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Ourense: Geheimtipp für Winter-Wellness

Schwatzende Herren und Damen sitzen im Wasser, Dampf steigt auf und gibt den Blick frei auf die Häuserfassaden der Altstadt von Ourense. In den heißen Thermalquellen von As Burgas sprudelt das Wasser mit 70 Grad Celsius aus der Tiefe. „Ourense ist nach Budapest Europas zweite Thermalhauptstadt“, erzählt unser Reiseführer Richard Rivera, während wir durch die Gassen der Altstadt spazieren. Der kleine Unterschied – die meisten Badegelegenheiten in Spaniens wichtigster Thermalstadt stehen den Besuchern kostenlos zur Verfügung. 

Sogar entlang des Flußufers des Río Miño finden sich immer wieder heiße Quellen und mit ihnen öffentlich zugängliche Becken, in denen vor allem die Bewohner von Ourense sich in ihrer Freizeit vergnügen. Ortsfremde verirren sich nur selten hierher. Die ganze Stadt hat ihre Gründung zur Römerzeit den Thermalbädern zu verdanken, wahrscheinlich stammt ihr Name aus dem Lateinischen von „aquae urente“ – brennende Gewässer.

Entlang des Río Miño

Aber natürlich sprudeln in der Region nicht nur Thermalquellen, die jedermann gratis offenstehen. Von den professionell geführten Gesundheits-Thermalbädern, den so genannten Balnearios, gibt es gut 20 in Galicien. Die meisten davon in der Provinz Ourense. Ein Team aus Ärzten und Therapeuten ergänzt in den Balnearios das Baden im Thermalwasser mit medizinischen Behandlungen und Wellnessangeboten. Nur eine kleine Autofahrt etwa 20 Minuten flussabwärts von Ourense etwa befindet sich etwa das Balneario von Laias. Vom Außenbecken und der Sonnenterrasse aus gibt es einen herrlichen Blick auf den Fluss Miño.

Wir genießen unsere abendliche Schwimmrunde: Genuss pur, wenn die goldene Sonne über dem Horizont steht und das Gesicht wärmt, während von unten das sprudelnde warme Wasser die Glieder entspannt. Doch Thermalwasser ist nicht das einzige, das der Fluss Miño an Schätzen bereithält.

Die Römer in der Ribeiro-Region

An seinen Hängen wächst die Traube für einen der berühmtesten Weißweine Spaniens heran, den Ribeiro D.O. Das Anbaugebiet liegt beidseitig des Rio Miño sowie seiner Nebenflüsse Avia, Arnoia und Barbantiño. „Früher waren die Weißweine aus unserer Ribeiro-Region sogar teurer als Rioja“, erzählt Jorge González Vázquez von der Bodega Casal de Arman. Nachdem in den 1950er und 1960er Jahren die Massenproduktion Einzug hielt, litt der Ruf der Ribeiro-Weinregion. Heute hat sich der Trend wieder umgekehrt und engagierte Weinbauern aus der Region heimsen internationale Preise ein.

Dass hier Wein und Warmwasser heute so eine wichtige Rolle spielen, hat die Provinz den alten Römern zu verdanken. Sie begründeten nicht nur den Weinanbau. Sie stampften ganze Ortschaften – wie die Stadt Ourense – nur deshalb aus dem Boden, weil hier heiße Quellen sprudeln. Wer eine Reise zu den antiken Ursprüngen der Badekultur unternehmen möchte begibt sich aber am besten in den Süden der Region – nach Aquis Querquennis.

Baden wie die Römer

 

Manche Badestellen sind noch heute original erhalten wie man sie in der Antike einst schuf. Zum Beispiel am Stausee „Encoro das Conchas“. Hier finden sich die Ruinen von „Aquis Querquennis“. Als wir ankommen, sind die Archäologen noch immer dabei, Schätze aus der Vergangenheit ans Tageslicht zu befördern. Ein Schauzentrum im Eingangsbereich zeigt die Geschichte des einstigen Militärlagers.

Und nur zehn Minuten Fußweg entfernt sprudelt heißes Thermalwasser aus dem Boden in die mit Naturstein ausgekleideten, jahrtausendealten Becken. In denen entspannten sich schon die Römer, heute nutzen vor allem Anwohner aus der Umgebung die steinernen Überbleibsel aus der Antike. Für Fremde sind die „Termas Romanas“ nahe der Gemeinde Bande immer noch ein Geheimtipp: Entspannen in heißem Wasser mit Blick auf den Stausee und die Natur. Kostenlos, aber unbezahlbar.

Wellness und Wald

Noch mehr Natur gibt es in der Grenzregion zu Portugal. Hier, im Naturpark von Xurés sprudelt das heiße Wasser mit knapp 80 Grad Celsius aus der Tiefe.

Im Ruheraum des Balneario von Lobios eröffnet sich der Blick auf die Wälder und Hochebenen von Xurés, wo sich Hirsche, Wildpferde und sogar Wölfe tummeln. In geführten Fahrrad- und Wandergruppen organisiert das Hotel im Wochenwechsel Touren in die Region. Die meisten Besucher dieser Therme sind Spanier, manche auch Portugiesen – Deutsche haben wir auch hier nicht getroffen. Ich sag´s ja: Geheimtipp.

Noch mehr Tipps für kleine Auszeiten in heißem Wasser aus der Tiefe findet Ihr auch in diesen Beiträgen von Dörte „Baden in Island“ und von Silke in „Genial gebadet in Budapest“.

Kategorie: nachhaltig

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Vom heimischen Bauernhof ins Chemielabor und raus in die weite Welt: Heute lebe ich als Journalistin und Autorin - back to the roots - im Weserbergland und darf die Reiselust mit der alten Leidenschaft für Naturthemen verbinden. In unserer binationalen Familie sind wir als Grenzwandler zwischen Deutsch und Spanisch unterwegs.

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