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Was tun bei einem Erdbeben?

„Versteck dich unter einem Tisch“, sagen die einen. „Nein, auf keinen Fall, du musst schnell ins ‚Dreieck des Lebens‘ genau NEBEN den Tisch!“ Ja, was denn nun? Gar nicht so einfach, sich zu informieren, wenn man ein erdbebengefährdetes Gebiet bereisen will… Was zu beachten ist, haben wir recherchiert. (Die Bilder hat übrigens unser Cedrik (13) gezeichnet, der bei Reisefeder seinen Jugend-Zukunftstag absolviert hat).

Anlass für die Recherche war eigentlich, dass wir mit der Familie demnächst nach Ecuador reisen. Dort hat ja kürzlich in zwei Küstenprovinzen ein Erdbeben der Stärke 7,8 auf der Richterskala gewütet. Und plötzlich kommt man ins Grübeln, wenn man nicht aus einer klassischen Erdbebenregion stammt. Was müssten wir tun? In Ländern, in denen Erdbeben häufiger vorkommen, trainieren schon Kindergartenkinder regelmäßig für den Ernstfall. Aber wir? Haben keine Ahnung. Erdbeben mit großer Zerstörungskraft können auch schon bei Europareisen vorkommen, ob in Italien, auf dem Balkan, in Island, Griechenland oder der Türkei. Eine Gefährdungskarte für Europa hat das Deutsche GeoForschungszentrum (GFZ) in Potsdam herausgebracht. Über die Gefährdungszonen weltweit informiert das Institut auf dieser Karte. Auch ein ausführliches Merkblatt zum Verhalten bei Erdbeben hat das Institut herausgegeben.  Schön anschaulich mit Grafiken sind die Verhaltensempfehlungen des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED). Aber wir haben ja unseren Cedrik, der die wichtigsten Ratschläge visuell zusammengefasst hat:

Achtung, herunterfallende Gegenstände:

Das heißt im Klartext: Stellt euch bei einem Erdbeben nicht vor/unter Regale, Schränke oder unter Hängelampen .

erdbeben 3Vorsicht Glas

Vermeidet die Nähe zu Fensterscheiben, Glaswänden oder -tischen, Splitter können bei einem Erdbeben zu lebensgefährlichen Verletzungen führen.

erdbeben 5Verlasst das Gebäude erst nach dem Beben

Es ist gefährlich, während des Bebens zu fliehen, weil herunterfallende Bauteile, Glassplitter und ähnliches wie Geschosse wirken. Einzige Ausnahme: Ihr befindet Euch bereits nahe einer Ausgangstür mit einem Garten oder freien Platz dahinter. In engen Straßen und Gassen hingegen ist draußen die Gefahr zu groß. Auf gar keinen Fall solltet ihr Fahrstühle benutzen.

erdbeben 2

Begebt euch auf Freiflächen

Wenn ihr draußen von einem Erdbeben überrascht werdet, sucht freie Plätze auf und vermeidet die Nähe von Strommasten und Bäumen, die abknicken können, auch Gebäude und Brücken können einstürzen bzw. Bauteile auf euch stürzen (s.o.).

erdbeben 4

 

 

Wie ist das nun mit den Tischen?

Kurze Antwort: Ja, wenn ihr in Gebäuden vom Beben überrascht werdet, solltet ihr euch besser unter stabilen Tischen, Schreibtischen, Türbögen u.ä. in Sicherheit bringen. Auch wenn eine Kettenmail oder ein massenhaft geteilter Facebook-Post davor warnt und euch den sicheren Tod prophezeit. Wer wissen will, warum, liest unten weiter. Alle anderen sind an dieser Stelle mit den fünf wichtigsten Tipps durch… 😉

erdbeben1

 

Der Facebook-Post und die dazugehörige Theorie vom „Dreieck des Lebens“ klingen sehr überzeugend und sind auch nicht immer falsch. Ein US-Feuerwehrmann hat diese Theorie entwickelt, weil er bei einem Erdbeben in Mexiko Kinder in einer eingestürzten Schule unter den Schulpulten zerschmettert fand. Die Tischplatten waren in der Mitte durchgebrochen und hatten dem Gewicht der herabfallenden Decke nicht standgehalten, die Seitenwände der Tische hingegen schon, das Fazit des Feuerwehrmanns: Hätten sich die Schüler neben den Tischen im so genannten „Dreieck des Lebens“ aufgehalten oder geduckt an den tragenden Wänden in Sicherheit gebracht, würden sie noch leben. (Googelt einfach mal Bilder zum „Triangle of Life“, dann findet ihr Grafiken, die diese Theorie anschaulich machen) Doch das Komische ist: Wenn man sich durch die offiziellen Seiten der Erdbebendienste und zuständigen Institute liest, findet man über diese Theorie – fast nichts. Das liegt daran, dass eben doch nicht alles, was logisch klingt, auch die beste Lösung sein muss. Zum einen haben Studien gezeigt, dass die meisten Toten und Verletzten bei Erdbeben durch herabstürzende Gegenstände und Bauteile verursacht werden und nicht durch ganze Wände oder Gebäudedecken. Letzteren würde ein Tisch tatsächlich kaum standhalten können, ersteren hingegen schon. Die Regel, sich unter stabilen Tischen oder Pulten, auch unter stabilen Türbögen zu schützen, gilt ganz besonders, wenn ihr euch in Gebäuden in erdbebengerechter Bauweise befindet. Woran man die unter anderem erkennt, steht im oben verlinkten Merkblatt. Grundsätzlich ist es aber auch nicht falsch, sich geduckt direkt neben einer tragenden Wand in Sicherheit zu bringen, wenn kein stabiler Tisch, Bett oder ähnliches in der Nähe ist…

Kategorie: Reisen

von

Journalistin und Autorin, liebt Reise-, Wissenschafts- und Naturthemen und vor allem das Humboldt-Reisegefühl: „Ich komme von Sinnen, wenn die Wunder nicht bald aufhören.“

6 Kommentare

  1. Andrea Lammert
    Andrea Lammert sagt

    Die Grafiken sind super. Gratuliere! Das war wirklich eine gute Idee von Euch

  2. Spannender Beitrag – es stimmt – wir hier manchen uns nie Gedanken darüber!
    Herzliche Grüße an den Praktikanten, die Grafiken sind der Hammer!

  3. Ja, Kompliment an euren Grafiker. 🙂

    Wir hatten all die Vorsichtsmaßnahmen auch immer irgendwo im Hinterkopf, als wir über den Balkan und durch Südeuropa gereist sind. Dass wir dann tatsächlich mal in der Nähe eines kleinen Bebens waren, habe ich aber erst im Nachhinein bei twitter gesehen. 🙂 (Da hatte ich einen Erdbeben-Newsticker aboniert, weiß nicht mehr von welchem Insitut).

    • Danke Lena! Ja, Twitter oder auch Erdbeben-Apps sind super, ich habe „Earthquakes“ auf dem Handy (die kostenpflichtige Version), weil man da genau einstellen kann, ab welcher Stärke und aus welchem Gebiet/Land man Warnungen bekommen möchte. Daher weiß ich auch, wann es in den letzten Tagen in Ecuador Nachbeben gegeben hat. Ich bin mal gespannt wie wir damit klarkommen, wenn wir dort sind.

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