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Büsum im Winter: Tipps für Kinder

Regen, Sturm und Grau in allen Tönen. Windgepeitscht, Regen getrieben. An einem langen Wochenende erleben Frederik das Reisekind, Tilda und ich Watt, Meer, Abenteuer und viele Glücksgefühle. Auch im Winter hat Büsum einiges zu bieten – gerade auch für Kinder.

Frau mit erhobenen Armen und im Regenmantel und Gummistiefeln bei Büsum an der Nordsee

I can fly! Und bin stolz auf meinen Freddie, der das Foto gemacht hat

Sturmböen und Dauerregengebiet kündigt der Wetterbericht für die Nordsee an. Typisches Novemberwetter für den Norden und ich freue mich darüber, denn Helly Hansen hat mir einen Regenmantel zur Verfügung gestellt, den ich testen soll. Keine Versuche unter der Dusche, sondern knallharter Alltagstest. In meinen Farben: blau und weiß gestreift, für mich alten Frostknödel auch schön mit Primaloft gefüttert. Optisch eine Wucht, da bin ich gespannt, ob er auch hält, was er verspricht. Schick ist er ja, aber auch warm und vor allem wasserdicht?

Eine Gruppe Wattwanderer beobachtet den Wattführer, der ein Loch gräbt

Das Watt vor Büsum ist hart und Wattführer Jens Uwe Blender muss schon ordentlich reinhauen

Abends ist Büsum dunkel, nur wenige Fenster sind erleuchtet. Kein Wunder, kommen doch auf etwa 5000 Einwohner über 13.000 Gästebetten und die meisten sind nur im Sommer belegt. Das Navy lotst uns durch die Straßen und ein Haus strahlt hell. Jess am Meer, unser Hotel. Wir stehen kaum, da kommt auch schon Hotelbetreiber Marcus Jessen durch den Regen und kümmert sich ums Gepäck.

Das Bild einer schlafenden Robbe hängt über dem Bett und eine alte Alkoventür trennt das Schlafzimmer

Wo ist Freddie?  Im Jess am Meer bilden Alt und Neu eine perfekte Harmonie

Unser Zimmer heißt Hallig Hooge, groß und in den Traumsommer-Nordseefarben blau-weiß gehalten. Wir bleiben nicht lange, da Tilda raus muss. Raus in die zum Gespenstern schwarze Nacht, in der weder güldene Sterne leuchten noch der Mond aufgegangen ist. Wir kämpfen uns zum Deich, wollen der Nordsee unsere Aufwartung machen. Aua! Rasiermesserscharfe Regentröpfchen peitscht der Wind ins Gesicht, die einzige ungeschützte Stelle. Böen greifen nach uns, wollen uns mitnehmen. Fast fliegen wir davon. Käme der Schimmelreiter auf der Deichkrone angaloppiert, würde es mich nicht wundern. Stattdessen flirren rote Lichter durch das Dunkel, doch die sind ganz irdisch und real – Tilda mit ihrem Blinkhalsband. Unten rauschen die Wellen. Nordseegrüße. Salzige Gischt mischt sich mit dem süßen Regen, zergeht auf der Zunge, schmeckt nach zuhause. Aber sehen können wir nichts. Freddie fasst fest meine Hand, wir kreischen und lachen, lehnen uns gegen den wütenden Wind. „Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen, der eiskalten Winde raues Gesicht“, brüllen wir den pfeifenden Böen entgegen. Regentropfen prasseln auf die Kapuze, so laut, dass die Ohren fast taub sind.

Wattführer und ein Kind im knöcheltiefen Wasser auf Krabbenfang vpr Büsum

Wasser von oben und unten. Im Sommer ist die Krabbenausbeute größer, verspricht der Wattführer

„Ist das Abenteuer?“, fragt mein Sohn. „Ja, das ist Abenteuer“, antworte ich, nehme ihn fest in den Arm, um gemeinsam weitere Schauerböen abzuwettern. „Was ist eigentlich Abenteuer?“, überlege ich. Es muss weh tun, zumindest ein wenig. Keiner da, der Licht und Heizung anmacht und die Wetter-Waschmaschine abstellt. Wir sind auf uns gestellt. Herrlich. Glückshormone wallen durch meinen Körper.

