11 Tipps für..., Städtetrip
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11 Tipps für… Kassel

2017 ist wieder documenta-Jahr. Am vergangenen Wochenende öffnete schon feierlich der griechische Ableger der Ausstellung seine Tore. Kassel wird dann ab Juni wieder zum weltweiten Zentrum der zeitgenössischen Kunst. Doch die Stadt hat weit mehr zu bieten. Vor einer Woche war ich mal wieder dort unterwegs, habe viel fotografiert (leider spielte diesmal die Sonne nicht mit) und habe natürlich jede Menge Tipps aus Nordhessens unterschätzter Metropole mitgebracht.

1. Karlsaue und Planetarium

Ein persönliches Highlight, zu dem Ihr in einem alten Beitrag noch mehr Infos findet. Die Karlsauen sind nicht nur eine größten innerstädtischen Parkanlagen Deutschlands. Sehenswert ist auch das restaurierte Orangeriegebäude, das heute das Astronomisch-Physikalische Kabinett mit Planetarium beherbergt. Und seit 1996 lassen sich die Parkanlagen auch auf dem Planetenweg erkunden. Außerdem nicht verpassen: die Blumeninsel Siebenbergen am anderen Ende der Karlsauen.

 

2.  Kollektivcafé Kurbad

Wenn Ihr müde von Eurem Spaziergang in den Parkanlagen seid, gibt es besonders bei schönem Wetter einen sehr schönen Ort zum Entspannen und Wohlfühlen. Dazu müsst Ihr die Drahtbrücke über die Fulda überqueren und kommt gleich linker Hand zum Kollektivcafé Kurbad. Es besteht seit knapp zwei Jahren und hat eine sehr schöne Sonnenterrasse direkt mit Blick auf den Fluss. Im Gebäude ist außerdem das Bademuseum angesiedelt. Wie gesagt, Schönwetter gab es diesmal nicht, dafür sind die Bilder brandaktuell. Diese Ausgeh-Empfehlung habe ich von der Kassel-Kennerin und Tänzerin Janka Fee Hammer, danke für den tollen Geheimtipp!

3. Kunstzentrum Friedrichsplatz

Gerade weil er einer der größten innerstädtischen Platz Deutschlands ist, bietet er immer zur documenta jede Menge Raum für ungewöhnliche Kunstwerke. So wird gerade in Anlehnung an die griechische documenta der Athener Parthenon-Tempel auf dem Platz nachgebaut. Noch ist nur das Stahlgrundgerüst zu sehen, aber bald wird dort die argentinische Künstlerin Marta Minujín 100.000 Bücher auf dem Stahlgestänge befestigen und so den „Tempel der verbotenen Bücher“ erschaffen. Schon jetzt werden dazu In Frankfurt Bücher gesammelt, die früher verboten waren bzw. in einigen Ländern dieser Welt gerade verboten sind. Ein Kunstwerk, das das Nachdenken über Diktatur und Demokratie anregen soll, über Meinungsfreiheit und Zensur, heute aktueller denn je… Auch das Fridericianum am Friedrichsplatz und die documenta-Halle werden wieder ganz im Namen der documenta 14 vor Kunstwerken nur so strotzen. Und auch wer Kassel nicht zur Ausstellung besucht, wird immer noch Kunstwerke von vergangenen Ausstellungen hier besichtigen können, so etwa das Auefenster oder den einst so umstrittenen „Erdkilometer“, für den eine 1000 Meter lange Messingstange hier im Boden versenkt wurde.

4. Schöne Aussicht und Pennone Baum

Bei dieser Straße ist Name Programm: Nach dem Krieg wurde der Schutt der zerbombten Häuser an den Rand der Innenstadt geschoben, geblieben ist ein Steilhang. An dem wächst heute ein Meer aus blühenden Bäumen, die besonders im Frühling prächtig anzuschauen sind und den Blick freigeben auf die Karlsauen und Orangerie und auf ein weiteres documenta-Kunstwerk: den berühmten Pennone-Baum. Diese Bronzeplastik mit dem erdrückenden Stein im Geäst sieht einem echten Baum täuschend ähnlich und hat schon manchen Kasselbesucher irritiert näher treten lassen, um den eigenartigen Baum zu begutachten.

5. Grimmwelt und Spuren der Brüder Grimm

Schon lange rühmt sich Nordhessen als Grimmheimat, umso mehr gilt das auch für dessen Verwaltungszentrum: Mehr als 30 Jahre lang haben die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in Kassel gewohnt, unter anderem im Torhaus am heutigen Brüder-Grimm-Platz. Und hier in Kassel lebte auch ihre wichtigste „Märchenzuträgerin“, Dorothea Viehmann. Sie  verkaufte auf dem Markt am Königsplatz Obst und Gemüse und erzählte den Brüdern rund 40 Märchen.
Auf dem Weinberg ist die Stadt seit knapp zwei Jahren um eine Attraktion reicher: die Grimmwelt, ein interaktives Erlebnismuseum  mit Märchenparkour und einer Reise in die Vergangenheit der Brüder Grimm. Außerdem könnt Ihr dem Gebäude über die frei zugänglichen Außentreppe aufs Dach steigen und von hier aus eine der schönsten Aussichten über die Stadt genießen.

