Nachhaltigkeit
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Simbabwe: Mit dem Hausboot auf dem Kariba-See

Endlich ist Mugabe weg! Ganz Simbabwe jubelt nach dem Sturz des Diktators. Im letzten Frühjahr war ich mit einer Reisegruppe dort, zuerst am Kariba-See. Der ist riesig, wie ein kleines Meer – schön und seltsam zugleich. Hier ein kleiner Einblick in ein Land, das auf Veränderungen hofft.
Simbabwe ist wie elektrisiert, die Menschen tanzen auf den Straßen der Hauptstadt Harare: Sie wirken wie erlöst. „Ein Gefühl der Befreiung und vor allem auch der Einigkeit, es ist überwältigend!“, erzählt Jenny Nobes.

Sie betreibt mit ihrer Familie das Rhino Safari-Camp am Kariba-See. Und vor allem ist es friedlich geblieben in Simbabwe. „Jetzt herrscht Aufbruchsstimmung“, sagt Jenny. Nach 37 Jahren Mugabe, der das Land völlig heruntergewirtschaftet hat, wächst wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft – und auf mehr Touristen. Auch wenn Emmerson Mnangagwa, der neue Präsident, aus der alten Führungsriege Mugabes stammt. „Optimismus gehört zur Mentalität der Simbabwer“, meint Jenny weiter, „wir sind mit ganzem Herzen dabei und glauben an die Zukunft unseres Landes“.

Simbabwe aus Bootperspektive

Dieses Land, es hat mich überrascht: Mit dichten Wäldern und einer fast unberührten afrikanischen Wildnis, in der Löwen, Leoparden und Elefanten leben. Wir entdecken Simbabwe erstmal aus der Bootsperspektive: Auf dem Kariba See gelangt man in wenig bereiste Gegenden im Norden.

Es ist einer der größten Stauseen der Welt, hier wurde der Sambesi (der die Viktoriafälle speist) auf 280 Kilometern Länge aufgestaut. In der Mitte verläuft die Grenze zu Sambia.

Noch nie habe ich so viele Flusspferde gesehen! Und so nah wie auf dem Kariba-See kommt man ihnen selten. Sechs Tage sind wir mit dem Hausboot unterwegs, durchqueren das Gewässer bis zur Staumauer in Kariba. Zwischen Flusspferden und Krokodilen cruist die Umbozha.

Wie harmlose Stücke Treibholz gleiten Krokodile in Sichtweite dahin. Sonst ist auf dem Wasser tagsüber nichts los, es leben kaum Menschen am See. Erst nach Einbruch der Dunkelheit sind Fischerboote unterwegs.

Auf der Jagd nach den kleinen Kapenta-Fischen, eine Sardinenart. Im Schlepptau hat die Umbozha ein Tenderboot. Es ist offen wie ein Floß, motorisiert, und mit Stühlen bestückt. Damit schippern wir jeden Tag hinein in kleine Buchten und auf Nebenflüsse des zum See verwandelten Sambesi. Vorbei an weitläufiger Savanne, gelb und grün leuchten die Gräser. Mittendrin lagert eine Büffelherde, sie schaut uns schläfrig hinterher. Dann wieder ist das Ufer felsig, gespickt mit rotem Sandstein. Dahinter stehen auf Berghängen große Baoab-Bäume.

Und täglich grüßt das Flusspferd

Flusspferde beobachten uns. Sie wackeln mit den Ohren, drehen sie nach links, nach rechts. Mit gezückten Kameras warten wir im Boot auf den einen, den entscheidenden Moment. Wenn ein Hippo sein Maul ganz weit aufreißt. Kommt, na kommt schon! Die Spannung steigt, und ja, jetzt – da passiert es! Ein gigantisch großes Maul öffnet sich.

Darin kommen wenige, aber imponierende Zähne zum Vorschein. Schnell dreht unser Boot ab, denn wütende Hippos können einen Menschen ruckzuck in zwei Hälften zerteilen.

Bleiche Baumgerippe

Dann tastet sich das Tenderboot vorsichtig zwischen Baumstümpfen hindurch. Sie ragen überall am Rande des Kariba-Sees aus dem Wasser. Bleiche Gerippe abgestorbener Bäume, sie sind versteinert. Überbleibsel einer versunkenen Welt, von Fischadlern gern als Ausguck genutzt.
Ende der fünfziger Jahre wurde die Landschaft – noch unter britischer Kolonialherrschaft im damaligen Rhodesien – für den Stausee überflutet.

Der Sambesi schwoll langsam an, und rund 57.000 Menschen vom Batonga-Stamm mussten ihre Heimat verlassen. An die vielen Wildtiere, an die hatte niemand gedacht. Nashörner, Affen, Löwen, alle, die nicht schwimmen können. Tausende ertranken oder saßen auf Inseln fest. Weltweit Aufsehen erregte zu jener Zeit die Rettungsaktion „Operation Noah“ . Dramatische Szenen spielten sich ab bei den Versuchen, etwa die tonnenschweren Nashörner mit Booten aufs Festland zu befördern.

Im Matusadona-Nationalpark

Immerhin 6.000 Tiere konnten gerettet werden, man brachte Löwen, Nashörner oder auch Antilopen in den dafür gegründeten Matusadona-Nationalpark. Er liegt rund vierzig Bootskilometer von Kariba entfernt, und wir legen dort mit dem Tenderboot an. Peter Nobes vom Rhino Safari-Camp wartet schon.

Und natürlich hat uns eine Gruppe Flusspferde längst erspäht. Am Abend werden sie ihr feuchtes Domizil verlassen, sich zum Grasen an Land begeben. „Tagsüber Pool, abends Restaurant – Hippos führen kein schlechtes Leben, oder?“ , sagt Peter, ein Brite von Anfang siebzig. Er lacht.

Er zeigt uns seine Lodge. Prächtige Mahagoni-Bäume stehen am Eingang. Es ist ruhig. Nur zwei der strohgedeckten Holzhütten sind belegt. Es kommen nicht viele Touristen zum Kariba-See. Bis Ende der 90er-Jahre sah das noch anders aus, berichtet Peter, da gab es auch mehrere Unterkünfte. Aber mit Präsident Mugabes Politik, der gewaltsamen Vertreibung weißer Farmer (ab dem Jahr 2000), seien auch die meisten Touristen ausgeblieben.

In den 90er-Jahren, da lebten auch noch viele Nashörner im Matusadona-Park. Der Name Rhino Safari-Camp verrät es. Heute sind nicht mehr viele übrig. „Erst wurden die Nashörner wegen des Horns gejagt, jetzt sind die Elefanten dran“, meint Peter bitter. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Pro Wildlife ist der Elefantenbestand in der Sebungwe-Region am Kariba-See um siebzig Prozent geschrumpft (www.prowildlife.de). „Manchmal hören wir die Schüsse“, erzählt Peter. Und die Elefanten rücken instinktiv näher an die Lodge heran. Sie wissen, dort droht ihnen keine Gefahr.
Die Reise wurde unterstützt von Lernidee Erlebnisreisen und South African Airways

Über Karin Kura:

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt würde ich gerne Spanisch lernen. Wenn mal Zeit dafür bleibt. Vielleicht ja auf meiner Lieblingsinsel: La Gomera.

 

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