Schietwetter, Städtetrip
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Island: Rennen unterm Nordlicht

Island im Winter, warum denn sowas? Und dann auch noch Joggen??? Wer die große Insel nicht kennt, bei dem schießen schnell die Klischeevorstellungen ins Kraut: dunkle, eisige Winterkälte, dicke Schneeberge, Rutschen auf Eisglätte, …? Aber hey: „Laufen unter den Nordlichtern“ klingt doch gleich viel besser! „Northern Lights Run“ heißt der Fünf-Kilometer-Lauf quer durch Reykjavíks Altstadt – klang irgendwie schräg, also sehr verlockend. Auch deshalb musste ich jetzt mal im Winter dorthin…

Das mit dem Dunkel stimmt schon, schließlich sind die Tage weit im Norden viel kürzer – zurzeit ist es gerade mal zwischen zehn Uhr früh und sechs Uhr abends richtig hell. Und dabei werden die Tage schon wieder länger!! Aber die Isländer halten gegen das Dunkel. Straßenlaternen, bunte Fenster, be-lichterkettete Bäume und Häuser, in der Stadt bunte Schaufenster. Kost‘ ja auch nix: In Island kommt der Öko-Strom quasi gratis aus der Erde. Viele heiße Dampfquellen und manche lange Leitung liefern nicht heiß Wasser und Heizungswasser in Häuser und Schwimmbäder. Wärmen sogar den einen oder anderen Bürgersteig. Und machen auch Dampfkraft zu Strom. Das sind die Vorteile dafür, dass man ein bisschen auf einem vulkanischen Pulverfass lebt…

Feiern mit Licht

Und Anfang Februar dann, wenn der Winter doch langsam lang wird, startet Reykjavík das „Winter Lights Festival“: Vier Tage lang gibt’s besonders viele Lichtinstallationen. Künstlerisch erhellte Gebäude. Eine „Museum Night“, in der alle Museen der Hauptstadt freien Eintritt bieten. Eine Pool-Night, wo die vielen Bäder – warm Wasser unter freiem Himmel! – bis spät in die Nacht gratis und offen sind. Und den „Wow Air Northern Lights Run“, der theoretisch unter Nordlichtern stattfindet. Falls keine Wolken die Sicht blockieren. Aber in der Stadt würde man sie eh nicht sehen – da ist ja zu viel Licht… 😉

Rennen, beleuchtet

Schon fast eine Stunde vor dem Start geht es ab in der Harpa, in Reykjavíks neuem schicken Opernhaus – dort passt der Start auch hin, schließlich besticht das riesige Gebäude am Hafen auch sonst jede Nacht durch seine bunt beleuchteten Glasfassaden. Nach und nach trudeln Läufer ein, holen ihre Startnummern ab, dazu gibt’s bunte Knicklichter und Blinkbrillen für alle. Manche haben auch blinkende Irokesenschnitte auf dem Kopf. Und LEDs in den Schuhen, Leuchtschwerter, Reflektoren aller Art…

Dann kommt offizielles Aufwärmtraining: Hüpfen mit der Menge, in den Fassaden-Waben ein paar Vorturner, flotte Hallo-Wach-Musik durchzieht die Harpa, der DJ am Pult gibt den Takt vor. (Islands Musikszene besteht übrigens nicht nur aus Björk, Emilíana Torrini und den Sugarcubes! Das „Airwaves“-Festival jeden November wächst und wächst und ist für Musiker auch ’ne Reise wert.) Zurück zum Laufen: Raus in den dunklen Frühabend – s’ist erst 19 Uhr –  und rein in die Altstadt. Übrigens ist der „Wow Air Northern Lights Run“ nicht nur für Läufer offen, sondern auch für Walker oder ganz gemütlich für Familien mit Kinderwagen. Der Weg ist das Ziel!

(Ach so, ja: Manche Fotos sind nicht unscharf, sondern „dynamisch verfremdet“! ;D )
Die Lauf-Strecke führt den Hügel hoch zur Hallgrimskirkja, der hellen Kirche mit der Front à la Basaltsäulen – heute ist sie mit lebendig speienden Vulkanausbrüchen angeleuchtet. „In der Kirche bitte nur gehen“, heißt es. Das lohnt sich aber auch, denn zum Licht in den hohen Hallen lockt auch eine poppig-punkig-klassische Live-Musikinstallation…

Den Hügel wieder herunter zum Tjörnin, dem Stadtsee, in den das Rathaus halb hineingebaut ist. Tagsüber ist dort immer Entenfüttern angesagt, jetzt leuchten die Bäume. Und im Rathaus – natürlich laufen alle mitten hindurch – warten wieder musikalische Klänge. Und Spaßmacher. Die eine oder andere Verpflegungsstation hat der Lauf übrigens auch zu bieten. Für die, die sie sehen und dann noch anhalten. Irgendwie kommt man beim Laufen so in den Flow… Der Straßenverkehr ist übrigens ausgesperrt rund um die Strecke – die anfeuernden Menschen natürlich nicht

Durch Teile der Altstadt geht es weiter zum Kunstmuseum Hafnarhusið, einem der zahlreichen Museen Reykjavíks: mitten hindurch durch Musik und Anfeuerer und Glitzerkonfetti – und wieder zurück zur Harpa.

Geschafft!!! Die ersten Lauf-Freaks sind schon lange vorher angekommen, manche liefen gleich mit nacktem Oberkörper! (Außentemperatur rund um den Nullpunkt) Egal. Jetzt trinken. Ausruhen. Fotos aufm Telefon betrachten. Und dann noch mal schnell in eins der tollen warmen Stadtbäder, entspannen, treiben lassen, den Himmel genießen! Schließlich sind viele davon – und nicht nur zur Pool-Night – bis 22 Uhr geöffnet.

Ach so – Nordlichter haben wir beim „Northern Lights Run“ natürlich keine gesehen. Dafür muss man schon aus der hellen Stadt rausfahren. Die schnelle Lösung heißt: ins neue Aurora-Museum zum Schnuppern gehen. Klein, aber fein, mit vielen atemberaubenden Nordlicht-Bildern und -Filmen. Und Tipps, wie man die wabernden Lichtvorhänge am besten gut in die eigene Kamera bekommt.

 

Lauf verpasst? Auch im nächsten Jahr soll es wieder einen geben, genauso wie ein neues „Winter Lights Festival“. Am besten mindestens eine Woche einplanen, dann sind auch bei schlechtem Wetter die Chancen gut, echte Nordlichter zu sehen.
Mehr Informationen über Stadt und Land und Reisetipps gibt es bei Visit Reykjavik und bei Visit Iceland .

Die Recherche wurde unterstützt von Islands Günstig-Fluggesellschaft Wow Air. Sie verbindet Reykjavík ganzjährig mit Berlin und Frankfurt, im Sommer (Juni-August) auch mit Düsseldorf und im Winter (Dezember-März) auch mit Salzburg.

 

Kategorie: Schietwetter, Städtetrip

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„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“ – so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich „in echt“ unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach… Reisen!

4 Kommentare

  1. Karin sagt

    Ja, die Isländer sind schon pfiffig. Und eigentlich wär’s doch auch ne Idee für (bei) uns – dunkel genug isses ja hier im Winter auch. Und ich habe grad mal so richtig genug von: dunkel nachts, grau am Tag… Also würde ein winterliches Lichter-Joggen sicher auch hierzulande die Stimmung enorm erhellen – oder? Schaun mer mal!

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