicht geschleudert, sondern gepresst und schmeckt extrem würzig.

Der Abstecher lohnt sich – in seinem Wald Café kann man den Honig verkosten und mit etwas Glück zeigt er auch seinen Bienenstand: www.wald-cafe.de

Kategorie: Norddeutschland

von

Andrea Lammert

Als Reiseautorin bin ich gerne in der Welt unterwegs, am liebsten am Meer und an Orten, die Kraft geben. Auf jeden Fall draußen, Wälder, Strände und Wiesen sind meine Heimat - ob in Frankreich oder in der Mongolei. Ich schreibe regelmäßig auf meinen Blogs www.reisefeder.de und www.schamanen-garten.de

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