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Indien mit Kind – paradiesisch!

Indien ist laut, bunt, chaotisch und damit das perfekte Ziel für einen Familienurlaub. Man muss ja nicht gleich mit Mumbai anfangen. Frederik das Reisekind und ich waren in Kerala und erlebten entspannt-spannende Tage in einem exotischen Land. Indien mit Kind geht wunderbar.

Kleines Kind fotografiert eine Teeplantage in den Kardamombergen bei Kumily

Auf einer Teeplantage probiert Freddie seine neue Kamera aus. Indien mit Kind ist für alle spannend

Indien steht auf der Liste der Familien-Reise-Ziele nicht auf der Nummer Eins. Zu Unrecht, wie For Family Reisen schon länger weiß, mit denen ich auch nach Kerala gereist bin. Auf eigene Faust wollte ich mit meinem fünfjährigen Reisekind nicht das erste Mal nach Indien, daher wählte ich die entspannte Variante mit For Family Reisen, die Experten für Reisen auch mit kleinen Kindern sind. Viele Geschichten hatte ich über das riesige Land gehört und bin gespannt, was davon wahr ist.

Unsere erste Unterkunft ist das Basis Village im Dorf Sreekandamangalam im Bundesstaat Kerala, an der indischen Südwestküste. Haupt und Herz ist das indische Ehepaar Mathew und Leelamony Moozhiyil, das lange in Deutschland gelebt hat, fließend Deutsch spricht und auch deutsche Befindlichkeiten kennt. Kinder werden sachte an indisches Essen gewöhnt und die indische Kultur näher gebracht. Alles ohne Besserwisserei und großes Brimborium.

Bemalte Elefantenköpfe im Basis Village Resort

Im Basis Village Resort in Sreekandamangalam stehen alte Häsuer im traditionellen Kerala-Stil, die mit viel Liebe restauriert sind

Doch da müssen wir erst einmal hinkommen. Gelandet sind wir in Kochi, wo uns der Fahrer am Flughafen schon erwartete. Das Erste, was Freddie auffällt ist das Dauerhupen auf den Straßen. „Warum hupen die immer?“, will er wissen und beobachtet das Chaos aus Taxis, Tuk Tuks und Mofas, auf die sich mitunter sechs und mehr Menschen quetschen. Gehupt wird beim Überholen, im Kreisverkehr, aus Wut oder sonstigen Gefühlen. Schilder am Straßenrand mahnen, die Verkehrsregeln einzuhalten. Doch keiner scheint sich darum zu scheren. Viel zu viele Vehikel kämpfen laut hupend ums Vorankommen. Mit stoischer Ruhe hupt sich unser Fahrer seinen Weg frei. Faszinierend. „Indien gefällt mir“, freut sich das Kind.

Ein blondes Kind trifft indiscche Kinder in einer SchuleEin blondes Kind trifft indiscche Kinder in einer SchuleEin blondes Kind trifft indiscche Kinder in einer Schule

Der Besuch einer indischen Schule gehört für eine Reise nach Indien mit Kind einfach dazu. Immer wieder faszinierend, wie die Kids sich ohne Sprache verstehen

Dann verlassen wir die Stadt Kochi. Der Lärm verstummt und die Straßen werden leer. Statt an trubeligen Läden, offenen Teeküchen und bunten Gemüseständen, rauschen wir an mit Kokosnüssen behängten Palmen und sattgrünen Reisfeldern vorbei. Ab und an auch an den vielzitierten, heiligen Kühen, die am Straßenrand Blätter rupfen oder kauend auf dem warmen Asphalt liegen und längst daran gewöhnt sind, dass alle einen Bogen um sie machen.

Hitze, Schlafmangel und das hypnotisierende Dauergrün der vorbeiziehenden Landschaft wirken einschläfernd. Dreimaliges, lautes Hupen weckt uns aus dem Dämmerschlaf. „Herzlich willkommen, Silke und Freddie!“, tönt es auf Deutsch. Leicht benommen stolpern wir aus dem Auto und direkt in die Arme von Leelamony. Die resolute Inderin reicht uns Gläser mit kaltem Melonensaft, der erfrischt und die Lebensgeister weckt.

Mann und Kind betätigen eine Buchschneidemaschine

Die Buchbinderei im Basis Village Resort. Jedes Kind durfte sein Buch binden und alle waren stolz auf das erste eigene WErk

Die Zeitverschiebung beträgt gerade einmal drei Stunden, so dass sich der Jetlag kaum bemerkbar macht. Schnell räumen wir unseren Kram aufs Zimmer und erkunden das Basis Village Resort. Basis steht dabei für Bio Agriculture and Social Improvement Schemes und ist das Lebenswerk von Dr. Mathew und Leelamony Moozhiyil. Über 20 Jahre hat das indische Ehepaar in Deutschland gelebt und gearbeitet, bevor es mit ihren kleinen Kindern in die Heimat zurückkehrte. „Wir wollten Moderne nach Indien bringen“, erklärt Leelamony. „Schließlich kann nicht jeder Inder nach Deutschland kommen. Wir wollen Brücken zwischen Indien und Deutschland bauen und das Beste beider Kulturen zusammenbringen“, betont Mathew.

