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Im Tal der Dinosaurier: Deutschlands Jurassic Park

Dort wo heute die Altmühl gemächlich fließt, fräste einst die Urdonau ein breites Tal in den Fels. Senkrechte Wände aus Kalkstein schwingen sich empor, die als Riffe im Jurameer entstanden. Und die Steinbrüche im Altmühltal sind voll mit Ammoniten und anderem Urgetier, ein neuer Dinopark zeigt den Verlauf der Erdgeschichte – und ist neben den Steinbrüchen Anziehungspunkt für Fossiliensucher und Dinosaurierfans.

Mit seinem breitkrempigen Hut wirkt Frederik Spindler ein bisschen wie Sam Neill, der Hauptdarsteller aus Jurassic Park. Und mit der Filmfigur verbinden ihn nicht nur der Hut oder sein Doktortitel, sondern auch seine Leidenschaft für Urzeitwesen. Wenn der wissenschaftliche Leiter des Dinosaurier Museums im Altmühltal von Urzeit-Dramen und spektakulären Funden erzählt, blitzen seine blauen Augen vor Begeisterung.


Unsere Gruppe ist sich hinterher einig: Selten haben wir jemanden erlebt, der so anschaulich und mitreißend über eigentlich trockene wissenschaftliche Inhalte referieren kann. Einer, den die Faszination für die Urzeit seit der Kindheit nie losgelassen hat. „Wenn Du in der Grundschule Dinosaurier toll findest, ist das noch cool. Aber wenn Du mit 13 immer noch für dieses Thema brennst, bist Du ein Freak“, sagt er und lacht. Gestört hat es ihn offensichtlich nicht. Da hat jemand seine Berufung gefunden.
Spindler zeigt uns den rund 1,5 Kilometer langen Rundweg, an dem die riesigen Modelle anschaulich die Dimensionen der Urzeitwesen im Lauf der Geschichte aufzeigen. Auch wie ein Fossil entsteht, ist hier dargestellt (siehe oben). Und etwa die riesige Futtermenge, die die größten Fleisch- und ein Pflanzenfresser täglich vertilgen mussten. Und Spindler lässt uns raten, wie wohl die Dimensionen des Eis des größten Dinosauriers gewesen sein mögen.
Spindlers Antwort ist gar nicht so beeindruckend: „Man könnte jeden Dinosaurier auf dem Arm tragen, wenn er aus dem Ei schlüpft.“ Der Grund? Um die Stabilität zu gewährleisten, müsste die Schale sonst zu dick werden. Das Tier würde sie nicht mehr durchbrechen können und jämmerlich ersticken.

Im Dinosaurier Museum

Weil es heute in Strömen regnet, machen wir uns bald wieder auf ins Innere des nagelneuen Museumsgebäudes. Dort zeigt eine Dauerausstellung den Verlauf der Erdgeschichte und interessante Funde aus der Region.

Wir erfahren, dass man hier das Bindeglied zwischen Vögeln und Dinosauriern entdeckt hat, den heute berühmten Archaeopteryx. Diesem Fund haben wir die Erkenntnis zu verdanken, dass wir heute wissen, dass Dinosaurier im Prinzip nicht ausgestorben sind, dass ihre Nachkommen heute als Vögel unseren Planeten bevölkern. Manche der hier ausgestellten Fossilien zeigen nicht nur Knochen und Schalen, sondern teilweise auch die versteinerten Organe, Federn und Schuppen, manche lassen sogar Farben erkennen. Und mit diesen Funden ist noch lange nicht Schluss: Im Altmühltal wird heute noch gebuddelt, und das nicht nur von Wissenschaftlern, sondern auch Laien.

Sechs Steinbrüche und Sammelstellen im Altmühltal stehen auch Laien offen. Einen davon haben wir ebenfalls besucht und schon nach 10 Minuten versteinerte Haarsterne gefunden. Selten habe ich eine so große Dichte an Fossilien gesehen. Dort kann sich jeder einmal als Hobby-Paläontologe versuchen. Und vielleicht sogar eine weitere Sensation entdecken?

Derzeit zeigt eine Flugsaurierausstellung erstmals das vermutlich größte flugfähige Wesen, das je auf diesem Planeten gelebt hat. Teile seines versteinerten Skelettes wurden kürzlich in Rumänien entdeckt, weshalb man ihm den Spitznamen „Dracula“ verpasst hat. Er hat die Dimensionen eines Kleinflugzeuges und sein Skelett ist wahrhaft beeindruckend. Mein Sohn hat sich prompt davon inspirieren lassen und ihn auf Zeichenpapier verewigt. Da kriegt man richtig Lust auf Urzeit, auch wenn man älter ist als 13…

Der Dinopark mit Dinosauriermuseum in Denkendorf liegt direkt an der A9 zwischen Nürnberg und München und ist im Sommer von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Sonderausstellung über Flugsaurier „Herrscher der Lüfte“ läuft noch bis zum 4. November 2018.

Diese Recherche fand mit Unterstützung des Tourismusverbandes Franken statt. Vielen Dank dafür!

4 Kommentare

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    Wolfgang sagt

    Kleine Berichtigung: Der Dino-Park im Altmühltal bei Denkendorf liegt nicht an der A59, sondern an der A9!

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