Ein Haufen Wattwurmausscheidungen im Watt vor Büsum

Watt’n Haufen!

Ein Licht durchbricht die Dunkelheit und beendet unser Mini-Abenteuer. Ralfs Restaurant. Etwas ruppig werden wir begrüßt, authentisch norddeutsch eben. Doch das Essen (Matjes und Rumpsteak) ist lecker und frisch. Mit viel Selbstüberwindung quälen wir uns wieder nach draußen. Wir haben Glück, der Regen hat nachgelassen und der Wind gönnt sich auch eine kleine Verschnaufpause. Zudem wartet im Hotel die Sauna auf uns. Rot und dampfend, frisch gekochten Krabben gleich, kriechen wir ins Bett. Herrlich. Ach ja, der Helly Hansen Mantel hat seine Feuertaufe bestanden. Dicht!

Klatschnasses Kind stapft lächelnd durchs Watt

Völlig nass – wem schadet das? Freddie stört’s nicht. Glücklich trägt er den Wattwurm im Glas

Grau und nass begrüßt uns der nächste Morgen. Die Sonne macht es wie der Mond und denkt gar nicht daran aufzugehen. Umdrehen und weiterschlafen – ein absurder Gedanke. Freddie und Tilda wollen raus, ihnen ist das Wetter wurscht. Außerdem haben wir uns zu einer Wattwanderung angemeldet. Dafür müssen wir Kräfte sammeln und ausgiebig frühstücken. Mit Obst, Ei und frischen Brötchen und Grüßen aus der Küche. Einem erfrischenden Smoothie aus Äpfeln, Minze und Joghurt und einem fluffigen, frisch gebackenem Käsekuchen. So können wir dem Wetter trotzen.

Krabbenbrötchen aus Büsum

Muss sein in Büsum: ein Krabbenbrötchen

Es regnet, nieselt und schüttet im Wechsel. Dafür hat der Wind etwas nachgelassen und das Wasser klatscht nicht mehr ins Gesicht, sondern einfach nur gerade vom Himmel. Dennoch harrt gut ein Dutzend dicht vermummter Gestalten am Treffpunkt zur Wattwanderung aus. Wasserfest verpackte Kinder spielen Ticken. Wattführer Jens Uwe Blender ist erstaunt, dass sich so viele Interessierte eingefunden haben. Darunter auch Menschen, die keine Kinder aus dem Bett treiben. Das Watt hat magische Anziehungskraft.

Ein Fisch m Multimar Wattforum in Tönning

Immer wieder spannend: ein besuch im Multimar Wattforum in Tönning

Mit geschulterter Forke und Kescher stapft der Nationalpark Wattenführer voran in den gerippten, glänzend nassen Sand. Wir quatschen hinterher. Überall liegen kleine Sandhäufchen – Hinterlassenschaften des Wattwurms. Diesen schwarzen Gesellen will Jens Uwe uns zeigen und gräbt kräftig mit seiner Forke den Boden um. Binnen Sekunden hält er einen etwa daumendicken Wattwurm in den Händen. Eine Sandklaffmuschel ist auch noch dabei. „Vorsichtig mit nackten Finger streicheln“, rät der Wattführer mit einem Lächeln. Nicht nur die Kinder staunen, wie ihr Atemrohr wächst. Verschämt scherzen die Erwachsenen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wir bekommen noch andere Wattbewohner zu Gesicht und erfahren viel über Ebbe und Flut und die Gefahren im Wattenmeer.

Sonnenstrahlen durchbrechen die Wolken und schimmern golden auf dem Wattboden

Gleissendes Gold trifft auf viele Farben Grau. Die Nordsee ist immer ein Schatzkästlein

Langsam kommt Flut: grau und gewaltig. Zuerst platschen nur die Gummistiefel im fingertiefen Nass, doch es geht schnell und schon ist der Fuß bedeckt. Jens Uwe erzählt von den jährlichen Rettungsaktionen, wenn ein schöner Sommertag die Menschen arglos macht und sie die Macht des Meeres unterschätzen. Mit Mütterchen Nordsee ist nicht zu spaßen. Das steigende Wasser zwingt uns zurück zum Deich. Leider ist die Tour zu Ende und wir verabschieden uns mit dem Versprechen im Sommer wiederzukommen. Hörbar knurren unsere Mägen und erinnern uns, das wir in Büsum sind: Krabbenbrötchen. Für mich zumindest. Freddie isst lieber Lachs. Satt und zufrieden kommen wir im Hotel an. Freddie und Tilda tropfen um die Wette, sind bis auf die Haut nass. Nur ich bin trocken. Das soll sich ändern, denn wir besuchen das Wellenbad. Endlich einmal warmes Wasser, das werde ich draußen so schnell nicht haben! Meine Nordsee, ich lieb Dich trotzdem und gerade deswegen.

