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Die Frau von Stavoren

Ein paar Tage im niederländischen Stavoren Ende März sind vom Wetter her, sagen wir mal, noch etwas erfrischend. Aber wenn in Friesland der Wind ums Ferienhaus weht, macht man es sich eben drinnen gemütlich.

Die Frau von Stavoren am Hafen

Wind, Wolken? Das war gestern. Heute startet der Tag mit strahlendem Sonneschein. Ich stehe mit einem Milchkaffee auf dem Balkon des Ferienhauses in Stavoren. Zehn Meter vor mir gluckst das IJsselmeer ans Ufer. Kaum zu glauben, dass sich hier früher die flache, grüne Landschaft einfach fortsetzte. Also vor den großen Sturmfluten und dem Bau des Abschlussdeichs vor der damaligen Meeresbucht Zuidersee, der das heutige IJsselmeer zur Nordsee hin abgrenzt. Der seit 1932 dafür gesorgt hat, dass der große Süßwasser-Binnensee überhaupt erst entstanden ist.

Die Sage von der Frau von Stavoren

Lange vor dieser Zeit war das heutige Küstenörtchen Stavoren die reichste und mächtigste Stadt des Landes. Die älteste ist sie außerdem, sie entstand bereits um das Jahr 900. Die friesischen Könige residierten hier, und die Bewohner waren geschickte und erfolgreiche Kauf- und Seeleute. Vor allem der Getreidehandel blühte. Heute ist Stavoren noch ein hübsches, aber nicht mehr außergewöhnlich prächtiges Städtchen, das vor allem vom Tourismus und vom Wassersport lebt. Um den Niedergang der Pracht rankt sich eine Sage:

Eine reiche Kaufmannswitwe beauftragte den Kapitän eines ihrer Schiffe, ihr das Kostbarste mitzubringen, das er unterwegs entdecken konnte. Der Kapitän entschied sich für eine Ladung des bestens Weizens, den er je gesehen hatte. Der Kaufmannswitwe gefiel das gar nicht, sie war vielmehr außer sich vor Wut, als das Schiff heimkehrte, und wies die Mannschaft an, den Weizen über Bord zu werfen. Das sah ein alter Mann, der ausrief, sie möge für ihren Hochmut bestraft werden und bettelarm werden.

Daraufhin schleuderte die Frau einen goldenen Fingerring hinterher und spottete, erst wenn jemand den Ring wieder aus dem Wasser hole, werde das passieren. Das Unwahrscheinliche trat bald darauf tatsächlich ein: Eine Küchenmagd entdeckte den Ring im Inneren eines Fisches. Einige Tage später erhielt die Kaufmannswitwe die Nachricht, dass ihre gesamte Flotte untergegangen sei. Sie landete am Bettelstab – sinnbildlich für die Stadt, mit der es zu der Zeit ebenfalls wirtschaftlich bergab gibt. Dort, wo die wertvolle Ladung über Bord gegangen war, bildete sich der Sage nach übrigens eine Sandbank namens Vrouwezand. Und die gibt es bis heute.

Wohnen in erster Reihe zum IJsselmeer

Entspannter Ferienhausurlaub am Ijsselmeer

Heute steht ein Standbild der hochmütigen Frau am Ende von Stavorens Hafen an der weißen Klappbrücke. Im Hafen haben ein paar der hier typischen Plattbodenschiffe festgemacht. Gerade wartet eine Schulklasse aufgeregt darauf, an Bord gehen zu dürfen, die Kinder rennen auf dem Kai entlang und spielen fangen. An den Grachten dahinter stehen hübsche kleine Backsteinhäuschen, bei denen man, typisch Holland, wahlweise in die gute Stube gucken oder ausgefallene Fensterdeko bewundern kann. Im Fischerhafen trocknen Netze. Wenn ich aus dem Haus trete, liegt gleich links der Hafen, rechts erstreckt sich das Ufer des IJsselmeers. Auf dem Deich oder daran entlang lässt es sich kilometerweit laufen, Fernblick garantiert – Steigungen hingegen garantiert ausgeschlossen (bis auf den Deich 😉 …

Ausflüge nach Sneek, Harlingen und Leeuwarden

Das kleine Stavoren mit seinen nichtmal tausend Bewohnern gefällt mir. Es ist ein angenehm unaufgeregter Ort, um Urlaub zu machen oder sich ein paar Tage Auszeit vom Alltag zu nehmen. Im Hotels wohnt man hier am äußersten Zipfel Frieslands allerdings kaum – die Gäste kommen traditionell mit Yacht oder Hausboot auf dem Wasserweg oder mit dem Zug oder Auto und wohnen im Ferienhaus. So wie ich. Ich verbringe nicht gern viel Zeit in Hotelzimmern. Das Ferienhaus am Meer in Leuchtturmform ist die Basis für Ausflüge in die Umgebung, etwa nach Sneek, Harlingen oder die aktuelle Europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden.

Für mich die perfekte Mischung: tagsüber unterwegs sein, abends fast wie zuhause fühlen. Wenn dann wie gestern Abend der Regen auf den Wintergarten pladdert, einfach eine Kanne kochen, die Beine auf dem Sofa hochlegen und die Leuchtsignale der Schiffe draußen auf dem Wasser zählen. Wahlweise auch ein paar Seiten lesen. Und am nächsten Morgen dann ausgeschlafen das nächsten Ziel in Friesland ansteuern. Leeuwarden steht ganz oben auf meiner Liste – ich bin gespannt, was die Europäische Kulturhauptstadt 2018 so früh im Jahr schon zu bieten hat. Mehr zu meinem Ausflug dorthin gibt’s hier dann in Kürze zu lesen.

Meine Reise nach Friesland wurde vom Ferienhausanbieter Novasol unterstützt, der das Haus kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Wer auch am Wasser wohnen will: Das Leuchtturmhaus findet Ihr hier.

Eine andere Geschichte von Sandra zur Hummersaison in Holland gibt es hier. Eine kulinarische Reise nach Amsterdam hier.

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