Reisen
Kommentare 8

Australien: Papier und Gekritzel frisch vom Baum

Rinde des Papierborkenbaums

Die große Regenbogenschlange muss ein Herz fürs Schreiben gehabt haben: Als die mythische Traumfigur der Aborigines die Welt schuf, gab sie der Natur auch ein paar schräge Bäume mit. Einer etwa hat eine Rinde wie Papier, der andere ist von vornherein schon vollgekrakelt…

Das Spannende an Australien ist ja: Du musst nur die Augen offenhalten und schon begegnet Dir was, das für uns Durchschnittseuropäer völlig seltsam wirkt. Kauernde Tiere im hohen Gras, die beim Näherkommen in hohen Sprüngen enthüpfen – geschenkt. Kängurus, die einfach mal so den Golfplatz bevölkern und den Bällen ausweichen. Eisvögel, Kookaburras, die wie Menschen lachen. Quallen mit aufgestülpter Luftblase, damit sie an der Oberfläche bleiben. Oder auch Meat Pie und Vegemite als Alltags-Delikatesse… 😉

Aber zurück zur Natur: Da wandel/rst Du durch lichten Wald – nicht im sowieso ungewohnten Rainforest, sondern fast noch in Sydney – und plötzlich umstehen Dich Bäume, die aussehen wie Vögel in der Mauser. Die Rinde hängt in Fetzen herab, weiß und beige, überall blättert es. Aber superfein, wie dünne Papierschichten, kann man sie ganz leicht abziehen. Und draufschreiben?

Ja, geht, aber die Tinte verläuft ein bisschen… Und weil die Ureinwohner ihre Geschichten und Mythen sowieso immer mündlich überlieferten, haben sie mit den weichen, papierdünnen Schichten lieber Körbe und Tragewiegen ausgepolstert. Hütten wasserdicht abgedeckt. Oder Nahrung zum Kochen darin eingewickelt, weil das „Papier“ im Erdofen kein Feuer fing. Und der Papierborkenbaum, der Paperbark Tree (Melaleuca quinquenervia), kann noch mehr. Schließlich gehört er zu den Tea Trees, Lieferanten fürs heilende  Teebaum-Öl. Und, siehe unten…

Gekrakel gefällig?

Nicht weit entfernt, am trockeneren Standort, andere helle Bäume. Meist fast ohne Rinde, abgeplatzt Reste hängen noch, aber voller wilder Zickzack-Zeichen: der „Bekritzelte Eukalyptus“, Scribbly Gum (Eucalyptus haemastoma).

Doch Geheimnotizen der Aborigines? In Wirklichkeit fressen sich kleine Mottenlarven krickelnd durch die junge Rinde und schreiben ihre eigenen Geschichten. Das dickere Ende der Linie zeigt übrigens, wo die Larve wuchs und schließlich schlüpfte…

Das hat sogar Dichter inspiriert. Jetzt vielleicht nicht gerade Heinz Erhardt („Unter eines Baumes Rinde…“) – ob der je bis nach Down Under kam? Aber auf jeden Fall australische Poeten, wie etwa Judith Wright in ihrem Kurzgedicht „Scribbly Gum“:

The gum-tree stands by the spring
I peeled its splitting bark
And found the written track
Of a life I could not read.

Als das Wünschen noch geholfen hat

Ein Leben, das wir nicht lesen können? Vielleicht liest es die Regenbogenschlange.
Womit wir wieder zum Paperbark Tree kämen. Denn heute gibt es abgepackte Papierborke in Australien nicht nur zu kaufen, um eingewickeltem Grillgut eine würzige Rauchnote zu verleihen. Man bekommt sie auch in eher esoterisch angehauchten Läden, um Wünsche oder Verwünschungen(!?!) darauf zu notieren. Möglichst mit Tinte. Dann ist die Rinde im Boden zu begraben, wo sie nicht gestört wird, drei Tage lang. Danach wieder ausbuddeln und schließlich anzünden, um den Wunsch ins Universum zu entlassen.

Haste Wünsche? Oder nur Neugier und Abenteuerlust im Gepäck?
Nix wie hin nach Australien! Mit seinen unzähligen Naturwundern und Natur-Verwunderlichkeiten!! Tipps und Inspiration gibt’s bei Visit Australia

 

Kategorie: Reisen

von

Avatar

"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

8 Kommentare

Kommentar verfassen