Städtetrip
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Stockholms Wikinger

Wikinger und das Mittelalter: Wer beides mag und obendrein Spaß an Erlebnisgastronomie hat, ist in Stockholm grundsätzlich schonmal nicht ganz falsch. Denn das erste Wikinger-Abenteuer wartet direkt in der mittelalterlichen Altstadt Gamla Stan.

Stockholms Altstadt Gamla Stan

Tafeln wie im Mittelalter: Restaurant Aifur

Wer ein raues, aber herzliches Ambiente gut findet und deftigem Essen nicht abgeneigt ist (also jetzt eher nichts für Leute, die sonst kleine französische Portiönchen oder Molekularlüche dinieren), ist im Aifur Krog & Bar richtig. Eine schmale Treppe geht es an der engen Västerlånggatan in der Altstadt Gamla Stan hinab. Martin Erikson, Tomas Holmqvist, Sebastian Sahlén und Göran Hallmarken haben ihr Restaurant nach dem legendären Wikingerschiff Aifur benannt, nachdem sie sich jahrelang mit Leben, Essen und Kultur der Wikinger in der Zeit von 700-1100 beschäftigt haben. Sie sind stolz darauf, dass das Aifur das einziges Restaurant ist, das sich dem gastronomischen Erbe der Wikingerzeit verschrieben hat – und zwar ziemlich originalgetreu.

Das frühe Mittelalter startet gleich am Eingang zum Gewölbe. Der Tischanweiser tutet in ein echtes Horn und kündigt allen bereits tafelnden Gästen lautstark und wortgewaltig die Neuankömmlinge an. Die werden mit lautem Jubel und Klatschen begrüßt, bevor sie auf einer der Bänke Platz nehmen. Man sitzt eng, es ist total warm. Segel erwecken tatsächlich das Gefühl, auf einem Schiff zu sein. In einer Nische machen eine Frau und ein Mann in mittelalterlicher Kleidung Musik auf alten Instrumenten. Zu Essen gibt es Typisches aus der Wikingerzeit, etwa Hirschfilet mit Roter Beete oder Gerstengrütze mit Lachs und Spinat. Dazu selbstverständlich mehrere Sorten Met (für den gibt es sogar eine eigene Karte) und schmackhaftes Craft-Bier aus der Fjädarholmarnas Bryggeri in den Schären Stockholms. Das Aifur serviert seine Getränke und Gerichte ganz authentisch in robusten Tonbechern und –tellern. Das dazu gereichte, grob geschmiedete Silberbesteck stellt einen (also mich zumindest…) dann auch durchaus vor Probleme beim Hantieren. Lustig ist es aber allemal, und ziemlich lecker auch.

Tipp: Wer wie die Wikinger tafeln möchte, sollte rechtzeitig einen Tisch reservieren. Aifur Krog & Bar:  Västerlånggatan 68b, www.aifur.se/

 

Der Eingangsbereich des Vikingaliv

Das Leben der Wikinger: Vikingaliv

Seit dem Frühjahr heißt es in Stockholm „Zurück in die Wikingerzeit“. Eine Sammlung aufgehängter Wikingerhelme (selbstverständlich ohne Hörner) empfängt die Besucher. Die begeben sich dem neuen Museum Vikingaliv (übersetzt “Wikingerleben“) auf die Spuren der legendären Nordmänner und -frauen. Zwischen Vasa- und Abba-Museum auf der Insel Djurholmen gelegen, verspricht das Museum eine Zeitreise zurück ins skandinavische Mittelalter. Zu den bärtigen Männern und selbstbewussten Frauen, die die Welt durch ihre Raubzüge damals in Angst und Schrecken versetzten.

