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Sprache unterwegs: Die Welt der Redewendungen

Wenn ich unterwegs bin, liebe ich es, Redewendungen und Sprichwörter des Landes zu sammeln (immer vorausgesetzt, ich verstehe die Landessprache gut genug). Manche sind unseren ganz ähnlich, andere sind einfach nur witzig oder skurril. Eine kleine Auswahl:

Besonders gern bin ich ja in Skandinavien unterwegs und lese auch zuhause schwedische Bücher am liebsten im Original. Da fällt so manche Redewendung auf 🙂 Wenn ein Schwede zum Beispiel nicht alle Tassen im Schrank hat, hat er „inte alle hästar i stallet“, nicht alle Pferde im Stall. Das ist ja unseren Tassen oder Latten am Zaun noch ziemlich ähnlich. Aber dies? Wenn alles in Ordnung ist, besteht „ingen fara på taket“, keine Gefahr auf dem Dach. Hm, wo mag das herkommen? Brandgefahr? Einbrecher? Und skurril finde ich die Redewendung „keine Panik“ in Schweden. Da hat man dann nämlich „is i magen“ (Eis im Bauch) — bzw. wenn der andere sagen will „bleib ruhig!“, wird man aufgefordert, Eis im Bauch zu haben („ha is i magen!“). Vermutlich aber nicht Vanille oder Schoko, denke ich.

Und die anderen Länder… wo mögen diese Redewendung herkommen: Litauer lügen nicht, sie hängen Nudeln über die Ohren des anderen („kabinti makaronus“). Seltsam, oder? Portugiesen sagen, wenn jemand abhauen soll, er soll dahin gehen, wo Judas seine Schuhe verloren hat („onde Judas perdeu as botas“). Analog zu „wo der Pfeffer wächst“ bei uns.Wer in Italien einen Kater hat, ist „ubriaco come una scimmia“, besoffen wie ein Affe. Ach ja, und die Japaner werfen nicht das Handtuch, sondern bescheiden nur den Löffel, wenn sie aufgeben: „saji o nageru“. Wahrscheinlich, weil Boxen sich in Japan noch nicht als Volkssport durchgesetzt hat…

Ich habe großen jedenfalls Spaß an der Sprache, die mir unterwegs begegnet. Kennt jemand noch andere Redewenungen und Sprichwörter, die einen nicht nur unterwegs zum Schmunzeln bringen? Meine Sammlung freut sich über Zuwachs.

Reisefeder, Aland, Finnland, Reisen

Wo der eine ein Haus sieht, steht für den anderen eine Pyramide – irgendwie ja auch in der Welt der Redewendungen…

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Seit ich denken kann, zieht es mich in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

6 Kommentare

  1. Silke Haas sagt

    Mir fällt spontan ein:
    Als alte Seefahrernation lieben Engländer Idiome mit Meer, See und Wasser. So haben sie nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera, sondern zwischen dem Teufel und dem offenen Meer (a choice between the devil and the deep blue see).
    Um den heißen Brei herumreden, schlagen die Engländer um die Büsche herum (beat about the bush).

  2. Andrea Lammert

    Eine schöne Idee, mal über die Sprachgrenze zu schauen. Ich fand neulich toll, als eine kleine Französin sagte: ich habe Ameisen im Arm, als ihr Arm eingeschlafen war.

  3. Die Redewendung über die Nudeln haben Litauer von Russen übernommen. Interessanterweise findet man deren Ursprung nicht so leicht im Internet. Die Mehrheit der „Internet Experten“ behaupten, es käme vom Kriminaljargon. Dies kann ich weder bestätigen noch verwerfen: keine Bekanntschaften in solchen „hohen“ Kreisen.

  4. Eine tolle Idee! Im Chinesischen gibt es da bestimmt auch eine Menge. Viele Redewendungen sind uns da erstaunlich ähnlich, andere wirken sehr merkwürdig. Eins fällt mir spontan ein: Wenn ein Chef einen Mitarbeiter rauswirft, dann „brät er ihm einen Tintenfisch“.

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