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Ottawa: Winterludes, wo Winter richtig Laune macht

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Was in Hamburg Mangelware ist, gibt es Ontario reichlich: richtigen Winter mit Schnee, Eis und allem, was dazugehört. Schlittschuhlaufen, Eis-Skulpturen und einem speziellen Bettenrennen. In Ottawa lassen es die Menschen richtig krachen und feiern die weiße Pracht mit einem riesigen Fest. Die Winterludes, eine Mischung aus Karneval, Kunst und kulinarischen Köstlichkeiten.

Schlittschuhläufern auf dem Rideau-Kanal in Ottawa

Ideal zum Runterkommen: Schlittschuhlaufen auf dem Rideau-Kanal in Ottawa

Es sind Jahre her, dass ich das letzte Mal auf Schlittschuhen stand. Als Kind. Jetzt wieder und ich wackle die ersten Schritte wie ein Lämmerschwanz. Aber genau wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht. Anfangs etwas abgehackt, kommt der Flow nach ein paar Schritten und gefühlt ganz elegant schwebe ich über das Eis. „Mommy schneller!“, befiehlt ein kleines Mädchen und flitzt auf ihren kleinen Kufen davon. Ich muss lächeln und bin froh, dass nicht ich hinterher hechten muss.

Bunte Verkaufsbuden auf dem Rideau-Kana, der längstenEisbahn der Welt

In den bunten Buden kann man nicht nur Schlittschuhe leihen, sondern auch Beavertails und heißen Kakao kaufen

Auf der längsten natürlich zugefrorenen Eisbahn der Welt, dem sieben Kilometer langen Rideau-Kanal in Ottawa. Am Rand stehen kleine Buden, die Schlittschuhe verleihen und wo man sich umziehen kann. Weil in Ottawa die Winter lang, kalt und dunkel sind, haben die Menschen aus der Not eine Tugend gemacht und ein riesiges Spektakel ins Leben gerufen: die Winterludes. Ausgiebig feiern sie diese

Ice Carver bei den Winterludes in Ottawa

Ice carver haben einen Knochenjob. Aber das Ergebnis ist beeindruckend, leider nicht von langer Dauer

Jahreszeit, mit allen Aktivitäten rund um Eis und Schnee. Zum Schauen, Staunen und Mitmachen. Die ganze Stadt scheint auf Kufen unterwegs zu sein. Wie ein riesiger Tausendfüßler gleiten Menschen über das glitzernde Eis. Geschniegelte Geschäftsleute flitzen an Eltern vorbei, die ihre Babys in Schlitten schieben. Kleinkinder üben erste Schritte und Teenager zeigen kunstvolle Kapriolen. Alle dick eingemummelt und mit einem Lächeln auf den Lippen. Tolle Stimmung, dank auch der strahlenden Sonne, die die minus 20 Grad erträglich werden lässt.

Das legendäre Bettenrennen ist ein Höhepunkt der Winterludes

Das legendäre Bettenrennen ist ein Höhepunkt der Winterludes

Unweit des Kanals, im Confederation Park, fliegen Funken und Fetzen. Sägen kreischen, Hobel schaben und Äxte klirren. Feine Eisflocken stieben durch die Luft, bedecken Mützen, Bärte und Wimpern der Eisschnitzer. Drachen, Riesen, Kentauren und andere Fabelwesen entstehen. Insgesamt werden 1700 Eisblöcke von je 140 Kilogramm Gewicht behauen und in Form gebracht. Etwa 50 professionelle Eisschnitzer aus aller Welt haben Betten_rot_DSC_297830 Stunden Zeit, aus Industrieeisblöcken Kunst zu machen und der Jury zu präsentieren. „Ein echter Knochenjob“, stöhnt Gordon aus Toronto und streckt die lahmen Arme. Mehr sagt er nicht. „Keine Zeit“, winkt er bedauernd ab. Der Countdown läuft. Eine große Digitalanzeige zählt gnadenlos 30 Stunden rückwärts. bettenrennen2Besonders schön ist es am Abend, wenn die Skulpturen märchenhaft beleuchtet werden. Deutlich entspannter geht es im Königreich der Schneeflocken zu. Keine Knochenarbeit, sondern Kinderfreuden, auch für Erwachsene. Hundeschlitten fahren, Eisangeln, Schneeschuh wandern oder Eisbahn rutschen.

Eisskulptur bei den Winterludes in Ottawa

Für Laien gibt es einen eigenen Wettbewerb, fehlen mir nur die Trainingsmöglichkeiten

Keiner guckt blöde, als ich johlend auf dem Hosenboden hinunter rutsche. Mitmachen darf jeder. Die Kälte und das Treiben machen hungrig. Allerorten duftet es verführerisch nach frisch Frittiertem, Zucker und Zimt. In kleinen Buden werden die Spezialitäten der Winterludes gebacken: Beavertails – Biberschwänze. Hauchdünnes, knusprig-fluffiges Schmalzgebäck, mit Zimt und Zucker bestreut, das sofort im Mund zergeht. Das Hefeteilchen erinnert mit seiner ovalen Form an den Biber, genauer dessen Schwanz, Kanadas Nationaltier. Grandios lecker! Typisch sind auch Ahornsirup-Lollies, eine süß-klebrige Angelegenheit, die nicht nur Kinder lieben. Flüssiger Ahornsirup wird auf ein Schneebett geschüttet, dann rollt man die fest werdende Masse um einen Stil. So schmeckt der Winter in Ottawa. Ja, ja, dazu noch ein Kakao mit Marshmallows. Die süßen Sünden sieht ja unter den dicken Schichten niemand. Wozu die Kälte nicht alles gut ist.

Ahornsirup-Lollies. Einfach heißen Ahornsirup in den Schnee gießen und die erkaltende Masse aufrollen. Fehlt hier nur der Schnee

Ahornsirup-Lollies. Einfach heißen Ahornsirup in den Schnee gießen und die erkaltende Masse aufrollen. Fehlt hier nur der Schnee

Ein Tipp gegen kalte Füße, nicht nur in den Schlittschuhen: Überall kann man Toasti Toes kaufen. Selbst aktivierende Fußwärmer, die man einfach in den Schuh legt. Gibt es auch für die Hände/Handschuhe. Von mir, der großen Ober-Frostbeule, getestet und empfohlen!

Informationen:
Die Winterludes gehen noch bis zum 16. Februar. Mehr über Ottawa gibt es hier. Stilvoll übernachten kann man im legendären Hotel Fairmont Château Laurier, 1 Rideau Street, Ottawa. Der Kanal und alle Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß erreichbar. Air Canada fliegt mehrmals die Woche nonstop von Frankfurt nach Ottawa. Allgemeine Informationen über die Provinz Ontario gibt es hier.  

Die Reise wurde unterstützt von Ontario Travel – Danke!

Kategorie: Reisen

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Schon als Kind wollte ich nur eins: Raus in die Welt, Abenteuer erleben. Fernweh und Abenteuerlust stacheln mich noch immer an. Ob alleine, mit meinem Reisekind und meinen Hunden, reise ich am liebsten abseits der ausgetretenen Pfade und ich halte es wie Susan Sontag: "Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste."

4 Kommentare

  1. Anke sagt

    Schnee, Eis und Sonne dazu – das wär´ hier auch mal was Feines als Abwechslung zum Wintergrau. Und dann bald Frühling.

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