Rezept, Städtetrip
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Auch im Winter ein Vergnügen: Göteborg

Jetzt verreisen, im Winter nach Skandinavien, ins Finstere?! Unbedingt, denn auch im Kalten und Dunkeln hat meine schwedische Lieblingsstadt Göteborg ihren ganz besonderen Charme. Jetzt kann man sich von Restaurant zu Restaurant schlemmen (und dazwischen im Café stoppen – man muss sich ja aufwärmen…). Oder in eines der vielen tollen Museen gehen. Oder Shoppen. Ein paar Eindrücke aus dem winterlichen Göteborg.

 

Altstadt Haga

Bummeln und genießen: Die alte Arbeitervorstadt Haga ist für mich ein Muss bei jedem Göteborg-Besuch. Die kleinen, bunten Holzhäuschen der armen Arbeiter sollten im letzten Jahrhundert abgerissen werden, konnten aber dank einer Initiative in letzter Minute gerettet werden. Heute reihen sich in der Haga Nygata kleine Boutiquen mit Einrichtungsdesign oder Mode, etwa des Göteborger Modelabels Twist&Tango, Cafés wie das Kringlan oder das Husaren (mit den größten Zimtschnecken Schwedens) und Restaurants wie die beliebte „Seebar“, die Sjöbaren, aneinander (Tipp: Wie der Name schon sagt, hier unbedingt Fisch bestellen, etwa die super leckere Fischsuppe. Und als Nachtisch die hausgemachten Trüffel, yummie…). An den Winterwochenenden füllt sich die kleine Einkaufsstraße mit Menschen, in den Cafés schmausen gut gelaunte Schweden frisches Hefegebäck und sitzen selbst im Winter manchmal noch draußen (in Decken eingemummelt). Göteborgare sind eben keine Weicheier 🙂

 

Restaurang Atelier

Ihr mögt es nordisch klar? Dann ist Göteborg genau der richtige Ort, geradlinig und frisch. Aber wenn es zur Abwechslung mal etwas plüschig sein soll – dann ab ins Restaurang (schreibt man wirklich mit g) Atelier im Hotel Pigalle unweit des Bahnhofs. Das Boutique-Hotel ist im üppigen, sündigen Pariser Stil des frühen 20. Jahrhunderts eingerichtet. Hier gibt es leckeres Mittag- oder Abendessen (Tipp: Das Mittagsangebot „Lunch“ ist in Schweden deutlich günstiger, als abends essen zu gehen, und beinhaltet in der Regel neben Salat und Brot auch ein alkoholfreies Getränk und hinterher Kaffee, oft sogar mit ein paar hausgebackenen Keksen dazu) zwischen Blümchensofas und Belle Époque-Interieur. Sehr anders. Viele der verwendeten Lebensmittel sind zudem öko. Frisch gestärkt kann es danach im direkt nebenan gelegenen Shoppingcenter Nordstan oder in der Fußgängerzone mit dem Shoppen weitergehen (noch ein Tipp, diesmal für die nächste Kaffeepause: Das kleine Café Jerkstands in der Markthalle Saluhallen, Eingang von der Södra Larmgatan – ganz netral und wirklich leckeres frisches Hefegebäck zum Kaffee oder Tee).

 

Stadsmuseum mit Musikausstellung

Museen sind langweilig? Nicht in Göteborg. Unkonventionell und zum Anfassen rollt Göteborgs Stadsmuseum im alten Prachtgebäude der Ostindischen Handelskompanie am großen Kanal (Stora Hamnkanalen) die Geschichte der bald 400 Jahre alten Stadt auf. Sonderausstellungen ergänzen das Angebot. Sehr gut gefallen hat mir das aktuelle Sonderthema „Musiklivet Göteborg 1955-2018“, das die kreative Musikstadt von der Mitte des letzten Jahrhunderts bei heute beleuchtet. Viele national und international bekannte Musiker aus Rock, Pop und Jazz kommen nämlich aus Göteborg, etwa Ace of Base, In Flames oder Håkan Hellström (der in Schweden ein Superstar ist, aber hierzulande kennt ihn keiner, denn er singt nur auf Schwedisch). Extrem viel Spaß macht die kleine Disco, in der man augenzwinkernd (im Augenzwinkern ist Göteborg ja sowieso ganz von dabei) verschiedene Tanzstile von Swing bis Punk lernen kann. Die beiden „Tanzlehrer“ haben sich in den kurzen Filmchen dafür zudem in die jeweils passende Kluft geworfen – herrlich…

 

