Reisen, Rezept
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Chinas Feuertopf: Heiß, heißer, Sichuan!

Oder Szechuan – wie man’s auch ausspricht: Die Region ziemlich in der Mitte des „Reichs der Mitte“ ist berühmt für ihre scharfe Küche. Und ungekrönter König der Szechuan-Küche ist der „Feuertopf“ (Rezept unten). Der „Hot Pot“ sorgt nämlich nicht nur für Gaumenschmaus, sondern auch für Geselligkeit: Alleine essen geht gar nicht. Um den Feuertopf sitzt man mit

Freunden oder Familie, wie bei Europas Fondue, und taucht nach und nach immer mehr rohe Zutaten in eine kräftige, würzige, kochende Brühe. Fleisch und mehr in hauchdünnen Scheiben, Fisch und Meeresfrüchte, Algen und Pilze, Tofu und Scheiben von Lotuswurzeln, dazu alle möglichen Gemüsearten. Der Unterschied zum Fondue: Alles kommt zum Kochen in die Brühe, schwimmt locker herum – und jeder darf herausfischen. Statt langer Gabeln gibt’s lange Drahtlöffelchen.

Und der Hauptunterschied: Echter Sichuan-Feuertopf ist „hot“. Scharf. Mit schön viel Chili und Szechuanpfeffer. Dazu traditionell vor allem Ingwer und Frühlingszwiebeln. Die Schärfe geht dann schön ins Eingetauchte über. Das man dann mit oder ohne Saucen und Marinaden verspeist. Mit Stäbchen natürlich. Und möglichst mit ein paar Nüssen oder einem Glas Milch, Sojamilch, Erdnussmilch oder anderem Getränk mit Fettgehalt daneben – nur Fett löscht den Schmerz auf der Zunge 😉

Der Feuertopf (wörtlich übersetzt ist das wirklich 火鍋, huǒ = Feuer,  guō = Topf) hat sich mit der Zeit über ganz China ausgebreitet. Überall macht man ihn etwas anders, meistens vor allem milder. Den „richtigen“ Feuertopf gibt’s aber nur in Sichuan, finde ich. Hier, rund um  Chongqing und der Hauptstadt Chengdu, heißt er passenderweise 麻 辣 火 鍋 „má là huǒ guō“ = „ taub-scharf Feuer-Topf“.  Als Kompromiss bieten die vielen kleinen und großen Restaurants aber neben der „roten Brühe“ auch mildere „weiße Brühe“. Mancher sagt, die weiße wärmt besser im Winter. Zum Abwechseln gibt es auch beides zusammen in einem Doppeltopf. Traditionell steht in der Mitte einer tiefen Riesenpfanne noch ein kleinerer Topf. Modern sind seit einer Weile aber auch „Yin-Yang-Töpfe“, per Welle in zwei Hälften geteilt.

Aber ob rot oder weiß, Feuertopf sorgt immer für wohlige Wärme, in der zentralen Provinz kann es im Herbst und Winter auch schön feucht-kalt werden. Und im Sommer hilft die Schärfe, die Hitze besser zu ertragen. Bevor man weiter durch die Städte schlendert, auf die Berge klettert, den Großen Buddha besucht (hier), die vielen Kloster oder die Pandas, Markenzeichen der Provinz.

Im Restaurant besteht die Qual der Wahl vor allem darin (wie so oft in China), aus den vielen Angeboten auf der Karte das Liebste auszusuchen. Erstmal die Art der Brühe – jedes Restaurant hat seine eigenen Rezepte und Mischungen, dann eine gute Anzahl an „Tauchobjekten“ und schließlich vielleicht noch Marinaden. Gewöhnungsbedürftig sind die diversen Innereien wie Kalbsgekröse, Entendarm, Hirn oder Magen. Aber immerhin werden die Tiere, wenn man sie schon schlachtet, noch weitgehend ganz verwertet. Ochsenfrosch stand noch auf der Karte, war aber wohl gerade aus…

 

 

Feuertopf Rezept

Wollt Ihr selbst probieren? Was heißes für die nasskalte Jahreszeit? Eigentlich ist es ganz einfach.
Auch ohne die fertige Würzmischung aus dem Asia-Shop. Vor allem braucht Ihr einen großen flachen Topf  oder eine hohe Pfanne.
Und ein „Feuer“ auf dem Tisch, Heizplatte oder Gaskocher, damit alle um den Topf herumsitzen können.
Und regelmäßiges Lüften nicht vergessen, gegen die Tränen in den Augen…

"Rote Brühe" für Feuertopf à la Szechuan


Zutaten (für große Töpfe und Runden verdoppeln):

   2 L Rinds-, Geflügel- oder Gemüsebrühe

   5 EL Sojasauce zum Abschmecken

   1 Stück Ingwer, 5-10 cm

   2-4 Chilischoten, mild oder schärfer

   10-20 g Szechuan-Pfeffer

Ingwer und Chili fein hacken, mit der Brühe und Sojasauce aufkochen, 
Szechuan-Pfeffer nach Bedarf hinzugeben. Im großen Topf auf dem Tisch 
leise weiter köcheln lassen. Gut lüften!!!

Andere Zutaten in dünne Scheiben schneiden und auf Tellern dazu stellen.

Fertig.

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Kategorie: Reisen, Rezept

von

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“ – so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich „in echt“ unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach… Reisen!

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