Norddeutschland, Schietwetter
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Harz: Auf den Brocken bei Schietwetter

Regen ist angesagt, und Sturm. Das Ganze bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Echtes Schietwetter also. „Super, dann ist es nicht so voll“, ist mein erster Gedanke, als ich die Wettervorhersage höre, „hm, vielleicht sollten wir doch lieben zuhause bleiben?“ mein zweiter. Aber nein, die Brockenwanderung wird nicht abgeblasen. Stattdessen kommen ein Fleece mehr und extra Regenschutz in den Rucksack. Und eine Kanne heißer Tee.

Es ist gerade hell geworden, als wir den Parkplatz Ehrenfriedhof kurz hinter Torfhaus an der B4 erreichen, noch steht kein anderes Auto hier. Aber was heißt hell, Wald und Himmel hüllen sich in zähen Nebel, das Tageslicht ist dumpf grau. Egal, Wanderschuhe an, Rucksack geschultert und los geht`s.

Erstmal immer geradeaus einen Forstweg entlang. Bald taucht rechterhand der Ehrenfriedhof auf, auf dem die Amerikaner nach Kriegsende deutsche und russische Soldaten bestatten ließen. Heute ist er ein Mahnmal für den Frieden. Auf dem Weg liegt ein Hauch Schnee, in der Luft hält sich zäh der Nebel. Immerhin, noch regnet es nicht wie angekündigt, und die befürchteten Sturmböen lassen auch auf sich warten. Dafür entdecken wir Natur-Kunst am Wegesrand, gefrorene Pfützen in den Gräben und Heidekraut, in das die Luftfeuchtigkeit kleine Sternchen aus Eis gezaubert hat. Wunderschön.

Bald ist der Kolonnenweg erreicht, der Weg aus Beton-Spurplatten, auf dem einst die DDR-Grenzer patroullierten, um die deutsch-deutsche Grenze zu sichern. Steil geht es hier bergauf. Während wir noch pusten, überholt uns ein Jogger (es gibt tatsächlich Leute, die hier rauflaufen!! Respekt). Der Goetheweg ist an schönen Wochenenden sonst ja oft sehr stark frequentiert und man trifft hier im Sommer tatsächlich Leute in Sandalen. Aber es ist heute wohl einfach noch zu früh am Morgen und das Wetter lädt zudem ja auch nicht auf den ersten Blick zum Wandern ein. Und gut, dass wir gute Wanderschuhe anhaben (sowieso…), die Betonplatten sind ziemlich vereist und wir gehen lieber neben dem Weg. Dann sind wir oben und treffen auf die Gleise der Harzer Schmalspurbahn. Zeit für ein Foto und eine kleine Verschnaufpause an den an Schafe erinnernden Sitzgelegenheiten.

Weiter geht es an den Gleisen entlang. Die Bahn selbst lässt sich nicht blicken – gut so, denn aus Erfahrung wissen wir, dass die Lokomotiven so furchtbar qualmen (und ich frage mich jedesmal, wer das im Nationalpark erlaubt, Oldtimer-Loks hin oder her…), dass das Atmen in dem Dreck wahrlich keine Freude ist. Am Wegesrand steht immer mal wieder eine Markierung für den Harzer Hexen-Stieg, der den Harz von Osterode bis Thale durchquert und auf dem wir gerade ein Stück laufen.

Dann treffen wir auf die Straße zum Brocken, biegen scharf links ab und folgen ihr, jetzt noch einmal steil hinauf. Der Wind frischt merklich auf. Und da ist auch die Bahn zu hören, die eine Extrarunde um den Brockengipfel drehen muss, sonst wäre es zu steil für sie. Zeitgleich mit dem Zug kommen wir am Bahnhof an. Noch ein paar Meter weiter bergauf, dann tauchen das Gebäude des Brockenhotels und des Restaurants Brockenwirt sowie der Sendemast im Nebel auf. Geschafft.

Da uns der Wind jetzt schneidend um die Ohren bläst und die Luft nach wie vor eine Feuchtigkeit von hundert Prozent hat – es beginnt jetzt auch zu nieseln -, muss die geplante Draußen-Pause mit dem mitgebrachten Tee leider ausfallen. Auch die Erbsensuppen-Bude ums Ecke hat noch geschlossen. Also doch hinein in den Touristensaal (welch ein Wort!) des Brockenwirts. Hier scheint die Zeit stillzustehen – all die letzten Jahre hat sich so gut wie nichts an dem Bahnhofshallen-Charme des Etablissments geändert. Die Preise sind ebenfalls saftig wie eh und je. Aber was solls – wir sind die ersten Gäste und in heißer Milchkaffee ist jetzt einfach was Schönes…

Dann geht´s auf dem gleichen Weg zurück. Hin und wieder begegnen uns jetzt ein paar andere Unverzagte, die bei dem einsetzenden Nieselregen den Berg hinauf schnaufen. Auch die Bahn überholt uns, nun bergab, einmal werden wir in ihren dicken, schwarzen Qualm gehüllt. Zum Glück bläste der Wind ihn weg.

Wir sind schon fast wieder unten, als es wie angesagt leicht zu regnen anfängt. Die Wege sind jetzt eine ziemliche Eisbahn, ein paarmal rutschen wir aus und landen auf allen Vieren. Noch ein schneller Blick auf den Ehrenfriedhof geworfen, dann ist der Parkplatz erreicht. Und wieder einmal hat sich bewahrheitet: Es gibt kein schlechtes Wetter mit der passenden Kleidung.

Mehr Tipps für den Harz, auch bei schönem Wetter, gibts hier: Iris auf Burgbergtour, Action an der Megazipline und eine Tour durchs Ilsetal im Frühling. Lieber unter Tage? Dann hinein in den Rammelsberg! Eine Wanderung zur Teufelsmauer bei sonnigem Winterwetter beschreibt Andrea.

 

 

 

1 Kommentare

  1. Respekt! Bei dem Wetter so früh morgens auf den nebeligen Brocken – aber dafür hat die Natur wohl alles im Schwarz-Weiß-Look gestaltet. Das hat auch etwas, zumindest auf den Bildern. Und danke fürs Verlinken

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