Nachhaltigkeit
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El Silbo – die ungewöhnlichste Sprache der Welt

Silbo Gomero

In den Alpen jodeln die Menschen, in den Bergen der kanarischen Insel La Gomera tauschen sie laute Pfiffe aus. Doch es gibt einen riesigen Unterschied: Mit der Pfeifsprache übermittelt man nicht nur kurze Grüße, sondern echte Nachrichten, und das über weite Entfernungen. „El Silbo“ ist für mich die ungewöhnlichste Sprache, die ich je gehört habe.

Die Gomerer pfeifen drauf

Schon am ersten Tag auf La Gomera hören wir etwas Seltsames: Ein lautes Pfeifen, das abbricht und dann wieder hoch und tief, laut und leise trällert. Es schallt herüber vom Platz vor der Kirche von San Sebastián und ist die alte Pfeifsprache der Ureinwohner. Virtuose Laute, die über weite Entfernungen tragen. „Herzlich Willkommen auf La Gomera”, hieß das gerade eben. Und unsere Reiseführerin Marina antwortet mit einer kurzen Pfiff-Folge „Buenos Días“, „guten Tag“. Und dann flüstert Marina der Insulanerin eine kurze Bitte zu und die Frau in der traditionellen Tracht legt los:

Sie zeigt, wie detailliert man in der Pfeifsprache Botschaften übermitteln kann, z.B.: Nimm dem Mann im roten T-Shirt die Mütze ab und setze sie der Frau daneben auf. Und schließen sagen wir von der Reisegruppe, was sie auf Pfeifsprache übersetzen soll. Die andere Dame aus der Trachtengruppe hört konzentriert zu und führt die Kommandos aus. So wechseln an diesem Novembermorgen Sonnenbrillen, Tücher und Hüte ihre Besitzer und wir staunen. Nur einmal hat ihre Mitstreiterin den Begriff „Sonnenbrille“ nicht richtig verstanden. Das liegt nicht nur daran, dass es dauert, bis man die Pfeifsprache bis in die Tiefe beherrscht. Sie ist auch nicht so exakt wie die gesprochene Sprache.

Pfeifend sprechen – ein Kinderspiel?

Es gibt im Prinzip nur drei Möglichkeiten, die Worte in „El Silbo“ zu modulieren: Ich variiere die Tonhöhe, die Lautstärke oder die Tonlänge bzw. Pausen dazwischen. Das bedeutet, dass man sich auf wenige Vokale und Konsonanten konzentrieren muss. Und es gibt zwangsläufig Doppeldeutigkeiten, die dann der Satzzusammenhang letztendlich klären muss. Diese und noch mehr Eigenarten erklärt uns deutschstämmige Marina Seiwert später bei einer Wanderung hoch oben in den Bergen. Sie hat auf La Gomera extra Kurse in „El Silbo“ belegt: „Seit die Unesco es 2009 zum Weltkulturerbe erklärt hat, lernen die Kinder es schon ab der Grundschule als Zweitsprache“, erzählt Marina. Die seien ihr deshalb an Übung und Sprachfertigkeit weit voraus.

Und das merkt man: Jeden Morgen hören wir spielende Kinder im Park hinter unserem Hotel in San Sebastián, die auf dem Weg zur Schule über melodische Pfiffe ihre Grüße und Kurznachrichten austauschen. Ist ja auch viel praktischer, als quer durch den Park zu brüllen – und viel schneller WhatsApp.

El Silbo erlebt eine Renaissance

Das war beileibe nicht immer so: Als das Pfeifen immaterielles Weltkulturerbe wurde, gab es keine Lehrer. „El Silbo“ galt als rückständig, als Sprache der Hinterwäldler. Erst später merkten die Menschen, wieviel Wissen und Übung man benötigt, um es zu beherrschen. Das ließ sich nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln. Und so waren die ersten Lehrer an den Schulen einfache Bauern, die das alte Kulturerbe noch von klein auf gelernt und durch Übung gepflegt hatten. Inzwischen kann man „El Silbo“ auch als Lehramt an der Uni studieren.

Für mich war es schön zu sehen, dass etwas, das früher als altmodisch und überholt galt, nun gerade bei den Jüngsten eine Renaissance erfährt. Übrigens lassen sich mit „El Silbo“ nicht nur spanische, sondern auch deutsche Worte pfeifen:

Na, verstanden?

Noch mehr tiefe Einblicke in die Natur und Kultur von La Gomera erhaltet Ihr auf den Insider-Wander-Reisen mit Marina.

Diese Recherche wurde vom Aktivreisen-Anbieter MiTourA unterstützt. Vielen Dank dafür! 

 

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