Die Ausstellung dreht sich um den Alltag der nordischen Krieger, aber auch um das Leben der daheimgebliebenen Frauen und Kinder. Was aßen sie, wie wohnten die Familien? Wer kein Englisch oder Schwedisch spricht, wird es allerdings an einigen Stellen schwer haben, den Beschreibungen zu folgen. Mit dem eigenen Smartphone steht bei freiem W-LAN ein Audioguide zur Verfügung. Eigene Kopfhörer nicht vergessen! Ein hölzernes Wikingerschiff ist zu sehen, Alltagsgegenstände der Wikinger werden erklärt. Und man lernt hier die Hauptpersonen der Ragnfrids Saga kennen, etwa die Wikinger Ulfbjörn, Toke und Sigrid und vor allem Ragnfrid und ihren Mann Harald. Der geht im Untergeschoss nämlich auf großen Raubzug über das legendäre Birka bis ins ferne Kiew – und die Besucher folgen ihm auf einer gut zehnminütigen Fahrt mit einer Erlebnisbahn. Verschiedene Szenen mit Puppen und Einspielern erzählen die Geschichte, am besten also einen Wagen mit deutschen Erklärungen nehmen (der Einweiser fragt aber auch nach der Wunschsprache). Mein Eindruck: Im Prinzeip eine gute Idee, aber das hätte man besser machen können. Irgendwie ziemlich old-style mit den Puppen, dabei ist es doch ganz neu.

Blick aus dem Fenster des Glöd

Lecker mit Ausicht: Museumsrestaurant Glöd

Auf jeden Fall lohnend ist aber das Museumsrestaurant Glöd (durch das man, wie auch durch den Museumsshop, „praktischerweise“ gleich nach dem Ausstieg aus  der bahn hindurch geleitet wird). Hier serviert die Küche zur fabelhaften Aussicht über den Gasthafen Wasahamnen neben Sandwiches und Salaten auch von der Wikingerzeit inspiriertes Essen. Etwa eine gußeiserne Wikingerpfanne, hausgemachte Wurst oder Dinkelpfannkuchen. Wie im Aifur isst man im Glöd (übersetzt „Glut“) sehr deftig und lecker, aber in modernem skandinavischen Ambiente (und nicht so beengt und warm). Toll ist übrigens auch der lange Holzsteg direkt vom Vikingaliv. Einfach einen Kaffee holen (etwa beim Food-Truck um die Ecke) und dann den Yachten beim Schaukeln und den Möwen beim Dasein zuschauen ist, so das Wetter will, auf jeden Fall eine gute Idee.

Vikingaliv: Djurgårdsvägen 48 (am einfachsten kommt man mit der Djurgårdsfähre von Slussen auf die Insel), Eintritt 190 SEK, Kinder 120 SEK (rund 19 €/12 €), geöffnet täglich 10-20 Uhr, www.vikingaliv.se

Restaurant Glöd: Täglich 10-20 Uhr geöffnet, www.glödmat.se/en/menu

Stockholm im Herbst? Ab ins Museum!

Wem nach weiteren Museen ist: Auf der einen Seite des Vikingaliv geht’s zum weltberühmten Vasa-Museum mit der rekonstruierten Galeone (Skandinaviens meistbesuchtes Museum und leider fast immer entsprechend voll), zur anderen zum Vergnügungspark Gröna Lund und dem quietschbunten Abba-Museum. Mein persönlicher Favorit ist allerdings das Fotografiemuseum Fotografiska, das am anderen Ufer der Bucht liegt (da, wo auch die Kreuzfahrschiffe anlegen). Neben einer absolut sehenswerten Dauerausstellung zeigt das Museum in einem alten Backsteingebäude, einem früheren Zollhaus, wechselnde Sonderausstellungen. Und das große Museumscafé und -restaurant im Dachgeschoss – einfach nur der Hammer! Das übrigens, nachdem es im vergangenen Jahr bereits Zweiter wurde, gerade den Leading Culture Destinations Award als bestes Museumsrestauant weltweit abgeräumt hat! Nicht nur die Lacation und der Ausblick über Stockholm sind sagenhaft, das Speiseangebot orientiert sich zudem an lokalen, saionalen und ökologischen Produkten. Super!

Fotografiska: Stadsgårdshamnen 22, http://fotografiska.eu/, Eintritt 135 SEK

Info Stockholm: www.visitstockholm.com/de

Die Recherche wurde unterstützt von Viking Line und Visit Stockholm.

 

 

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