Kaffee und Fisch der Spitzenklasse

Nicht nur richtig gute Musik, auch richtig guter Kaffee kommt aus Göteborg. In der Magasinsgatan – nebenbei eine der spannendsten kleinen Einkaufsstraßen mit individuellen Lädchen – bietet Da Matteo in einem von insgesamt vier Cafés in Göteborg exquisiten Sortenkaffee aus eigener Rösterei an. Besitzer Matts Johansson hat lange in Italien gelebt und die Kaffeekultur von dort nach Göteborg mitgebracht (und verbessert, wie er betont, zumindest was die schonende Röstung angeht. Denn die italienische Kaffebohnen sind in seinen Augen verbrannt). Der Kaffee wird anschließend nach speziellen Vorgaben (etwa mit genau 97 Grad warmem Wasser) handgebrüht. Den Unterschied sieht und schmeckt man: Der Kaffee ist viel heller als gewöhnlich (meiner sah fast wie ein starker Ostfriesentee aus) und entfaltet eine Vielzahl an Aromen.

Und dann der Fisch… richtig guten und frische Meeresfrüchte lassen sich in Göteborg ja eigentlich an jeder Ecke essen (Kenner kaufen in der Fischhalle Feskekörka). Gourmets sollten auf jeden Fall einmal einen Tisch bei Sternekoch Ulf Wagner im Sjömagasinet buchen. Der kreiert nämlich erstklassige Fischgerichte und hat sogar einen eigenen Schnaps im Angebot, der „Nubbe“ heißt.

 

Winter-Kuscheln in tollen Hotels

Übernachten in Göteborg? Geht von günstig (Jugendherberge, Hostel) bis erstklassig. Im Aufwind sind individuelle Boutique-Hotels. Aber auch die großen skandinavischen Ketten erfreuen sich großer Beliebtheit. Prima zentral neben dem Göteborger Hauptbahnhof lässt es sich im Clarion Hotel Post wohnen. Auf keinen Fall den Badeanzug vergessen: Auf dem Dach lockt ein sensationeller Außenpool! Wer hingegen Lust auf Weite, Landschaft und ein richtig kuscheliges Wochenende vor den Toren der Stadt hat, mit einem guten Buch und Saunasachen im Gepäck, der sollte rausfahren an die Westküste nördlich von Göteborg. Etwa nach Fiskebäcksil, in rund eineinhab Autostunden ist man da. Einfach durch den Nebel stapfen und danach Einkuscheln im großen Wintergarten im Hotel Gullmarstrand (und abends selbsredend in die Sauna) – wer braucht da schon Sommer… Oder ihr fahrt nach Ljungskile. Hier steht mein Lieblingshotel, die Villa Sjötorp. Nicht nur ausgesprochen gemütlich und individuell wohnen (in 14 ganz unterschiedlichen Zimmern, die nach Farben geordnet sind) lässt es sich in der weißen alten Holzvilla aus dem Jahr 1901. Sie ist Mitglied bei den Historic Hotels Europe und ihr kleines Restaurant bietet in Wohnzimmeratmosphäre vor brennendem Kamin auch hervorragendes Essen an. Der junge Koch Jakob Dillner zaubert hier aus lokalen und überwiegend ökologischen Lebensmitteln Gerichte, die ganz geradlinig und klar daherkommen und gerade deshalb so unnachahmlich lecker sind. Die Villa ist einfach perfekt für eine kleine Auszeit.

 Mehr Infos: www.goteborg.com, www.visitsweden.com, www.westsweden.com

Die Reise wurde unterstützt von Visit Sweden, göteborg&CO und dem Westschwedischen Tourismusboard. Vielen Dank dafür!

3 Kommentare

  1. Nachdem ich im Herbst schon einmal in Göteborg war, hatte ich mir so sehr gewünscht einmal im Sommer wieder hin zufahren. Leider habe ich es nicht geschafft. Der Winter scheint aber nach eurem Bericht gar keine so schlechte Wahl zu sein 😉
    Lieben Dank für die Tipps,
    Sonja

    • Hallo Sonja, ich habe mit dem Herbst an der Westküste ja eher so gemischte Erfahrungen gemacht, kann doch ziemlich nass und windig sein. Der Sommer ist unschlagbar, da spielt sich das ganze Leben draußan ab. Aber im Advent liegt so eine ganz besondere Stimmung über der Stadt, tatsächlich irgendwie weihnachtlich — etwas, das ich in unseren Städten mit „Last Christmas in Dauerscheife“-Gedudel vermisse…
      Liebe Grüße
      Anke

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