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Meine Nacht im Iglu auf der Zugspitze

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Einmal in einem Iglu übernachten – nicht nur Kinder träumen davon. Ganz eintauchen in die kalte, weiße Welt, auf einem Fell die Nacht verbringen, während draußen der Schneesturm heult. Mit meinem Fünfjährigen habe ich das Abenteuer im Iglu-Dorf auf der Zugspitze gewagt und wir haben noch nicht mal kalte Füße bekommen.

Schnee auf dem Weg zum Iglu auf der Zugspitze

Wo auf der Zugspitze ist bitte unser Iglu? Gut, dass die blauen Banner da waren

Auf der Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschlands höchster Gipfel, liegt nicht nur Schnee, sondern auch ein Iglu-Dorf. Zumindest im Winter. Für eine Nacht habe ich für Freddie und mich ein Eiszimmer gebucht. Doch was zieht man da bloß an? Der Informationszettel rät zu normalen Skiklamotten, einer Ersatzmütze und Zahnbürste und alles soll in einem Rucksack verstaut sein. Keine Koffer. So ganz traue ich den Angaben nicht und packe vorsichtshalber noch zusätzliche Fleecejacken, Thermounterwäsche und dicke Socken. Man kann ja nie wissen.

Von Garmisch-Partenkirchen fahren wir mit der Zahnradbahn auf das Zugspitzplatt, wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels. Im Restaurant der Bergstation treffen wir die anderen Eis-Nächtiger und unseren Guide Julian, der letzte Tipps für die Nacht im Eis gibt: „Zieht auch nachts eine Mütze auf“, dann verteilt er die Expeditions-Schlafsäcke. Das Igludorf soll nur ein paar hundert Meter von der Bergstation entfernt auf einer Anhöhe liegen. Zu sehen ist es nicht. Eisiger Wind treibt Schleier aus Schneeflocken vor sich her, die sich in jedes Stück ungeschützte Haut fressen. Wie eine Karawane stapfen wir durch die weiße Wüste, immer darauf bedacht, den Anschluss an den Vordermann nicht zu verlieren. Allein im unendlichen Schnee auf knapp 3000 Metern Höhe – ein gruseliger Gedanke. Gut, dass Freddie seine knatschgelbe Skihose anhat, die im Licht der Stirnlampe leuchtet. Wir sind die einzigen Menschen auf dem Zugspitzplatt, denn die Zugspitzbahn fährt schon lange nicht mehr.

Menschen im Schnee auf der Zugspitze, nach der Nacht im Iglu

Karawane in der Kälte der Zugspitze

Bevor ich mich so richtig dem Arktis-Abenteuer-Feeling hingebe, sind wir auch schon angekommen, behauptet zumindest Julian, der vor einem riesigen Schneehaufen mit einer Holztür stehengeblieben ist. Unter einem Iglu-Dorf hatte ich mir eine Art Asterix-Dorf vorgestellt, kleine Hütten, die sich um einen Dorfplatz reihen. Natürlich nicht aus Holz, sondern aus Schnee. Zum Nachdenken bleibt keine Zeit, Julian hat die Tür aufgeschlossen und wir treten ein.

Gang mit Holztüren im Iglu

Hat was vom Kloster

Das Erste was auffällt: Stille. Absolute Stille herrscht zwischen den hohe Decken, weißen, spiegelglatten Wänden mit einem bläulichen Schimmer. Wenn jetzt das markante Orgelintro von Bachs Tocata und Fuge erklänge, würde es mich nicht wundern. Aber soviel Theatralik gibt es nicht, zudem würden sphärische Klänge besser zum Motto Tibet passen. Aber auch die gibt es nicht, dafür begrüßt ein transparenter Buddha aus Eis die Ankommenden mit seinem unergründlichen Lächeln und in eine Wand ist eine Gebetsmühle eingearbeitet.

Ein Buddha aus Eis gibt dem Iglu-Dorf das besondere Ommm

Jedes Jahr steht das Iglu-Dorf unter einem anderen Motto – dieses Jahr Tibet

Von einem langen Flur, der an einen Klostergang erinnert, gehen gut ein Dutzend Türen aus. Ihr helles Holz ist auch der einzige Farbklecks in dem ewigen Weiß. Hinter jeder Türe liegt ein Iglu, darin ein gigantischer, rechteckiger Eisblock als Bett. Braune und weiße Felle liegen darauf und laden zum sofortigen Kuscheln ein. „So gemütlich!“, freut mein Sohn sich und räkelt sich auf den Fellen. Da hat er Recht. Irgendwie ein Urinstinkt, dem wir folgen. Künstler haben tibetische Motive als etwa zehn Zentimeter dicke Relief aus der Wand herausgearbeitet. In jedem Iglu ein anderes. Bei uns sind es Drachen, die uns die Nacht über beschützen sollen.