Krabbenkutter im Fischereihafen von Büsum

Krabbenkutter im Fischereihafen von Büsum

11 Tipps für Büsum mit Kindern im Winter:

Übernachten:

Jess am Meer 

Ganz neues Frühstsückshotel mit hübschen Zimmern, die einen Hauch sommerlicher Meeresbrise versprühen. Sogar das Hundekörbchen passt farblich zum Raumkonzept. Super leckeres Frühstück, das allein wegen des Käsekuchens lohnt. Vielliecht bekomme ich ja noch das Rezept.

Essen gehen:

Ralfs Restaurant  Gutes Essen in rustikaler Atmosphäre gleich hinterm Deich.

Moin Moin Sehr netter Service in schönem Ambiente nah beim Hafen, aber vor allem das Essen ist genial. Lokale Spezialitäten, frisch zubereitet und super Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unbedingt machen:

Wattwanderung: Wattwandern geht auch im Winter und macht viel Spaß. Termine und Infos. 

Krabbenbrötchen essen: Der Büsumer Klassiker schmeckt auch im Winter. Beckmann in der Fußgängerzone (Alleestraße) hat auch im Winter geöffnet.

Bummel durch den HafenIn Reih und Glied liegen die Krabbenkutter im Fischereihafen an ihren Leinen. Nebenan im Museumshafen werkeln Männer an alten Holzbooten. Schautafeln erklären die Geschichte des Krabbenfangs.

Schwimmen im Piraten-MeerWellenbad, Wasserrutsche und Saunalandschaft locken nicht nur bei Schietwetter.

Ausflüge

Stinteck/Westerdeichstrich: Im Winter trifft man hier nur Schafe. Wer Deich, watt und Meer für sich haben will, fährt nach Stinteck, wenige Kilometer nordwestlich von Büsum.

De Goode Stuuv: Der Geheimtipp der Einheimischen ist die Goode Stuuv in Westerdeichstrich. Neben handgeschabten Spätzle (mein Badener Herz geht auf) und Zwiebelrostbraten, Fisch und wechselnde Gerichte. Unbedingt reservieren, da das gemütliche Lokal sehr klein ist. Dorfstraße 65, 25761 Westerdeichstrich, Tel.: 04834 984906, keine Internetseite

Das Multimar Wattforum in Tönning ist immer und wieder einen Besuch wert! Seesterne stricheln, Stürme selber machen und sehen, wie der Klimawandel die Welt verändert. Nicht nur die Kinder können an vielen Stationen mitmachen, staunen und viel Neues erfahren. Zeit einplanen.

Historischer Hafen Tönning: Vom Multimar Wattforum nur einen Katzensprung entfernt ist der alte Hafen in Tönning. Besonders schön: In der Vorweihnachtszeit verwandelt sich das Packhaus in einen riesigen Adventskalender.

Abenteuer-Team

Selfie vom Abenteuer-Team!

Weitere Infos zur Urlaubsregion Nordsee

Die Hotelübernachtung wurde gesponsert. Vielen Dank dafür!

Danke auch an Helly Hansen für den W Lyness Insulated Coat, der nicht nur am Meer, sondern auch in der Stadt bella figura macht.

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Schon als Kind wollte ich nur eins: Raus in die Welt, Abenteuer erleben. Fernweh und Abenteuerlust stacheln mich noch immer an. Ob alleine, mit meinem Reisekind und meinen Hunden, reise ich am liebsten abseits der ausgetretenen Pfade und ich halte es wie Susan Sontag: "Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste."

2 Kommentare

  1. Jaaaa! Auch in der Nebensaison ist Büsum schön! Und es scheint, als hätte man die Stadt für sich alleine…
    Vielen Dank für diesen schönen und persönlichen Artikel! Das macht wirklich Lust auf Urlaub!

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