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Jordanien: (Schlamm-)Baden im Toten Meer

Nicht nur dem Salz des Toten Meers werden heilende Kräfte zugeschrieben – auch dem Schlamm unter der Oberfläche. Und nicht nur in Israel und dem Westjordanland kann man den tiefstgelegenen See der Welt besuchen – das ganze Ostufer gehört zu Jordanien. Das Königreich gilt als der Ruhepol der aufgewühlten Region, noch immer als beliebtes Touristenziel.

Heute aber nur mal ein isolierter Blick auf die Gesundheit aus dem „Meer“: In jedem Drogeriemarkt springen einem heute Produkte mit „echtem Totes Meer-Salz“ entgegen. Doch was kaum jemand weiß – auch der Schlamm aus dem großen See gilt als besonders heilsam.

Er quillt geschmeidig zwischen den Fingern hervor, seidig glänzend und tiefschwarz. Der feine Schlamm lagert sich am Seeboden an und macht die Haut angeblich besonders zart. Das kann man in einem der schicken Hotel-Spas erleben, die sich am Ufer entlang angesiedelt haben. Aber viel mehr Spaß macht es, sich selber eine Ganzkörperschlammpackung zu verpassen. Und danach im Meer wieder abspülen. Dabei kann man gleich auch das Schweben im Salzwasser probieren, für das das Tote Meer so berühmt ist.

Früh aufstehen

Es lohnt sich, schon zum Sonnenaufgang an den Strand zu kommen. Noch ist er schön leer, die Hotelgäste frühstücken noch. Im Hintergrund die lichtgraue See-Oberfläche. Ein feiner Dunstschleier zieht sich darüber. Der Schlamm steht in Eimern bereit, denn er findet sich abseits der angeschütteten Sandstrände. Ein „Schlammbeauftragter“ schwimmt regelmäßig eine Ecke weiter, um auf einem Styroporfloß ausreichend Nachschub zu holen.

Also ran an die Eimer, um sich die schwarze Pampe auf die Haut zu klatschen und zu schmieren! Manchmal hilft auch der „Schlammbeauftragte“, damit am Rücken kein Fleckchen frei bleibt. Matsch von Kopf bis Fuß – bald sieht man aus wie die bösen Tinten-Buben beim Struwwelpeter. An manchem Hotelstrand sind gleich ein paar Spiegel aufgestellt – obwohl heutzutage auch die Selfie-Kameras glühen…

Und dann hinein ins Tote Meer! „Bloß nicht mit dem Kopf untertauchen“, so die Warnung. Das Wasser enthält so viel Salz, rund 28 Prozent im Schnitt, dass man hier nicht mal richtig schwimmen kann. Es lagert sich in dicken, harten Krusten am Ufer ab, barfuß würde man sich hier die Fußsohlen aufschneiden. Und wer übermütig einen Kopfsprung wagt, bezahlt noch Tage später mit tränenden Augen. Aber der Haut tun die vielen gelösten Minerale richtig gut. Schon König Herodes soll im Toten Meer gebadet haben, um sein Rheuma zu lindern.

Und auch ohne Rheuma, ich muss zugeben: Das schwerelose „Schweben“ im badewannenwarmen Salzwasser ist echt entspannend. Selbst wenn ich untergehen wollte, es geht einfach nicht. Ich könnte tatsächlich Zeitung lesen, wenn ich eine hätte. Papier liegt am Ufer bereit, für die berühmten Fotos. Oder einfach ein bisschen dösen?

Totes Meer für langes Leben

Und die Luft soll besonders der Lunge gut tun: Trocken, sauber und pollenfrei ist sie, dazu reich an Sauerstoff. 422 Meter unter dem Meeresspiegel bietet das Tote Meer ein heilsames Reizklima wie ein Kurort. Dazu scheint die Sonne rund 330 Tage im Jahr. Kein Wunder, dass sich am Nordostufer hochklassige Hotels mit breitem Wellness-Angebot angesiedelt haben. Jordanien hat hier in sanften Tourismus und medizinische Dienstleistungen investiert, es gehört zu den Top-Five-Ländern der Welt für Gesundheitstourismus.

Aber na klar lassen sich Salz und Schlammpulver auch als Souvenir nach Hause mitbringen – Totes Meer-Schlamm hab ich im Drogeriemarkt noch nicht gefunden. Übrigens ist das Königreich so klein, dass als Tagestour auch die Felsenstadt Petra, die bunte  Hauptstadt Amman oder die Mosaikstadt Madaba zu erreichen sind. Beliebt sind auch Übernachtungstouren in der Wüste oder Trekking durch ein Wadi oder anderes Naturschutzgebiet. Nicht weit liegt auch die Taufstelle Jesu am Jordan. Und die Stelle, wo Lots Frau zur Salzsäule erstarrt sein soll…

Gut zu wissen:

 

 

Diese Reise wurde vor einiger Zeit unterstützt vom Jordanischen Fremdenverkehrsamt

 

 

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"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

2 Kommentare

  1. Oja, schön ist das und Spaß hat es gemacht in dem Wasser zu schweben. Abgesehen davon, dass jeder Mückenstich und jeder kleine Kratzer, den man sich beim Wandern in der stacheligen Vegetation dort zugezogen hat, brennt.

    • Ja, stimmt, und bloß nicht Wasser schlucken oder zu nah an den Salzkrusten entlang tapern! Mücken hatten wir zum Glück nicht. Aber jetzt gute Erinnerungen 😉

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