Blick durch die Tür in ein Iglu auf der Zugspitze mit einem Bären-Relief aus Schnee

Auf Bärenfellen kuscheln, das hat etws

Ausgezogen haben wir uns natürlich nicht, sondern tragen noch unsere Skisachen. „So um die Null Grad hat es immer im Iglu“, erklärt Julian beim Essen in der Bar. Die Bar ist ein großer Eiskuppelsaal, in dem knapp ein Dutzend Holztische stehen. Drumherum Holzbänke, auf denen Felle und Decken zum Kuscheln und Wärmen liegen. Auf den Tischen blubbert Käsefondue in roten Töpfen. Das passt. „Nachtwanderung, Rodeln, Sauna, Whirlpool, Party, Reden“, zählt Julian das Programm des heutigen Abends auf. „Alles möglich, niemand muss“, beruhigt der durchtrainierte 28-Jährige. Bei der Nachtwanderung sind alle dabei. Im Strahl der Stirnlampe kämpfen wir uns durch den Schnee. Gut 20 Zentimeter hat es seit unserer Ankunft geschneit und die Pistenraupe kommt erst morgen früh. Der Wind hat zugelegt und springt nicht gerade zimperlich mit uns um.

Es ist eine Wohltat, wieder im Iglu zu sein. „Zum Aufwärmen empfehle ich Whirlpool und Sauna“, rät Julian. Das muss er uns nicht zweimal sagen. Zum Glück ist die Umkleide schön warm beheizt und mit bloßen Füßen schlittern wir zum Whirlpool. Dampf steigt aus dem heißen, blubbernden Wasser auf und lässt die treibenden Schneeflocken schmelzen. Wir fühlen uns wie Schneekönige – auf Deutschlands höchstem Berg bei minus 20 Grad aalen wir uns im heißen Wasser. Herrlich.

Silke kuschelt im roten Daunenschlafsack im Iglu

In dem Daunenschlafsack habe selbst ich nicht gefroren

Zum Trocknen gehen wir anschließend in die Sauna. Mit roten Gesichtern, wohlig warm und angenehm müde richten wir unsere Schlafsäcke her. Wir haben einen Doppelschlafsack, so können wir uns gegenseitig wärmen. Nur noch Mütze auf und Gute Nacht! Erstaunlich, aber schlafen fast auf der Stelle ein und durch. Keine kalten Füße oder frostige Nasen. Über die Nacht haben wir unsere Wäsche an das Fußende vpm Schlafsack gesteckt, so war sie in der Früh schön warm.

Am nächsten Morgen werden wir mit einer dampfenden Tasse Tee am Bett geweckt. Dann heißt es aber auch husch, husch und wir müssen packen. War ja nicht viel. Das Frühstück im Restaurant der Bergstation wartet. Tschüss Iglu!

Tipps für die Nacht im Iglu und den Tag danach:

  • Wirklich warme Schuhe anziehen, die Füße sind der neuralgische Punkt
  • Gut und warm haben wir in Thermo-Unterwäsche und Socken geschlafen
  • Feuchte Tücher/Abschminkpads mitnehmen, es gibt natürlich kein Wasser
  • Es gibt eine Toilette, eine Art Plumpsklo, denn bei der Kälte geht spülen nicht
  • Zwei Paar Mützen und Handschuhe, falls eins nass wird, etwa die Mütze im Whirlpool
  • Badesachen und Handtuch mitnehmen
  • Wer es mit dem Rücken hat, sollte bedenken, dass man auf Eisblöcken und Fellen und nicht auf Matratzen schläft
  • Es gibt USB-Ladestation im Iglu
  • Mit der Zahnradbahn zum Zugspitzblatt fahren
  • Am nächsten Tag Schlitten leihen und auf dem Zugspitzplatt fahren
  • Mit der Gletscherbahn auf den Zugspitzgipfel
  • Essen in Deutschlands höchstem Restaurant, der Gipfelalm
  • Mit der Eibsee-Seibahn wieder nach unten

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusamt Garmisch-Partenkirchen und der Bayerischen Zugspitzbahn. Vielen Dank dafür!

 

 

 

 

 

 

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Schon als Kind wollte ich nur eins: Raus in die Welt, Abenteuer erleben. Fernweh und Abenteuerlust stacheln mich noch immer an. Ob alleine, mit meinem Reisekind und meinen Hunden, reise ich am liebsten abseits der ausgetretenen Pfade und ich halte es wie Susan Sontag: "Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste."

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  1. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im Februar 2016 - soschy on tour

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