6. Museum für Sepulkralkultur

Zugegeben, eine Schönheit ist dieser Museumsbau mit Sicherheit nicht. Aber dafür ist das Innenleben umso interessanter, denn hier geht es um Leben und Tod bzw. um den unterschiedlichen kulturellen Umgang damit. Dabei soll das Museum für Sepulkralkultur ausdrücklich nicht nur die Faszination fürs Morbide bedienen, sondern fördert eigentlich einen entspannteren Umgang mit Leben und Tod. Welche Bestattungsrituale gibt es? Wie gehen andere Religionen und Konfessionen mit dem Sterben um? Zu sehen gibt Leichenwagen aus alten Zeiten, bunte Särge aus anderen Kulturen, Kunstwerke, Cartoons mit schwarzem Humor und vieles mehr.

7. Bunker im Weinberg

Sowohl die Grimmwelt als auch das Museum für Sepulkralkultur thronen auf dem Weinberg. Der ist einer der letzten Zeugen dafür, dass die Kasseler im Mittelalter noch edlen Rebensaft herstellten. Zur Aufbewahrung trieben sie tiefe Tunnel ins Gestein, die im zweiten Weltkrieg zum größten Bunker der Stadt umgebaut wurden. Rund 10 000 Menschen fanden in der Unterwelt unter dem Weinberg Platz. Seit einigen Jahren kümmert sich die Feuerwehr wieder um die Unterwelt und bietet auch Führungen an, mehr Infos dazu findet Ihr hier. Klaustrophobie solltet Ihr nicht haben, die engen Gänge sind eine wahrhaft bedrückende Erfahrung…

8. Kafé NEU am Weinberg

Ein weiterer schöner Geheimtipp von Janka Fee Hammer ist das Kafé NEU am Weinberg. Auch hier gibt es genau wie Kollektivcafé Kurbad viele Veranstaltungen wie Konzerte, Poetry Slams, Filmvorführungen und Tanzworkshops.

9. Back to the Fifties

Wenn ich alte Fotos von Kassel sehe, werde ich immer ganz wehmütig. 90 Prozent der Innenstadt sind unwiederbringlich verloren, kaputtgebombt im zweiten Weltkrieg. Aber immerhin kommen Fans der 1950er Jahre auf ihre Kosten: Es gibt nur wenige andere Orte, wo so viele Gebäude aus Nachkriegszeit stehen. Original-Schauplätze alter Klassiker (z.B. von Heinz-Erhardt-Filmen) finden sich hier genauso wie geschichtsträchtige Hotels und denkmalgeschützte Gebäude aus jener Epoche.

10. Rathaus mit Aschrott-Brunnen

Das Rathaus ist eines der wenigen Gebäude der Innenstadt, die die Bombardierungen überlebt haben. Zwar brannte der Bau aus, aber die Fassade überstand das Feuerinferno. Die Kasseler stellten nach Kriegsende ihr Rathaus vereinfacht und mit einem veränderten Dach wieder her. Rechts neben dem Treppenaufgang befindet sich ein eigenartiges kreisförmiges Gebilde auf dem Boden. Wer hineinschaut in das Bodengitter, sollte schwindelfrei sein. Hier befand sich einst der berühmte Aschrott-Brunnen. Diesem Industriellen hatten die Bürger viel zu verdanken und er umgekehrt der Stadt Kassel, so dass er ihr und ihren Bürgern unter anderem den zwölf Meter hohen Brunnen stiftete. Weil Aschrott jedoch Jude war, zerstörten die Nationalisten das Werk. Heute erinnert ein Kunstwerk wie eine Narbe im Pflaster an den einstigen Brunnen. Zwölf Meter tief reicht das Loch in die Erde, man kann sich auf ein Fallschutzgitter stellen und dabei zuschauen, wie das Wasser in der Tiefe plätschert, eine Negativform des Brunnens als Mahnmal.

11. Himmelsstürmer

Und zum Schluss noch ein documenta-Überbleibsel, das sich zum heimlichen Wahrzeichen der Stadt gemausert hat – der Himmelsstürmer. Er prägt den Platz vor dem Kulturbahnhof wie kein anderer Bau. Entworfen hat das riesige Bauwerk der Künstler Jonathan Borofsky für die documenta IX im Jahr 1992 und das weibliche Gegenstück dazu steht in Straßburg.

P.S.: Falls sich jemand wundert, warum das berühmte Weltkulturerbe, der Bergpark Wilhelmshöhe, nicht auftaucht: Ich habe hier nur Sehenswürdigkeiten und Ausgehtipps in Innenstadtnähe ausgewählt. Der Bergpark bekommt später einen ganz eigenen Blogbeitrag…

Mehr Infos gibt es bei Kassel Marketing und der GrimmHeimat Nordhessen. Vielen Dank für die Unterstützung der Recherche, ebenso an Rosy Baum für ihre kompetente Führung…

2 Kommentare

  1. Ach, Iris, toller Artikel. Ich hatte mich fast schon arrangiert, die documenta aus Zeitgründen sausen lassen (obwohl ich sie supertoll finde) … aber jetzt … muss ich doch wieder drüber nachdenken, wie ich es irgendwie organisiert bekomme.

    • Liebe Stefanie, vielen Dank! Ich kann Dich verstehen, mich haben die jetzt schon sichtbaren Vorbereitungen (vor allem der Tempel der verbotenen Bücher) auch schon am Angelhaken, so dass ich unbedingt hinfahren möchte.

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