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500 Jahre Reinheitsgebot: Ingolstadt kann mehr als nur Autos

Das Reinheitsgebot des Bieres wird 500 Jahre alt. Es kommt aus Ingolstadt, wie unser Gastautor Gerhard von Kapff. Ja, ein Mann – auf unserem Frauen-Blog. Premiere also, mehr über Gerd gibts am Ende des Textes. Gerd schreibt über Bayern, Bier, seine Stadt und was es mit dem Bierbrunnen auf sich hat.

„Um Himmels willen. Wenn ein halbes Jahr lang der Bierbrunnen läuft, dann treffen sich alle Schluckspechte der Bundesrepublik bei uns!“ Es waren Horrorszenarien, die sich vor den Augen des einen oder anderen Bürgers und Stadtrates in Ingolstadt auftaten. Schließlich hatte das Kulturamt verkündet, anlässlich des 500. Geburtstages des bayerischen Reinheitsgebotes, das eben im Jahr 1516 in Ingolstadt beschlossen und verkündet wurde, einen eigenen Brunnen anfertigen und daraus Bier rauschen zu lassen.
Würden nun die Hopfenfreunde mit Sonderzügen in die charmante Stadt an der Donau kommen, nur um sich vollaufen zu lassen? Die Air Berlin-Flüge zu Mallorcas Ballermann einen Zwischenstopp einlegen auf dem zehn Kilometer von Ingolstadt entfernten Flughafen Manching, um vor der Ankunft in Malle schon mal richtig aufzutanken? Würden Horden von pubertierenden Jugendlichen am Wochenende den Bierbrunnen, die Altstadt oder sogar noch volltrunken am Sonntagmorgen die Portale des Liebfrauen-Münsters blockieren?
Dank der sozialen Medien machte das Ereignis schneller die Runde, als das Kulturamt reagieren konnte. Einheimische, wie der Autor dieser Zeilen, wurden im Allgäu mit einem strahlenden Lächeln bedacht, als sie eingestanden, aus Ingolstadt zu sein: „Ihr seids die mit dem Bierbrunnen – super Idee.“

Hopfen in der Fasshalle

Hopfen in der Fasshalle

Einerseits schön, mal nicht als einer der bedauernswerten Menschen angesehen zu werden, die neben der von der Autobahn aus zu sehenden Erdölraffinerie hausen müssen. Oder als potenzieller Audi-(alternativ Ingolstadt-Village-) Angestellter eingeordnet zu werden. Klar: „Sonst gibt’s da doch nichts, oder?“
Andererseits stimmt das mit dem Bierbrunnen natürlich nicht ganz. Und deshalb zur Klarstellung, weil das Kulturamt ansonsten ein weiteres Mal seine komplette PR-Maschinerie auf ein Dementi konzentrieren muss: Den Brunnen wird es geben, und es wird auch Bier daraus sprudeln. Aber nur an bestimmten Tagen, und auf gar keinen Fall kostenlos.
Richtig ist dagegen, dass nach wie vor nur Gerste, Hopfen und Wasser zur Produktion verwendet werden dürfen. Wie seit 500 Jahren halt, und deshalb haben die Ingolstädter auch ein großes Festprogramm, das den ganzen Sommer laufen wird, auf die Beine gestellt.
Dennoch ist der Bierbrunnen der ganz große PR-Schachzug der Stadt gewesen. Unfreiwillig halt, aber das ist im Nachhinein ja auch egal. Sollen sie doch kommen mit den Sonderzügen, sollen sie zwischenlanden in Manching. Selbst wenn dann aus dem Bierbrunnen mit wenigen Ausnahmen fast immer nur das Getränk plätschert, das auch völlig maßlos in sich hineingeschüttet werden kann – köstliches, reines Trinkwasser. Gerhard von Kapff
Infos zum Biersommer in Ingolstadt hier.

Fest zum Reinen Bier 2015_017Wortlaut des Reinheitsgebotes

„Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll“: So lautet der Titel der Verordnung, die Wilhelm IV., Herzog in Bayern, im April 1516 dem Bayerischen Landständetag in Ingolstadt vorgelegt hat. Das Gremium billigte die Vorschrift, die seither unter dem Namen „Reinheitsgebot“ bekannt ist. Hier gibt es den kompletten Text.
Reinheitsgebot Ingolstadt

Unseren Autoren Gerhard von Kapff habe ich (Andrea) in der Mongolei kennengelernt und es sehr geschätzt, dass er immer Überraschungen wie etwa eine Dusche oder warme Socken aus dem Rucksack zaubern konnte. Gerd ist Jahrgang 1964, wohnt mit seiner Frau Sibylle und seinen beiden Jungs in Ingolstadt. Er ist Autor der Bücher: „111 Orte in Ingolstadt und im Altmühltal, die man gesehen haben muss“ (Emons), „Mit zwei Elefanten über die Alpen. Eine Familie wandert von München nach Venedig.“, das auch ins Chinesische übersetzt wurde, „Abenteuer für Vater und Sohn. Unvergessliche Erlebnistouren in Bayern.“ und „111 Orte in Teneriffa, die man gesehen haben muss.“
Im Herbst erscheint sein neues Reise-Buch: „Wüstenblues. Als Mountainbike-Greenhorn von Sambia nach Kapstadt.“ Außerdem ist er als Vortragsreferent mit Multi-Media-Shows zu seinen Büchern in ganz Deutschland unterwegs. Hauptberuflich ist er Redakteur der Tageszeitung Donaukurier in der Redaktion Eichstätt. Die Homepage: www.abenteuer-zum-nachmachen.com.

Danke der Stadt Ingolstadt für die Fotos!

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