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7 Fragen an… Matthias Kröner

Es ist immer spannend, über den Tellerrand zu schauen: Wie arbeiten Kolleginnen und Kollegen? Was schätzen sie am Reisen, was nehmen sie mit von ihren Kontakten mit anderen Ländern und Kulturen? Matthias Kröner ist wie wir Journalist und Reiseführer-Autor und kennt zwei unserer Lieblingsstädte in Norddeutschland wie seine Hosentasche… Höchste Zeit also für unsere sieben Fragen an den zugereisten Franken.

Wer ist Matthias Kröner?

Matthias Kröner, 1977 in Nürnberg geboren, lebt und arbeitet seit 2007 in der Nähe von Lübeck. Diverse Veröffentlichungen, u. a. in mare, ZEIT Online, Geo Saison, Das Gedicht, Das Magazin, BR. Er erhielt acht Auszeichnungen für Prosa, Lyrik und Journalistik. Seine subjektiv verfassten Reiseführer „Lübeck MM-City“ und „Hamburg MM-City“ sind Sparten-Bestseller. 2014 erschien sein viel beachteter Erzählband „Junger Hund. Ausbrüche und Revolten“ (Stories & Friends Verlag), 2016 war er Finalist beim Irseer Pegasus und erhielt einen ITB-Award für das Lübeckbuch. Ende Oktober kommt der Mundartband „Dahamm und Anderswo“ im ars vivendi Verlag heraus.

(c) Matthias Kröner

© Gabriele Kröner

1) Welches war Dein schönstes Erlebnis unterwegs?

Das vielleicht schönste Erlebnis ist noch gar nicht so lange her. Im Juli waren meine Freundin (pardon, Frau) und ich im honeymoon in Amsterdam. Kurz nach dem Brexit und dem nur schwer zurückzudrehenden Rechtsruck in Teilen der deutschen und europäischen Bevölkerung landeten wir in der vielleicht überschaubarsten Metropole der Welt – und waren sofort einverstanden mit diesem Laissez-faire, das hier wie selbstverständlich gelebt wird.

Vermutlich weil die Hälfte der Stadtbewohner aus Migranten besteht (und das vermeintlich „andere“ hier der Normalfall ist), hatten wir nie den Eindruck, uns im falschen Viertel zu bewegen oder überhaupt aufzufallen. Es scheint dort die Auffassung zu geben, den anderen so zu lassen, wie er gerade ist; sehr angenehm!

Ausblick vom GeziPark2_BK

© Matthias Kröner

2) Welches Erlebnis (auf Reisen) hat Dich nachhaltig beeinflusst?

Meine erste längere Recherchereise führte mich an die Algarve. Ich durfte das gleichnamige Buch von Michael Müller überarbeiten (ja, der deutsche Reisebuchverleger ist gemeint!) – und dabei den Süden und den westlichen Teil dieses reizvoll-kargen Landstrichs am Atlantischen Ozean entdecken. Im November, während in Deutschland der Regen fiel, erlebte ich das südliche Portugal, quartierte mich in Küstenstädten ein und fühlte eine Freiheit, wie ich sie niemals zuvor gespürt hatte. Ich wusste, ich wollte unterwegs sein – und darüber schreiben. Meine nächste Tour brachte mich in den Alentejo, das nördlich der Algarve gelegene Gebiet, das noch immer sehr ländlich geprägt ist.

Dass ich letztlich zwei Reiseführer zu deutschen Städten geschrieben habe (zu Lübeck, zu Hamburg), ist dem Zufall geschuldet – und der Liebe. Meine Freundin und ich zogen 2007 in den Norden. Sie hatte zehn Jahre in Berlin gelebt und genug davon. Ich wollte meinen urfränkischen Horizont erweitern (30 Jahre hatte ich mich in Nürnberg, Fürth und Erlangen herumgetrieben), und wir beide wollten ans Meer, das hier oben ähnlich rau wie an der Algarve sein kann … Als dann Kinder kamen, war klar, dass meine reiseschriftstellerische Arbeit nicht in Tokio oder Australien stattfinden konnte, sondern in der Nähe gelebt werden muss.

Aus dem „muss“ entwickelte sich eine Leidenschaft. Heute erlebe ich das Unterwegssein gerade dort, wo man Heimat fühlt, als etwas ganz Eigenes, als etwas sehr Besonderes, das einem das Vertraute noch einmal auf eine ganz ungewöhnliche Weise zeigt.

Witzigerweise konnte ich auch so wieder zu meinen Wurzeln zurückkehren: Im Oktober erscheint mein erster Mundartband im wunderbaren ars vivendi Verlag, Titel „Dahamm und Anderswo“.

Das Thema des vermeintlich Fremden und der vermeintlichen Heimat lässt mich nicht los.

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© Matthias Kröner

3) Gibt es einen Gegenstand, den Du auf Reisen immer dabei hast?

Eine coole Antwort wäre diese: mein Handtuch. Wer „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen hat … Doch, ehrlich gesagt, ist es ziemlich simpel: mein Schreibheft. Ich mag es nach wie vor, auf Papier zu kritzeln, allen digitalen Neuerungen zum Trotz.

4) Wenn Du ohne jegliche Alltagspflichten und gesellschaftliche Zwänge leben könntest – womit würdest Du dann den Großteil deiner Zeit verbringen?

Ha, wahrscheinlich würde ich Gedichte schreiben. In diesem Jahr war ich Teil der Lyriker-EM-Mannschaft von DAS GEDICHT. Und wieder ging es darum, eigene Eindrücke und die Identität(en) einer Nation einzufangen, auch wenn sie nur auf dem grünen Rasen stattfand(en). Meine zwei Lieblingstexte, die in diesem Zusammenhang entstanden sind, handeln von Island und: Deutschland.