Ihre Mission hatte Erfolg. Der erste Basis Stützpunkt im Dorf Sreekandamangalam ist Arbeitgeber und Akademie zugleich für zahlreiche Dorfbewohner. Sreekandamangalam heißt auf Deutsch Ort Heiliger Ort der Glückseligkeit und das ist er nicht nur für die Einheimischen. Inzwischen hat Familie Moozhiyil noch zwei weitere Stützpunkte, einen am Strand in Thaikkal und einen, gerade fertig geworden, in den Kardamombergen bei Kumily.

Wir streifen durch den Dschungel von Sreekandamangalam, streicheln, schnuppern und schmecken Kokosnüsse, Bananen, Papayas, Mangos und wilden Pfeffer. Dann entdeckt Freddie ein Baumhaus und nimmt es in Beschlag, während ich auf einer Liege chille. Schaukeln in wohliger Wärme unter Kokosnüssen, das hat was. Jetzt verstehe ich langsam, warum die indischen Uhren anders ticken als die deutschen.

Zum Abendessen, wie auch zu allen anderen Mahlzeiten, gibt es verschiedene, sehr schmackhaftes und würziges Gemüse aus eigenem Anbau, Reis und Mixed Pickles. Das Essen ist super lecker und abwechslungsreich. Mein Inder um die Ecke kommt da nicht heran. Die Kids bekommen die entschärfte Version und alle hauen rein. Hundemüde kriechen wir unter das Moskitonetz in unser Bett. Nanni – Danke, unser erstes Wort auf Malayalam, die Sprache in Kerala.

Am nächsten Morgen ist der Frühstückstisch schon gedeckt. Frischer Obstsalat, geraspelte Kokosnüsse, Brot, Butter, Honig und gegen kulinarisches Heimweh der Kleinen: Nutella. Statt Kaffee duftet heißer, süßer, indischer Gewürztee, Chai, in einer Kanne. Geht auch. Mein Kaffee gewöhnter Körper quengelt nicht nach dem schwarzen Gebräu, sondern ist mit Chai sehr zufrieden. Ganz erstaunlich, wie ich zwei Wochen auf Kaffee, Cola und Alkohol ohne Schmacht und Verlangen danach verzichten kann. Fleisch gibt es auch kaum, aber das habe ich sowieso nicht vermisst.

Was haben wir alles gemacht? Tolle Ausflüge nach Kottayam, in die Backwaters und nach Aleppi, an den Strand und in die Kardamomberge bei Kumily. Beeindruckend war unser Tagesausflug nach Tamil Nadu, wo wir einen wunderschönen Hindu-Tempel besichtigten. Wir besuchten auch eine indische Schule, ein indisches Theater, eine Tee- und eine Gewürzplantage und die Stadt Kochi. Und mein Freddie feierte seinen sechsten Geburtstag in Indien mit zahlreichen Kuchen, Gedichten und Gratulanten. Ein großartiges Erlebnis. Schon die Aufzählung sprengt den Rahmen und alles sind wunderbare Geschichten, die ich an dieser Stelle später erzähle.

Unser Fazit: Indien ist ein Kinderparadies. Sicher. Freundlich und super spannend.

Freddie wollte erst gar nicht weg und fragte schon auf dem Weg zum Flughafen: „Mama, wann fahren wir wieder nach Indien?“

Indien mit Kind kann ich nur empfehlen, zumindest die For Family Reisen, die Agentur hat sich auf Familienreisen mit Kindern spezialisiert und sucht ihre Partner gewissenhaft aus und achtet darauf, dass Kinder auch kindsgerecht behandelt werden und eben andere Bedürfnisse haben als die Großen. Aber auch die Erwachsenen kommen nicht zu kurz, die Balance zwischen allen Interessen stimmt einfach.

Mit Mathew, Leelamony und Theresa Moozhiyil ist der Einstieg in die indische Kultur für alle ein Erlebnis, von dem wir noch lange zehren und erzählen werden. Noch eines: Kein Teilnehmer hat sich den gefürchteten „Delhi Belly“, eine fiese Magen-Darm-Krankheit, geholt. Kein Wunder, legen Moozhiyils großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene und stellen immer abgekochtes Wasser bereit. Auch sonst ist dieser Teil von Kerala relativ reich, mit einem hoher Bildung und nicht touristisch ausgeschlachtet.

Die Reise wurde unterstützt von For Family Reisen – Danke, es war klasse!

Kategorie: Familie

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Schon als Kind wollte ich nur eins: Raus in die Welt, Abenteuer erleben. Fernweh und Abenteuerlust stacheln mich noch immer an. Ob alleine, mit meinem Reisekind und meinen Hunden, reise ich am liebsten abseits der ausgetretenen Pfade und ich halte es wie Susan Sontag: "Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste."

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