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Finnland: Auf einen Kaffee bei der Roten Leuchtturm-Dame

In alten Gemäuern kann es schon mal spuken – auch auf einsamen Felsen mitten im Meer. Auf einem kleinen, vom Meer rundgeschliffenen Granitblock – Finnlands südlichster Insel – weist der mächtige Leuchtturm Bengtskär …… allen Schiffen den Weg Richtung Turku oder Helsinki. Malerisch unter weitem blauen Himmel und dramatisch bei Sturm. Wer hier übernachtet, das geht nämlich auch, der begegnet vielleicht einer jungen Dame im roten Kleid. Sie trägt ein Licht vor sich her wie schon vor Jahrhunderten – obwohl heute längst das große Leuchtfeuer übernommen hat.

Pookineito, das „Mädchen mit der Leuchtbake“, soll sich manchmal zeigen, erzählt Paula – die charmante Powerfrau ist  jeden Sommer Gastgeberin auf Bengtskär. Sobald die heftigen Frühlingsstürme vorbei sind und  bis der Herbst übernimmt. Paula kennt die alten Mauern in- und auswendig und steckt selber voller Geschichten: Schließlich ist es nicht zuletzt ihr und ihrem Mann zu verdanken, dass Skandinaviens höchster Leuchtturm in den 1990er Jahren nicht weiter verfiel –  sondern heute zum beliebten Ausflugsziel geworden ist.

Kaffee, Klettern, „Kucken“

Als Zwischenstopp auf einer Bootstour ist das Eiland beliebt: Kaffee und Kuchen – oder Finnlands typische süße Brötchen – und einmal die Schäre umrunden. Nach Pookineito ist das kleine Café benannt, sogar eine eigene Röstung mit Roter Dame gibt es hier. Dann in die Tümpelchen gucken, wo sich Krebse tummeln, den brütenden Eiderenten nicht zu nah kommen. Manchmal sonnen sich auch Robben auf dem Granit.

Und einmal die 252 Stufen den Leuchtturm hinauf klettern – vorbei an fluffigen Kalkausblühungen, die wirken, als hätte ein Geist sanft den Stein gestreift. Oben lockt ein grandioser Ausblick. Das alte Leuchtfeuer ist noch da, auch wenn längst elektrische Strahler übernommen haben.

Aber damals, Ende des 19. Jahrhunderts, war die hiesige Schärenlandschaft einfach nur dunkel. Es sei denn, Pookineito stellte sich auf den Felsen, leuchtete und warnte vor Nebel und Sturm, heißt es. Doch das sahen wohl nur die einheimischen Fischer. Als dann wieder einmal ein Dampfer Schiffbruch erlitten hatte, erbaute man 1906 den Turm samt Wärterhaus.

Die alten Mauern könnten viel erzählen, anfangs lebten hier ganze Familien, samt Schafen und Gemüsegarten. Im 2. Weltkrieg versuchten russische Truppen vergeblich, den Turm zu erobern. Ein Ein-Raum-Museum erzählt die Details, wenn es nicht Paula oder ihr Team tun.

Oder mal verweilen…

Manche bleiben aber auch über Nacht, die einstigen Quartierräumen sind heute schlichte, aber gemütliche Hotelzimmer. Macht viel mehr Spaß, auch den Sonnenuntergang zu genießen. Vielleicht auch die alte Granitsauna – ohne Sauna wäre es nicht Finnland. Und noch ein paar Geschichten zu hören – über Bengtskär. Über Meer und Winterstürme. Über Geister…

 

 

Gut zu wissen:
Bengtskär lässt sich nur zwischen Juni und August und nur bei gutem Wetter besuchen. Regelmäßige Boote fahren ab Kasnäs/Rosala.

Mehr Informationen beim Finnischen Fremdenverkehrsamt und auf der Bengtskär-Website

Diese Recherche wurde unterstützt von VisitFinland

Kategorie: Reisen

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"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

2 Kommentare

  1. oje, dein artikel weist mich darauf hin, dass ich schon mehrmals daran vorbei getuckert aber noch nie dort eingekehrt bin. muss ich unbedingt mal packen…
    best
    p-

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