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LeShan: Besuch beim größten Buddha

Diese Augen! Blicken tief hinunter auf den Fluss, wie um die Stromschnellen zu bändigen, mit reiner Gedankenkraft – aber auch gütig irgendwie, allwissend vielleicht. Und gelassen, angesichts der vielen Ameisen-kleinen Menschen, die rundherum den Berg hoch und runter „krabbeln“. Der 71 m hohe Große Buddha von LeShan, der Lèshān Dàfó (乐山大佛) mitten in China, ist weltweit die größte steinerne Buddha-Figur. Die größte Skulptur aus der Vormoderne sowieso. Und gehört seit genau 20 Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe. Aber nicht nur…blog-buddha-leshan-6-14wegen der Rekorde – und der Empfehlungen in allen Reiseführern – ist der enorme Sandstein-Buddha einen Besuch wert. Es ist auch ein Gefühl, das überspringt. Von Ruhe. Von Ankommen. Da sitzt er nun seit mehr als tausend Jahren, ein roter Riese, ein wenig angeknabbert von Wind, Wetter und Luftverschmutzung, mal mehr, mal weniger grün bewuchert: Hat schon mindestens Millionen Menschen kommen und gehen gesehen – und lässt sich nicht beeinflussen, nicht stören, wird nicht hektisch. Guckt einfach nur…

Na gut, er ist aus Stein und er wurde zum Gucken, Wache halten geschaffen. Flankiert von kleineren Wächterfiguren. Vor 1303 Jahren setzte der buddhistische Mönch HaiTong seine Schüler und Arbeiter an die rote Sandsteinwand, die den wilden Fluss – eigentlich den Treffpunkt dreier Flüsse – steil begrenzte. Die Schiffe hatten hier schon immer ihre Schwierigkeiten mit den starken Wasserwirbeln gehabt, doch die Schifffahrt hier gewann in der Tang-Dynastie an Bedeutung. Eine Lösung tat not – im Jahr 713 begonnen, 803 vollendet.

Ob Glück oder kluge Planung, HaiTong  schlug mit der Statue gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ein riesiger sitzender Buddha – im Glückssitz, als Lehrer der Welten – schaut auf den Fluss und dahinter auf den heiligen Berg Emei und schafft Vertrauen und Zuversicht. Und der ganze Gesteinsschutt, der „nur weggehauen wurde, um den Buddha aus dem Stein zu befreien“, wurde im Flussbett deponiert. Mit dem Effekt, dass die Wirbel verschwanden und die Wasser seither sehr viel ruhiger dahinströmen…

Heute kreuzen kleine Ausflugsdampfer vor den riesigen Füßen und liefern den Blick aufs große Ganze. Hier der Dàfó, am anderen Ufer in weiter Ferne Emei. Bequem angucken und wieder weg, wie es viele Pauschaltouristen mit Zeitdruck machen. Gibt ja noch viel mehr zu sehen in Sichuan. Rund 150 km südwestlich der Stadt Chengdu ist der Buddha, da reicht der Tag vielleicht auch noch für den Besuch des Emei, ein paar Klostern und natürlich der Panda-Aufzuchstation?

Aber viel spannender ist es, den Riesen einmal zu umrunden. Auf steilen Treppen an den Felswänden nach unten laufen, die massiven Fußnägel bestaune, vielleicht ein Rauchopfer darbringen oder nur mit offenem Mund in die großen fernen Augen zu blicken. Andere Treppen wieder felsaufwärts, vorbei an Knie und Händen, der breiten Brust, dem Weisen ins Ohr blicken und auf grünen Pflanzenschmuck in seinen Haaren. So müssen sich Ameisen fühlen…

Außerdem verpassen die Schiffstouristen so Einiges. Denn wer zu Fuß ankommt, bekommt unterwegs viele andere Buddha-Figuren zu Gesicht: in Felswände geschnitzt, in Sandstein-Nischen oder begleitend in Begräbnis-Grotten. Ein Spaziergang auch durch frühere Dynastien.

Beinahe wäre der Große Buddha übrigens nie vollendet worden: Die Finanzierung stockte und die Legende besagt, HaiTong habe sich selbst geblendet, um zu untermauern, wie ernst es ihm mit der gigantischen Skulptur war. Wahr oder nicht – Gelder waren tatsächlich immer wieder knapp und als der Mönch starb, waren gerade mal Kopf und Brust aus dem Fels gehauen. Seine Schüler und die Hilfe einiger reicher Förderer halfen schließlich, den Buddha nach insgesamt 90 Jahren zu vervollständigen.

Inklusive eines raffinierten Entwässerungssystems innerhalb der Statue, die Wasserschäden noch heute minimiert. Fertig war der Buddha erst, als er auch bunt bemalt war, ganz im Stile der Tang-Dynastie. Das Farbkleid hat die Zeit mitgenommen – nur die Augen sind heute noch bemalt. Je 3,30 breit. Und auf dem umlaufenden Pfad kann noch immer jeder mit dem Buddha auf Augenhöhe gehen. Und ihn erhaschen. Diesen Blick…

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"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

2 Kommentare

    • Dörte Saße sagt

      Schön, dass es Dir gefällt – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt!!
      Gruß von der Ameise 😉

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