Ausflug
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Warten auf … Godot? Nee, auf den Frühling – mit Goethe

Noch schneit es im Harz und auf der Zugspitze – aber im Flachland hat sich pünktlich zu Ostern der erste Hauch von Frühling am Horizont blicken lassen!
Also raus in die Natur und nachgucken. Von dieser Bank aus sieht der frisch gefurchte Ackerboden noch ganz dunkel aus. Aber den Blick etwas höher….

… und da isser: leuchtend blauer Himmel mit Schäfchenwolken und die Blattknospen schwellen am Baum. Wer jetzt durch einen Laubwald geht, hört es rundrum knacken und knistern, weil sich die jungen Blätter von ihren Hüllen befreien.

Das hat schon Goethe in seinem „Osterspaziergang“ (im Faust) beschrieben!!!
Und achtet mal auf die letzte Zeile 🙂

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

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Kategorie: Ausflug

von

"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

3 Kommentare

  1. Krümelmonsterchen sagt

    Goethe hätte bestimmt nicht auf einer Bank mit Aussicht auf ein per computergesteuerten Trekker gepflügtes Feld und einer Stromleitung Platz genommen 🙂

    Aber das Gedicht habe ich schon seit Schulzeiten gemocht.

    Zu Ostern hatten wir aber (fast) frühlingshaftes Wetter 🙂

    Grüßelchen, Dirk

    • Dörte sagt

      Hai Dirk, hätte er bestimmt wirklich nicht!
      Denn ich muss Dich enttäuschen: im Schaumburger Land sind die Bauern noch nicht so technikverliebt (oder finanzkräftig genug), um mit computergesteuerten Treckern zu arbeiten 😉
      Geschweige denn sind die Felder groß genug, als dass sich das lohnen würde… Was Du hier siehst, sind mehrere durch Wege getrennte Einzelfelder, von braven Bäuerchen gepflügt, die vermutlich noch selbst auf dem Bock saßen…

      Und die Stromleitung ist ja ganz am Horizont – Goethe würde hier unter den von Frühlingssäften durchströmten Zweigen sitzen. Gibt sogar Bäume und Raine zwischen den Äckern — ganz so kulturpessimistisch isses also noch nicht hierzulande… 🙂

      In diesem Sinne: Dir weiter einen sonnigen Frühling !!!

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