Familie, Norddeutschland
Schreibe einen Kommentar

Das perfekte Wochenende: im Hausboot auf der Eider

Manchmal brauchen Mädels eine Auszeit, alleine, nur für sich. Zum Ratschen, Lästern, Lachen und kleine Abenteuer erleben. Wir haben das perfekte Wochenende erlebt, in einem Hausboot auf der Eider in Schleswig-Holstein und einem Besuch im Holländerstädtchen Friedrichstadt, inklusive einer Tretboot-Tour durch die Grachten.

Zwei Hausboote an der Eider

Die beiden Hausboote „Hecht“ und „Zander“ sind keine echten Schiffe, bieten aber richtiges See-Feeling

Wasser quietscht in meinen Sandalen und ich zurre die Kapuze gegen die Schauerböen fest. Der Wettergott meint es nicht gut mit uns. Von wegen, wenn Engel reisen. Meine Freundin Suse und ich haben uns zu einem Mädels-Wochenende auf einem Hausboot auf der Eider verabredet und mein sechsjähriger Sohn Freddie darf auch mit. „Nordseewetter halt“, knurrt Ingo, unser Vermieter, der uns im Ferienpark Süderstapel begrüßt, „ist gleich vorbei und die Sonne kommt wieder“, verspricht er und schließt die Tür zur Steganlage auf. „Ihr habt den Hecht“, erklärt er und reicht uns die Schlüssel.

„Hausboot Hecht“ steht auf einem Holzschild, das sanft an der Reling schaukelt. Unser Hecht ist nicht wirklich ein Boot, sondern ein modernes, ganz neues Ferienhaus im skandinavischen Look, das auf einem Ponton auf der Eider schwimmt und mit dem Land fest vertäut ist. Dennoch stellt sich sofort das typisch gemütliche Schiffsgefühl ein, wenn Wellen das Häuschen mit seiner großen Terrasse wiegen. „Ich geh Angeln!“, kreischt Freddie, als er einen Kescher entdeckt, den er sich schnell schnappt und damit verschwindet. Sein Jagdfieber ist geweckt, er sprintet zum Steg und gründelt mit dem Netz nach Fischen. Zum Glück kann er gut schwimmen und zur Sicherheit und eigenen Beruhigung haben wir ihm eine knall orangefarbene Schwimmweste verpasst.

Kleiner Junge keschert in der Eider

Bei Anglern ist die Eider sehr beliebt – ich war allerdings heilfroh, dass keine Fische ins Netz gingen

Suse schließt den Hecht auf und wir betreten die große, gemütliche und moderne Wohnküche. „Hier kann man es aushalten“, findet sie und setzt gleich die Kaffeemaschine in Gang. „Erst man en Kaffee!“, lautet ihre Devise. Dazu noch ein paar dänische Kekse und wir fühlen uns pudelwohl auf dem Wasser. Enten schwimmen neugierig vorbei und quaken nach ein paar Kekskrümeln. Über den Krawallmachern fliegt eine Möwe und beäugt kritisch das ganze Geschehen. Vergeblich, denn wir geben nichts.

Ingo lag richtig mit seiner Wettervorhersage. Langsam lichten sich die Schauerwolken und die Abendsonne lässt Wasser und Wolken golden leuchten. Die Eider ist mit 188 Kilometern der längste Fluss Schleswig-Holsteins und mündet bei Tönning, gebremst durch das gewaltige Eidersperrwerk, in die Nordsee. Ihr Quellgebiet liegt südlich von Kiel und schlängelt sich schmal und idyllisch durch die Landschaft bis zum Nord-Ostsee-Kanal. Ab Rendsburg wird die Eider wieder ein eigenständiger Fluss und mäandert als mächtiger Strom bis nach Tönning.

Unser Hausboot liegt an einer Eiderschleife, somit haben wir viel Wasser zu allen Seiten. Wellen, Weite und das windgepeitschte Wolkenspiel am Himmel sorgen für ein Gefühl von Freiheit. „Fast wie beim Segeln auf der Nordsee“ schwärmt Suse. Sie hat Recht. Lautes Lachen am Ufer unterbricht die romantischen Gefühle. Freddie hat am Ufer Angler kennen gelernt und die Männer zeigen dem Kind stolz ihre Ausrüstung. Mit einem Becher Kaffee in der Hand beobachten wir das Geschehen. Das Kind ist beschäftigt und wir Mädels haben Zeit zum Ratschen. Genau so hatten wir uns unsere Auszeit vorgestellt.

Zart schimmernd luschert ein rosa Lichtschein in die Koje und kündigt den neuen Tag an. Es ist noch keine fünf, aber um diese Jahreszeit geht die Sonne im Norden früh auf. „Mama, schau mal, was für ein schönes Licht“, flüstert Freddie und will Fotos mit meinem Handy machen. Darf er. Mich lullt die wohlige Bettwärme noch ein und für ein paar Minuten Ruhe würde ich fast alles geben. Auch mein Handy. Nach einem Sonnenfrühstück auf der Terrasse entdecken wir Friedrichstadt, das mit dem Auto nur zehn Minuten entfernt liegt. Holländische Religionsflüchtlinge haben einst das schmucke Städtchen mit seinen Grachten, kleinen Brücken und Giebelhäusern gebaut. Unser Stadtrundgang durch die mit Kopfstein gepflasterten Strässchen ist schnell beendet und Freddie will Boot fahren.

Bootssteg in Süderstapel mit dem Schild "Mok mol wedder fast in Süderstapel"

Ganz bestimmt werden wir mal wieder in Süderstapel festmachen

Also mieten wir ein Tretboot, schippern durch die Kanäle und bewundern die schönen alten Häuser mit den markanten Treppengiebeln. Anschließend spendiere ich meinen wackeren Matrosen auf dem Marktplatz bei strahlendem Sonnenschein knusprigen Backfisch und ein großes Eis. Besser geht’s nicht.

 

Informationen:

Unser Hausboot liegt im Ferienpark Süderstapel und kostet ab 95 Euro pro Nacht.

Auch die Bootsmann-Lodge vermietet Hausboote ab 96 Euro pro Nacht.

Bei beiden Anbietern sind Hunde auf dem Gelände erlaubt, aber auf den Hausbooten verboten.

Kanu kunterbunt ist ein sehr netter Tretbootverleih in Friedrichstadt

 

Kategorie: Familie, Norddeutschland

von

Schon als Kind wollte ich nur eins: Raus in die Welt, Abenteuer erleben. Fernweh und Abenteuerlust stacheln mich noch immer an. Ob alleine, mit meinem Reisekind und meinen Hunden, reise ich am liebsten abseits der ausgetretenen Pfade und ich halte es wie Susan Sontag: „Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.