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Australien: Papier und Gekritzel frisch vom Baum

Rinde des Papierborkenbaums

Die große Regenbogenschlange muss ein Herz fürs Schreiben gehabt haben: Als die mythische Traumfigur der Aborigines die Welt schuf, gab sie der Natur auch ein paar schräge Bäume mit. Einer etwa hat eine Rinde wie Papier, der andere ist von vornherein schon vollgekrakelt…

Das Spannende an Australien ist ja: Du musst nur die Augen offenhalten und schon begegnet Dir was, das für uns Durchschnittseuropäer völlig seltsam wirkt. Kauernde Tiere im hohen Gras, die beim Näherkommen in hohen Sprüngen enthüpfen – geschenkt. Kängurus, die einfach mal so den Golfplatz bevölkern und den Bällen ausweichen. Eisvögel, Kookaburras, die wie Menschen lachen. Quallen mit aufgestülpter Luftblase, damit sie an der Oberfläche bleiben. Oder auch Meat Pie und Vegemite als Alltags-Delikatesse… 😉

Aber zurück zur Natur: Da wandel/rst Du durch lichten Wald – nicht im sowieso ungewohnten Rainforest, sondern fast noch in Sydney – und plötzlich umstehen Dich Bäume, die aussehen wie Vögel in der Mauser. Die Rinde hängt in Fetzen herab, weiß und beige, überall blättert es. Aber superfein, wie dünne Papierschichten, kann man sie ganz leicht abziehen. Und draufschreiben?

Ja, geht, aber die Tinte verläuft ein bisschen… Und weil die Ureinwohner ihre Geschichten und Mythen sowieso immer mündlich überlieferten, haben sie mit den weichen, papierdünnen Schichten lieber Körbe und Tragewiegen ausgepolstert. Hütten wasserdicht abgedeckt. Oder Nahrung zum Kochen darin eingewickelt, weil das „Papier“ im Erdofen kein Feuer fing. Und der Papierborkenbaum, der Paperbark Tree (Melaleuca quinquenervia), kann noch mehr. Schließlich gehört er zu den Tea Trees, Lieferanten fürs heilende  Teebaum-Öl. Und, siehe unten…

Gekrakel gefällig?

Nicht weit entfernt, am trockeneren Standort, andere helle Bäume. Meist fast ohne Rinde, abgeplatzt Reste hängen noch, aber voller wilder Zickzack-Zeichen: der „Bekritzelte Eukalyptus“, Scribbly Gum (Eucalyptus haemastoma).

Doch Geheimnotizen der Aborigines? In Wirklichkeit fressen sich kleine Mottenlarven krickelnd durch die junge Rinde und schreiben ihre eigenen Geschichten. Das dickere Ende der Linie zeigt übrigens, wo die Larve wuchs und schließlich schlüpfte…

Das hat sogar Dichter inspiriert. Jetzt vielleicht nicht gerade Heinz Erhardt („Unter eines Baumes Rinde…“) – ob der je bis nach Down Under kam? Aber auf jeden Fall australische Poeten, wie etwa Judith Wright in ihrem Kurzgedicht „Scribbly Gum“:

The gum-tree stands by the spring
I peeled its splitting bark
And found the written track
Of a life I could not read.

Als das Wünschen noch geholfen hat

Ein Leben, das wir nicht lesen können? Vielleicht liest es die Regenbogenschlange.
Womit wir wieder zum Paperbark Tree kämen. Denn heute gibt es abgepackte Papierborke in Australien nicht nur zu kaufen, um eingewickeltem Grillgut eine würzige Rauchnote zu verleihen. Man bekommt sie auch in eher esoterisch angehauchten Läden, um Wünsche oder Verwünschungen(!?!) darauf zu notieren. Möglichst mit Tinte. Dann ist die Rinde im Boden zu begraben, wo sie nicht gestört wird, drei Tage lang. Danach wieder ausbuddeln und schließlich anzünden, um den Wunsch ins Universum zu entlassen.

Haste Wünsche? Oder nur Neugier und Abenteuerlust im Gepäck?
Nix wie hin nach Australien! Mit seinen unzähligen Naturwundern und Natur-Verwunderlichkeiten!! Tipps und Inspiration gibt’s bei Visit Australia

 

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"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

8 Kommentare

  1. Trotz 15 Monaten Reise durch Australien kann ich mich an diesen Baum nicht erinnern. Na ja, vielleicht ist einfach die Erinnerung daran verblasst, ist schliesslich schon 13 Jahre her. 😉

    • Dörte Saße sagt

      Das klingt ja fast, als müsstest Du dringend wieder auffrischen, die Erinnerung! 😀
      Und wahrscheinlich braucht es eh 15 JAHRE, um halbwegs alle Überraschungen gesehen zu haben…

  2. Was für wunderschöne Bäume! Wenn ich irgendwann nach Australien komme stehen die nach Schwärmen von Gelbhaubenkakadus und Nymphensittichen gleich an nächster Stelle! LG Simone

    • Dörte Saße sagt

      Hmmm, ja! Aber auch Lyre Birds. Oder Pelikane. Oder Pinguine!!!
      Brauchst Du noch mehr Gründe für Australien?

  3. Renate Bretschneider sagt

    Das ist er ! Liebe Dörte, ich habe mir 1999 von einem Australienbesuch Baumrinde mitgebracht, die mich durch ihre Farbe und die zarten, leicht zu trennenden Papierschichten faszinierte. Inzwischen ist sie von mir zu „Borkenbildern“ verarbeitet worden. Auf Fragen, um welchen Baum es sich handelt , konnte ich immer nur allgemein antworten – so wie ich es von unseren Gastgebern gehört hatte: Paperbark. Ich habe im Internet gesucht, aber nichts annähernd Zutreffendes gefunden. Nun bin ich happy! Das ist er: Melaleuca quinquenervia. Genau so sieht die Rinde aus. Und Sie schreiben auch noch, dass man sie inzwischen kaufen kann? Da wären ja neue Bildgestaltungen möglich! (auch ohne nach Australien reisen zu müssen) Ich danke Ihnen sehr für Ihren witzig und informativ geschriebenen Beitrag und die wunderbaren, aussagekräftigen Fotos! Ihre Renate Bretschneider

    • Dörte Saße sagt

      Gern geschehen! 🙂 Ich musste auch erst ’ne Weile suchen.
      Borkenbilder, das klingt spannend! Künstlerbedarf-Nachschub gibt’s natürlich
      Down Under am besten – oder für Bushfood-Köche oder Esoteriker…?
      Ansonsten suchen Sie mal nach „paperbark roll“ oder „paperbark smudge stick“, das hilft vielleicht 🙂

      • Renate Bretschneider sagt

        Danke für den Tipp! Paperbark smudge stick war ein Flop – aber paperbark roll sieht (im Foto samt Produktbeschreibung) vielversprechend aus.
        Bin gespannt, ob das Material auch für meine Zwecke geeignet ist… wenn nicht, werde ich zum Winter-Bushfood-Koch.
        Meine Borkenbilder haben übrigens nichs Naturalistisch-Gegenständliches an sich – sie lassen allein die Naturform und Farbe der Rinde wirken.

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