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Ostfriesische Teezeremonie (+ Krintstuut-Rezept)

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Schwarzer Tee, grüner Tee, sahniger Chai… seit ich denken kann, trinke ich Tee. Besonders gern bin ich deswegen dort, wo Teetrinken Tradition ist: in Ostfriesland. Zuletzt hatte ich in Leer das Vergnügen, im Bünting Teemuseum an einer ostfriesischen Teezeremonie teilnehmen zu dürfen – nur echt mit Kluntje, Rohm und Wulkje. Und natürlich mit frischem Krintstuut voller saftiger Rosinen…

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Teekannen-Sammelsurium (Foto: Bünting Teemuseum)

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Wulkje in der Teetasse mit klassischem Dekor Ostfriesische Rose (Foto: Bünting Teemuseum)

Gerade noch war Silke an der windgepeitschten, tobenden Nordsee – was passt da besser als eine schöne, heiße Kanne Tee zum Aufwärmen? Natürlich in Ostfriesland. Denn mehr Tee und Teekultur als in Leer geht kaum: Der Kluntje in der kleinen, flachen Porzellantassemit dem typischen Rosen-Dekor knistert leise, als heißer Ostfriesentee darüber fließt. Mit dem Rohmlepel, einen kleinen, kreisrunden Löffel, kommt nun Sahne an den Rand der gut halb mit Tee gefüllten Tasse. Der „Rohm“, also Rahm oder Sahne, fließt innen an der Porzellanwand hinab in den Tee. Kaum am Tassenboden angekommen, erwärmt er sich und ploppt in kleinen „Wulkjes“, Wölkchen, bis kurz unter die Oberfläche nach oben. Jetzt vorsichtig trinken. „Erst kommt die lauwarme, sahnige Mischung, dann der heiße, herbe Tee und zum Schluss das Beste, die süße Mischung mit dem aufgelösten Kandis“, erklärt Celia Hübl, die Leiterin des Bünting Teemuseums in Leer, das die klassische Teezeremonie anbietet.

Doch der Reihe nach. Hier in dem kleinen, liebevoll gestalteten Museum des Leeraner Handelshauses Bünting lässt sich nämlich allerlei Spannendes und Verblüffendes über den Anbau von und den Handel mit Tee erfahren. Das dauert eine Weile. Nach dem Rundgang setzten wir uns in die kleine gute Stube, Celia Hübl bereitet den Tee und erklärt dabei: Bei der Teetied oder -zeremonie geht es nämlich nicht vorrangig darum, Durst zu löschen. Die Teezeremonie ist ostfriesisches Kulturgut und zelebrierte Gastfreundschaft, denn wie schon das Sprichwort sagt, „die ostfriesische Gemütlichkeit hält stets ein Tässchen Tee bereit“. Da ist was dran, denn was gibt es Gemütlicheres, als eine Kanne Tee mit netten Menschen zu teilen?

Foto: Hübl/Bünting

Tee mit Krintstuut     Foto: Bünting Teemuseum

Doch es gibt klare Regeln beim ostfriesischen Teetrinken. Der Löffel bleibt dabei zum Beispiel neben der Tasse liegen – der Ostfriese benutzt den Löffel nur, um „Stopp“ zu signalisieren. Nach der dritten Tasse sollte der Gast den Löffel nämlich in die Tasse stellen, sonst schenkt der höfliche Gastgeber immer wieder nach. „Dreimal ist des Ostfriesen Recht“ lautet so auch ein anderes Sprichwort. Will heißen: Nach der dritten Runde ist es Zeit, die Gastfreundlichkeit nicht weiter zu strapazieren – weniger Tassen gelten als unhöflich, mehr als maßlos. Übigens: 300 Liter Tee trinkt jeder Ostfriese im Jahr durchschnittlich, weit mehr als die Japaner, Chinesen und Iren. Dabei verbraucht er rund 12-mal so viel Tee wie der Rest der Deutschen.

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Ostfriesische Gemütlichkeit (…früher) Foto: Bünting Teemuseum

Früher wärmte man die Teekanne über dem offenen Feuer, heute benutzt man das Stövchen auf dem Tisch. Die niederländische Ostindien-Kompanie brachte Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals Tee aus Fernost nach Europa. In Großbritannien und Irland entwickelte sich bald eine eigene Kultur. Nach Ostfriesland dürften der Tee und das zarte Porzellan bald darauf mit ostfriesischen Seeleuten gekommen sein, die unter niederländischer Flagge fuhren. Zunächst nur als Medizin gereicht, blühte der Handel mit Tee zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch in Ostfriesland. Der preußische König Friedrich II. förderte den Genuss zunächst ganz offensiv auf der ostfriesischen Halbinsel – zum einen, weil das Wasser aus hygienischen Gründen ohnehin abgekocht werden musste und dies so gefördert wurde, möglicherweise aber auch, um den Ostfriesen eine Alternative zum Bier zu bieten, dem sie nicht abgeneigt waren… Zum Tee gibt es bis heute jedenfalls frischen Krintstuut mit Butter, ein helles Weizenbrot mit saftigen Rosinen und Korinthen gespickt – so frisch gebacken lasse ich dafür jede Torte stehen, so lecker schmeckt das Rosinenbrot. Und ist übrigens ganz leicht nachzubacken.

Hier das Rezept:

Krintstuut

750 g Weizenmehl (oder Dinkel), 1 Würfel Hefe, 100 g Zucker, 
1 Ei, 100 g Butter oder Margarine, 250 ml Milch, je 50 g Rosinen 
und Korinthen (wer mag, auch 50 g Sukkade)

Milch erwärmen, Butter darn schmelzen und handwarm abkühlen lassen. 
Die Hefe in das Mehl bröseln, mit  dem Zucker vermischen. 
Die Milch über das Mehl gießen, Ei hineinschlagen und alles verkneten. 
Zuletzt die Rosinen und Korinthen einarbeiten, dann den Teig 
zugedeckt 30-45 min an einem warmen Ort gehen lassen. 
Nochmal durchkneten, ein Brot formen oder Teig in eine gefettete 
Kastenform füllen. 
Abermals 20-30 min gehen lassen, dann mit Milch bepinseln und 
im 200 Grad heißen Ofen rund 45 min backen. Wenn die Oberfläche 
hellbraun ist, sie den Rest der Zeit mit Alufolie abdecken, sonst 
verbrennt sie. Abkühlen lassen oder noch lauwarm zum Tee essen - am 
besten mit frischer Butter bestrichen...

Vielen Dank an Celia Hübl und das Bünting Teemuseum für die leckere und lehrreiche Teestunde und für die Fotos in diesem Beitrag! Wer selbst einmal an der Teezeremonie teilnehmen möchte: Infos zur Teezeremonie, Teeverkostung und Teeseminaren gibt es hier. Infos zur Stadt Leer gibt es hier, zu Ostfriesland allgemein hier.

 

6 Kommentare

    • Anke sagt

      Hallo Doris, mach das, lohnt sich wirklich, am besten Museum zusammen mit der Teezeremonie! Und Leer selbst ist auch richtig schön, da solltest du, wenn du gern liest, unbedingt bei der Krimi-Buchhandlung Tatort Taraxacum vorbeischauen…

  1. Dörte sagt

    Und die echte Ostfriesentasse ist aus Porzellan und so dünn, sagte Oma immer, dass man fast durchgucken kann 🙂
    Prost Tee!

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