Nachhaltigkeit
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Mit dem E-Bike über Berg und Tal

Elbe, Donau oder Rhein: Flussradwege besetzen die obersten Plätze auf der Beliebtheitsskala. Sie erlauben angenehmes Radeln am Wasser, ohne große Steigungen. Der Nachteil: Im Sommer wird’s dort ziemlich voll. Und wer nicht so gerne im Pulk radelt, schaut nach weniger befahrenen Strecken. Die gibt es in hügeligen Regionen – allerdings mit reichlich Bergauf, Bergab. Klingt abschreckend? Mit dem E-Bike geht das locker, egal ob Wein- oder Waldhügel. Zwei Radeltipps für Rheinhessen und den Westerwald.

Mit dem Rad durch Rheinhessen

Fangen wir mit Rheinhessen an, Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. Das liegt übrigens nicht in Hessen, sondern genau auf der anderen Rheinseite. Die Radwege führen dort über Weinberge, über „Hiwwel“, wie die Einheimischen sagen. Und genau so heißt auch die längste Route, eine rund 160 Kilometer lange Radstrecke von Bingen nach Worms. Der Name hält, was er verspricht: Hoch und runter geht’s auf der Hiwwel-Route, ohne E-Bike eine garantiert Schweiß treibenden Angelegenheit.
Aber dank der Akku-Unterstützung kann man sich entspannt auf das Betrachten der Umgebung konzentrieren. Auf eine durchgestylte Landschaft: Weinberge, nichts als Weinberge, so weit das Auge schaut. Vorwiegend Riesling, gefolgt von Müller-Thurgau und Silvaner. Wer also in Rheinhessen unterwegs ist, der sollte Wein mögen.
Mitten im Rebenmeer taucht plötzlich ein strahlend weißes, spitzkuppeliges Häuschen auf, ein Trullo. Vermutlich erbaut von apulischen Gastarbeitern im 18. Jahrhundert. Keiner weiß das so genau. Jedenfalls stehen hier und da diese Weinberghäuschen herum.

Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise: Erst das Trullo, dann die Szenerie gleich hinter Wörrstadt: Mit E-Bike-Power schafft man den Hügel, oben dann eine stattliche Ansammlung Sonnenkollektoren, flankiert von einer langen Reihe Windkrafträder. Geballte Energie versammelt sich hier.

Von einigen Schmuckstücken wie etwa die Altstadt von Oppenheim abgesehen, wirken rheinhessische Dörfer in der Regel eher schlicht. Doch versteckt hinter großen Hoftoren warten Überraschungen. Wenn sich die mächtigen Eingangstore der Winzerhöfe öffnen, so kommen schöne Innenhöfe mit großen Oleandertöpfen und prächtige Gärten zum Vorschein. Nicht selten sind es auch Plätze zum Einkehren, ob Weinstube, Gutsschänke oder Straußwirtschaft. Wenn dann der Wein allmählich die Beine lähmt, macht nix, Akku-Power unterstützt die Muskeln.

Info: In Rheinhessen gibt es 15 Verleihstationen. 1 Tag E-Bikemiete beträgt 21 Euro, Sa. und So. 38, 00 Euro, Weitere Infos: www.radrouten-rheinhessen.de

Durch Weinberge im Westerwald

Mehr Bier als Wein fließt durch die Kehlen im Westerwald, klar, und man radelt durch Wälder statt durch Weinberge. Der Westerwald zählt zu den Regionen in Deutschland, die gezielt um E-Bike-Touristen werben. Mit einem Netz an Verleih- und Akkuladestationen in Tourismusämtern, in einigen Hotels oder auch auf Campingplätzen. Erst das E-Bike schiebt den Radtourismus in diesem Mittelgebirge ordentlich an. Neue Strecken sind entstanden, im Schnitt zwischen sechzig und achtzig Kilometer lang. (Mehr Infos dazu gibt es hier). Eine dieser Strecken ist der Nister-Radweg. Er folgt dem gleichnamigen Flüsschen von der Quelle in Willingen bis zur Mündung in Wissen. Es geht durch sattgrüne Wiesen, Pferde stehen auf der Weide, benachbart dösen ein paar Kühe am Waldrand. Flussradweg, das klingt nach flacher Route, stimmt hier aber nur teilweise. Besonders in der Kroppacher Schweiz, ein wildromantischer Talabschnitt der Nister mit steilen Hängen, sind Anstiege auf umliegende Anhöhen mit inbegriffen. So geht’s auch hoch nach Hachenburg, die Perle des Westerwalds wird das Städtchen genannt. Wie eine Krone thront das Schloss über dem Ort, schmale Gassen und Fachwerkfassaden prägen das Bild im Zentrum. Der Alte Markt ist so etwas wie die gute Stube, rund um den Löwenbrunnen sitzen die Menschen in Cafés, genießen die Sonnenstrahlen.

Hachenburg liegt auf etwa 350 Metern Höhe. Sei’s drum. Ein Anstieg, und mag er noch so steil sein, der hat seinen Schrecken verloren. Freilich zehrt das am Akku. Dafür kann man bergab getrost den Motor auch mal abschalten und Energie sparen. Die Psychologie spielt eine wichtige Rolle beim Radeln mit dem E-Bike: Alles ist jetzt möglich, es fährt sich unbeschwerter, und man traut sich einfach mehr.
Einen Wermutstropfen gibt es dann doch: Elektroräder sind ganz schön schwer. Wenn der Akku mal leer ist, man muss schieben, so ist das kein Vergnügen. Deshalb gehört ein geladener Ersatzakku unbedingt mit ins Gepäck.

INFOS: Im Westerwald gibt es 14 E-Bike-Verleihstationen, 1 Tag kostet 20-25 Euro Mietgebühr, ein Wochenende (Fr. bis So.) etwa 50 Euro. Mehr Wissenswertes rund ums E-Bike im Westerwald: www.westerwald.info/radfahren/e-bike.html

Über Gastautorin Karin Kura:


Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt würde ich gerne Spanisch lernen. Wenn mal Zeit dafür bleibt. Vielleicht ja auf meiner Lieblingsinsel: La Gomera.

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