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Jordanien: Wandern durch die Wüste

Unsere Gastautorin Karin Kura liebt das Wandern und die Wüste – und konnte in Jordanien beides miteinander verbinden.

Stirnrunzeln, fragende Blicke: Wie, du fährst nach Jordanien, echt jetzt? So reagierten meine Freundinnen, ohne Ausnahme. Zweifel hatte ich ja selbst. Ein Blick auf die Landkarte genügt: Jordanien liegt eingekeilt zwischen Syrien, Irak, Israel und Saudi-Arabien – alles klar?

Inmitten von Spannungsfeldern, das ist schon heftig, ja… Aber da war auch die Verlockung dieses Land zu erleben. Warum? Ich bin absoluter Wüstenfan! Und Jordanien besteht zu 80 Prozent genau aus dieser Landschaft. Am Ende war die Entdeckerlust einfach stärker, und außerdem: In Jordanien regieren König Abdullah II und seine populäre Königin Rania, modern und westlich orientiert. Irgendwie schaffen sie es, das Land stabil zu halten.

Mit Kultur steigen wir ein, zuerst geht’s in die berühmte Felsenstadt Petra. Gerade jetzt ist das eine gute Idee. Ganz ohne Schlange stehen am Eingang, ohne Gedränge in der antiken Stadt der Nabatäer. Nur wenige Touristen trauen sich derzeit überhaupt nach Jordanien.
Wir laufen erst mal nicht wie sonst üblich durch die rund 1,5 Kilometer lange Schlucht, um Felsengräber und Tempel anzuschauen. Nein, viel schöner, wir nähern uns der antiken Wüstenstadt von oben.

Wandernd und Kletternd. In einer Welt aus Sandstein, ein Labyrinth aus Felsbrocken und Felswänden. Skulpturen ähnliche Gebilde, als hätten sich hier Künstler ans Werk gemacht, die Natur frei nach Fantasie zu formen. Ein Pfad führt steil bergan, ein heftiger Wind weht. Er trocknet den Schweiß. Der Sandstein bietet ein geniales Farbenspiel, erst pastellfarben, gelb, dann rot, lila, bis hin zu schwarz. Und selbst die Geckos tragen dick auf, sie leuchten knallblau.

Vom Gipfel ist der Ausblick schlicht atemberaubend – und zwar genau auf eines der Petra-Highlights: Das Schatzhaus. Welch majestätischer Anblick! Wir stehen fast auf Augenhöhe mit dem oberen Teil der vierzig Meter hohen, in den Fels geschlagenen Fassade. Während unten in der Schlucht ein paar Touristen als kleine mobile Punkte unterwegs sind.

Jordanien besteht aus faszinierenden Wüstenlandschaften, Sandstein dominiert. Ähnlich spektakulär wie in Petra beeindrucken uns in Dana, dem größten Naturschutzgebiet Jordaniens, zerklüfteten Felslandschaften. Dort leben über 200 Vogelarten, es gibt sogar Hyänen und Wölfe.
Und es gibt die erste Öko-Lodge Jordaniens. Die Feynan-Lodge am Ende des Dana-Tals, gebaut im arabischen Lehm-Haus-Stil. Energie gewinnen die Sonnenkollektoren, gekocht wird vegetarisch.

Einer, der dort arbeitet, ist Suleiman Hasaseen. Der junge Mann nimmt die Gäste mit auf Wanderungen. Zum Beispiel durch das trockene, steinige Flussbett im Wadi Ghweir.
Suleiman weiß viel zu zeigen, viel zu erzählen. Gerade hat er wieder so eine grüne Pflanze im Visier, ein grüner Busch ist eben nicht einfach nur ein grüner Busch. Das kapieren wir schnell. Suleiman geht in die Hocke, rupft gezielt ein paar Stängel von einer Art Anabasis-Strauch, zerreibt das Ganze zwischen seinen Händen, bis es weiß schäumt. Das ist Beduinen-Seife, erklärt er. In der Natur braucht’s eben keinen Drogeriemarkt.

Auch Suleiman Hasaseen ist Beduine, er gehört zum Stamm der Amarin. Sein Vater lebt mit zwei Frauen sowie einer großen Kinderschar in der Nähe der Lodge. Suleimans Familie pflegt noch eine Art Teilzeit-Nomadentum, sie ziehen wenige Monate im Jahr mit der Ziegenherde durch’s Land. Wirkliches Nomadenleben existiert kaum noch im modernen Jordanien. Und Suleiman kann wegen seines Jobs nicht mehr mit der Familie unterwegs sein. Ob er das bedauert, fragen ihn oft die Gäste. Das verrät der 27-Jährige nicht, er sagt: In der Lodge kommt die ganze Welt zu mir, da muss ich nicht mehr selbst umherziehen. Dabei lächelt er verschmitzt.

Naturerlebnis und Outdoor-Aktivitäten, darauf setzt Jordaniens Tourismus verstärkt. Und da darf Wadi Rum nicht fehlen. Weitläufig, einsam und gottähnlich, so beschrieb der Brite T.E. Lawrence die Wüste Wadi Rum, verewigt im Filmepos Lawrence von Arabien. Eine äußerst bizarre, immer wieder überraschende Landschaft aus Sand und Stein – für mich eindeutig der Wüstenhöhepunkt! Auch mit ordentlich viel Sand. Und in den rötlichen Sand hat der Wind Wellenmuster gezeichnet. Wenn er sich legt und verstummt, dann breitet sich unendliche Stille aus…
Einen Wermutstropfen gibt’s dann doch: Jordanien ist ein teures Land im Nahen Osten. Aber mit dem Besucherticket „Jordan-Pass“ erhält man zumindest einige Vergünstigungen. Mehr Infos gibt es unter www.visitjordan.com.

Anregungen für Wanderreisen in Jordanien findet man bei Wikinger Reisen.
Diese Reise wurde unterstützt vom Jordan Tourism Board.

Über Karin Kura:

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Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt würde ich gerne Spanisch lernen. Wenn mal Zeit dafür bleibt. Vielleicht ja auf meiner Lieblingsinsel: La Gomera.

2 Kommentare

  1. Als absoluter Wüstenfan, spätestens nach den brillianten Aufnahmen von Michael Martin und dem Laurance von Arabien-Film, für mich ein absolutes Traumziel. Danke für die Infos und Eindrücke! LG Simone

    • Ja, den klasse Bildband von M. Martin habe ich auch – es gibt noch viel zu entdecken… LG von Karin

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