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Herbst in der Finnmark


Anfang September feiert die Natur in der norwegischen Finnmark einen magischen, kurzen Farbrausch, bevor der Winter still und weiß die Regie übernimmt.

Der Wind lässt gelbe Birkenblätter durch die Luft tanzen. Am Boden tupfen Blaubeeren dunkle Flecken ins letzte Grün. Kautokeino, jenseits des Polarkreises in Norwegen: Es ist Mitte September in Lappland und heute Nacht hat der allererste Nachtfrost die Beeren mit zartem Raureif überzogen. Noch glitzern die zarten Eiskristalle im frühen Morgenlicht, doch schon gleich werden sie geschmolzen sein. Noch hat die Herbstsonne so viel Kraft, dass wir mittags sogar wieder für ein paar kurze Momente im T-Shirt herumlaufen werden.

Die Magie des Herbstes

Von einem ganz besonderen Zauber ist diese intensive Klarheit im nordskandinavischen Herbst, der strahlend blaue Himmel, die frische, würzige Luft, der Duft nach Blättern und Pilzen. Birkenlaub leuchtet intensiv gelb im warmen Morgenlicht, auch wenn sich die Spitzen der Blätter schon braun färben. Birken, wohin das Auge schaut… Sie sind fast die einzigen Bäume, die im rauen Klima der Finnmark überleben, zumindest auf den Hochebenen: kleine Zwergbirken und zwei, drei Meter hohe Bäumchen mit der markant weißen Rinde, die den Jahreszeiten und vor allem der Kälte des Winters trotzen. Temperaturen von minus 40 Grad sind dann keine Seltenheit hier oben in Nord-Skandinavien.

Farbrausch auf Norwegisch

Im Herbst liegt auf Lappland ein ganz besonderer Zauber. Die Farben Gelb und Rot fluten für kurze Zeit die Landschaft, lassen sie vor knallblauem Himmel ein letztes Mal aufleuchten, bevor alles Leben sich zurückzieht und die Weite karg und farblos auf den Schnee und die Rückkehr des Lichts wartet. Magisch, diese ein, zwei Wochen, denen der erste Frost ein jähes Ende bereitet. Die offenkundige Vergänglichkeit macht diese kurze Zeit so besonders… Schon bald werden die verbliebenen Birkenblätter braun sein und zu Boden gefallen.

Sápmi

Bevor ich demnächst mehr über die Finnmark und über Sápmi, das Land der Samen, das sich über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland erstreckt, berichte, sollen heute erst die Bilder und Farben für sich stehen. Denn für mich ist er ist einfach magisch, der nordische Herbst. Diese klare, kurze, so kostbare Zeit des Übergangs, bevor der lange, dunkle Winter sich übers Land legt. Eine schmerzhaft kurze Zeit, die jedes Jahr aufs Neue die Vergänglichkeit zeigt, das Wunder der Jahreszeiten und das Vergehen und Entstehen in der Natur.

Selbst auf dem Boden explodieren jetzt die Farben, mischen sich staubgraugrüne Flechten mit dem Grün der Beerensträucher und dem Hellgrün von Moosen. Knallrot leuchten reife Preiselbeeren zwischen gelbem und braunem Laub. Und über allem das sagenhafte Blau des Septemberhimmels.

Einsamkeit und Weite

Einzelne rote Holzhäuser stehen wie gemalt in dieser stillen Landschaft. Fügen sich zu einem scheinbar harmonischen Bild mit der Natur. Doch wie mag es sein, hier im Winter zu leben? Wie kommt man klar mit der Einsamkeit, damit, nur sich selbst und ein paar wenige Nachbarn zu haben? Mit schneidenden Schneestürmen, der Dunkelheit? Vielleicht muss ich, die ich von Jahr zu Jahr das Licht mehr brauche, es mal ausprobieren…

Den Soundtrack zu dieser Landschaft hat (für mich jedenfalls) die norwegische Singer-Songwriterin Ane Brun mit „Changing of the Seasons“ geschrieben:

Zu der Reise in die norwegische Finnmark haben mich Visit Norway und Northern Norway eingeladen, tusen takk!

 

 

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Seit ich denken kann, zieht es mich in die Natur. Und in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

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      Das stimmt… die hellen Sommer sind auch wunderschön, und sicher auch die Winter mit viel Schnee und Nordlicht…
      Liebe Grüße zurück!

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