Was lange währt, wird endlich publiziert: Womit
ich diesen Sommer viel Zeit verbracht habe, ist rechtzeitig zum Winter erschienen: „Das große Autoreisebuch“ vom Bruckmann-Verlag. Und bei den zwanzig der „100 schönsten Touren“ aus meiner „Er-fahrung“ geht’s auch durch Ermland und Masuren sowie durch Polen rundherum. Und das ist nicht nur im Sommer schön – wenn richtig viel Schnee liegt, ist Masuren ein Traum!Also gut: Winterreifen und manchmal sogar Schneeketten sind ein guter Tipp, wenn es
frisch geschneit hat im Osten von Polen. Oder man steigt gleich auf 1 PS um! Hoch zu Ross durch den Winterwald, wo es links und rechts mal knackt oder der Schnee vom Baum stiebt. Ein Gemälde fast in Schwarz-Weiß. „Ganz manchmal trifft man auch auf Elche“, behauptet Stallchefin Karolina, aber das glaub ich erst, wenn ich einen vor mir sehe. Wahrscheinlich schnaubt mein Pferd sowieso zu laut…
Bequemer geht’s natürlich auch – gemütlich eingemummelt – in der Pferdekutsche mit Kufen. Viele der kleinen Hotels auf dem Lande setzen ihre Gäste gern in die großen Schlitten, ausgerüstet mit dicken Decken. Sicherheitshalber ein paar Thermoskannen mit Heißem und/oder Hochprozentigem im Gepäck. Und zurück im Haus wartet dann mindestens ein flackernder Kamin – wenn nicht gleich eine heiße Sauna!
Aber warum passiv in der Gegend herumsitzen? Winter in Polen, das bedeutet auch Schneeschuhwandern oder Eislaufen auf kleinen oder großen Seen. Man kann sich auch zum Ski-Jöring hinter ein Pferd hängen. Oder bärtige Wisente besuchen im verschneiten Wald der Puscza Borecka bei Gizycko. Eisstockschießen oder Eisangeln – vorausgesetzt, man bohrt vorher ein Loch in die dicke kalte Schicht. Die Ausflugsschiffe der masurischen Seenplatte liegen dann festgebacken am Pier. Aber dafür gehen, wie schon mal erzählt, die rasanten Eissegler auf die weiten Flächen.
Und natürlich geht’s per Auto auch in die Städte und zu anderen Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel nach Olsztyn (Allenstein), auf dessen beeindruckender Burg Nikolaus Kopernikus Domherr war.
Oder nach Ryn (Rhein) mit seiner trutzigen Ordensburg. Oder nach Giżycko (Lötzen) – im Sommer Zentrum des Wassersports mitten auf der Seenplatte, im Winter zwischen Eissegeln, der Feste Boyen und leckerem masurischen Baumkuchen.
Das prächtige Barock-Kloster Święta Lipka (Heilige Linde) zum Beispiel macht auch im Schnee eine gute Figur. Die prächtige Orgel im Inneren sowieso.
Meine Tipps:
- Das schlichtschöne Herrenhaus Pałac Nakomiady (Eichmedien), mit dem sich ein Warschauer Pärchen den Traum vom Leben auf dem Land erfüllt hat. Dabei haben sie nicht nur das einst verfallene Gebäude wieder aufgeputzt zum gemütlich-prächtigen „Historic Hotel of Europe“ – sondern auch gleich der traditionellen Kachelofen-Manufaktur wieder Leben eingehaucht. Die Fliesen schmücken natürlich auch alle Öfen und Bädern im Haus. Schön, den Kachelmalern und Töpfern über die Schultern zu schauen, lange Spaziergänge im Park und Dorf – und dann am Kamin sitzen, einen Glühwein in der Hand und die beiden großen Hunde zu Füßen.
[http://nakomiady.pl/palac/en/] - Ein uriges Restaurant unten im Jagdhof Galkowo, oben ein kleiner, voller Lesesaal zum Andenken Marie Gräfin Dönhoff. Die Hausherrin kannte die reitenden und schreibende Gräfin persönlich, der dunkle hölzerne Jagdhof auf dem Lande stand ursprünglich einige Seen weiter. Heute ergänzen ihn – neben dem Gestüt Ferenstein – mehrere gemütliche Ferienhäuser.
[www.galkowo.pl/de] - Ist es ein Palast? Ein Reiterhof? Oder ein Rundum-Familienpaket? Der Pałac Galiny (Galinen) im gleichnamigen Dorf aus einer Kolchose: Erst gingen die Pferdeställe und -weiden wieder in Betrieb, seit kurzem ist auch das einstige Herrenhaus wieder aufgerichtet und liebevoll zum Hotel gewandelt. Übernachten urig oder schick, dazu Pferde aller Art auf dem Gelände, Störche auf dem Dach, Biber am Teich, delikater masurischer Gaumenschmaus und viel Gelände für Action und Entspannung.
[http://www.palac-galiny.pl/de/]
Kommen natürlich alle auch im Buch vor. Und lassen sich im Winter ebenso gut wie im Sommer bereisen. Oder schon mal zuhause im Lehnstuhl. Das neue Buch heißt mit vollem Namen:
Das große Autoreisebuch
Deutschland neu entdecken auf den 100 schönsten Touren
Interessant dabei ist übrigens, dass „Deutschland“ sich in diesem Buch ein bisschen nach allen Seiten ausdehnt — auch Luxemburg und die Schweiz, Österreich und der Elsass, Tschechien und eben Polen kommen vor. Die Oranierstraße geht bis an Amsterdam vorbei und durch den „Wilden Nordosten“ führt der Weg gar bis Tallinn und Helsinki… Wahrscheinlich hätte das Buch treffender heißen sollen „Die 100 schönsten Autotouren in und um Deutschland“? Aber ich tippe mal, der Titel stand zuerst fest 😉
Macht aber garnix:
Ich freu mich, dass meine Texte [Touren 2, 3, 4, 5, 8, 17, 19, 22, 23, 32, 42, 45, 47, 50, 53, 66, 69, 80, 82, 88] auch Grenzen überschreiten. Viel Spaß beim Testen!! 🙂
Endlich habe ich ein Buch, aus dem ich beim Trampen meinen FahrerInnen vorlesen kann 🙂
Übrigens: Marion Gräfin Dönhoff ist auch mit dem Pferd ständig durch die Masuren geritten.. ihr letzter Ritt durch Ostpreußen war die Flucht vor der Roten Armee.
Da gibt’s nur Tipp #2: Im Lesesaal vom Jagdhof Galkowo schmökern, in Bilder und Geschichten zu Gräfin Dönhoff eintauchen, Radioberichten lauschen – oder gleich mit der Kennerin, Renate Marsch-Potocka, plaudern…
oh wie schön!! Das Restaurant in Galkowo ist mein liebstes in Masuren 🙂 Diesen Sommer fahre ich wieder dort hin.
LG mcl
Kann ich sehr gut verstehen! Viel Spaß und schöne Grüße!
Das ist wirklich ein guter Geheimtipp für den nächsten kommenden Winterurlaub im Jahr 2015 😉
Gruß
Till von Segway fahren Köln
Mit dem Segway wird’s vielleicht etwas holperig 😉
Aber auf allen anderen Wegen – per pedes, zu Ross oder auf Skiern: unbedingt!!!
Ich war vor mehr als 10 Jahren in den Masuren. Deine Tipps machen Lust auf ein Wiedersehen…
Danke, das war mein Plan 🙂
Viel Spaß dabei !