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© Berit Kröner

 

5) Welches war das gewöhnungsbedürftigste Essen, das Du je in einer anderen Kultur probiert hast?

Ich entscheide mich für eine Kochkultur innerhalb der Republik – und muss sagen, dass man für Labskaus, dieses durch den Fleischwolf gedrehte Rindfleisch mit Ei, Gurke, Rollmops und Roter Bete, schon einen stabilen Magen braucht … Aber das sagen die Norddeutschen ja auch, wenn sie ein fränkisches Schäufele verdrücken sollen. Von dem her: Gleichstand.

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© Matthias Kröner

6) Gibt es Dinge, die Du dank einer Reise an Deutschland bzw. Deiner Heimat besonders schätzen gelernt hast?

Vielleicht die Verlässlichkeit und die Echtheit dahinter, wenn man sagt, dass man etwas gut fand, und das dann auch so meint. Dem gegenüber stehen allerdings eine – leider nicht nur dem Klischee nach verbreitete –deutsche Kinderfeindlichkeit (in Dänemark habe ich nie erlebt, dass man in einem Lokal oder anderswo zu laut war), ein rennpferdartiges Leben nach der Uhr (in Ägypten zerfloss die Zeit mit der auf- und untergehenden Sonne), ein so schwer zu lebendes Laissez-faire (siehe Antwort auf Frage 1) und die gute alte, immer im beleidigten Tonfall vorgetragene Nörgelei (in Polen belauschte ich zufällig ein deutsches Paar, das sich über eine Kleinigkeit aufregte, die in einem Hotel nicht funktionierte, ich glaube, es ging um irgendeine Einstellung des Brausekopfs der Dusche).

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© Matthias Kröner

7) Welches Reiseziel ist auf Deiner Liste noch offen?

Tatsächlich Amerika. Ich möchte mir die Staaten mit allen ihren – vielleicht – (über)selbstbewussten und engstirnigen Ansichten und Lebensweisen einmal genauer ansehen. Damit ich ernsthaft mitreden kann, wenn wieder einmal, wie es so oft der Fall ist, über Amerika hergezogen wird.

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© Berit Kröner

 

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Griechisches Schafskäse-Päckchen

Gerade schreiben Andrea, Iris und ich Texte für einen Bildband zu verschiedenen Weinstraßen. Ich bin derzeit mit Griechenland beschäftigt, und dazu passend habe ich einen vegetarischen Leckerbissen gemacht, den ich euch nicht vorenthalten will:

Für 2 Personen: 2 Scheiben griechischen Schafskäse auf je ein Stück doppelt gelegtes Backpapier legen. Ein paar Tomatenscheiben (gerade sind sie ja am aromatischsten, die Tomaten!) oben drauf legen, etwas Olivenöl drüber träufeln, mit Pfeffer würzen und frische Kräuter obendrauf legen (z.B. ein paar Zweige Oregano, Minze, Rosmarin). Wer mag, fügt noch ein paar Oliven und Peperoni hinzu, eine Zehe Knoblauch unter dem Käse gibt extra Würze. Dann die beiden kurzen Seiten des Backpapiers mit einem Faden zusammenschnüren, so dass alles zu einem Päckchen wird (also insgesamt werden es ja zwei), das aber oben noch offen sein muss. Das bei 180 Grad eine Viertelstunde backen, bis die Oberfläche leicht gebräunt ist, nach Geschmack mit ein paar weiteren frischen Kräutern bestreuen und mit Brot und selbstverständlich griechischem Wein genießen…

 

 

 

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Mit dem Heißluftballon über den katalanischen Pyrenäen

Meine erste Fahrt mit einem Heißluftballon durfte ich ausgerechnet über einer vulkanischen Kraterlandschaft erleben. Wie, Vulkane gibt es in Spanien doch nur auf den Kanaren? Habe ich auch gedacht… Aber auch auf dem Festland findet Ihr erloschene Feuerberge, und zwar in der Region Garrotxa, wo rund vierzig Krater eine ganz eigentümliche Berglandschaft bilden. Am schönsten sieht das natürlich aus der Luft aus. Weiterlesen

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Erfrischend im Sommer: Selbstgemachte Kräuter-Limonade

Cola, Fanta, Sprite? Bei Hitze gibt es kaum etwas Erfrischenderes als selbstgemachte Limonade mit frischen Kräutern und Blüten. Und viel leckerer ist diese Variante sowieso.

Man braucht einen Liter Apfel- oder weißen Traubensaft, Kräuter, Sprudelwasser und auf Wunsch eine Bio-Zitrone. Zuerst frische Kräuter oder Blüten sammeln: Lecker zitronig schmeckt die Limo mit Zitronenmelisse, erfrischend mit Minze, herb blumig mit Lavendel oder zart mit Wildrosenblüten. Die Kräuter abschütteln, damit letzte Insekten herausfallen, zu einem Sträußchen binden und vorsichtig mit dem Nudelholz oder einem Glas darüber rollen, dann entfalten sich die Aromen besser. Anschließend das Kräuter- oder Lavendelsträußchen in den Apfel- oder Traubensaft hängen und etwa zwei Stunden ziehen lassen. Rosenblätter können einfach so in den Saft gegeben werden. Dann die Kräuter entfernen und den Saft ggf. noch einmal durch ein Sieb gießen. Wer Zitrusaromen mag, gibt noch ein wenig (oder etwas mehr) Zitronenabrieb und –saft dazu. Dann den romatisierten Saft in ein Glas geben und mit eiskaltem Mineralwasser aufgießen. Wer möchte, gibt noch Eis dazu  – fertig ist die selbstgemachte Sommerlimonade.