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Seegang-Wanderweg: Ein Sommerabschied am Bodensee

Selten habe ich so viel Blumenschmuck und prächtige alte Bäume gesehen wie am Bodensee – unterwegs auf dem Seegang-Wanderweg von Konstanz nach Überlingen . Ist es doch im Sommer richtig voll in dieser Gegend, verblüfft umso mehr die Einsamkeit beim Wandern.

Die See-Promenade in Konstanz: Links gediegene Villen, rechts kleine, lauschige Badebuchten. Dann kommt der Jachthafen, die Promenade wird zum schmalen Kies-Fußweg, der Seegang startet genau hier.


Auf die Prachtbauten folgt die Blütenpracht, der Weg streift die Blumen-Insel Mainau. Von Tulpen über Rosen bis zu den Dahlien, irgendwas blüht (fast) immer im Pflanzenparadies. Bemerkenswert ist auch die Baum-Vielfalt, und sie beschränkt sich nicht allein auf die Insel Mainau.

Immer wieder bestaunen wir auf unserem Weg große alte Linden, Platanen oder Ginkgos. Den Bäumen geht es einfach gut am See!
Ich beneide die Menschen um ihren Bodensee – zumindest im Sommer: Boote schaukeln auf dem Wasser, Strandbäder säumen die Ufer, dazwischen einladende Badebuchten und Holzstege, die verheißungsvoll auf den See hinaus führen: Idylle pur!

Es ist ein solch klares Gewässer, so sauber, dass man sich schon um den Traditionsfisch Felchen sorgt, dieser sei so mager geworden, weil ihm Nährstoffe im Wasser fehlten.
Der Bodensee inspirierte schon Hermann Hesse, als er zwischen 1904 und 1912 in Gaienhofen am Untersee wohnte. Gefühle, Gedanken, Stimmungen, alles hat Hesse eingefangen. Zum Beispiel in diesem Gedicht:

Weiße Wolken
O schau, sie schweben wieder 
Wie leise Melodien
Vergessener schöner Lieder
Am blauen Himmel hin!
Kein Herz kann sie verstehen,
Dem nicht auf langer Fahrt
Ein Wissen von allen Wehen
Und Freuden des Wanderns ward.
Ich liebe die Weißen, Losen
Wie Sonne, Meer und Wind,
Weil sie der Heimatlosen Schwestern und Engel sind.

(Quelle: insel taschenbuch, Hermann Hesse Die Gedichte, 
Hrsg. Volker Michels, Insel Verlag,7. Auflage 2017)

Unser Wanderweg folgt dem Bogen des Überlinger Sees, vorbei an Streuobstwiesen und lang gezogenen Gärten mit gepflegten Apfelbaumreihen. Die 53 Kilometer lange Strecke wird in vier Etappen unterteilt, da ist man ziemlich gemütlich unterwegs.
Am besten gefällt mir die vierte Etappe (10,8 km), von Sipplingen bis Überlingen.

Morgens sind wir von Bodmann-Ludwigshafen mit dem Schiff nach Sipplingen gefahren, und dann standen wir auch schon vor einem steilen Anstieg, der aber –ehrlich und echt! – eine absolute Ausnahme auf der ganzen Strecke ist.

Wir also mühen uns hoch zum Haldenhof, ein schönes Ziel, dieses Ausflugslokal unter Kastanien. Theoretisch jedenfalls. Denn es war ein Montag, und da ist fast überall die Gastronomie zu.


Stechmücken stürzen sich freudig auf uns, als wir später tief eintauchen in die Schlucht Hödinger Tobel. Nur einzelne Lichtpunkte dringen durch das dichte Blätterdach, es riecht erdig.

 

Auf die Tiefe folgt einer der besten Ausblicke, nämlich am Torkelbühl, bei einer einsamen Linde: Die Halbinsel Bodanrück liegt uns zu Füßen und in der Ferne öffnet sich der See immer weiter.

Sanft und freundlich werden wir an die Stadt Überlingen herangeführt, zuerst kommen Parks und Gärten, bis wir in der historischen Altstadt landen. Überlingen ist voller Blumen, Palmen stehen an der fast fünf Kilometer langen Uferpromenade. Eine alte Stadt mit Traditionen, wie die zweimal jährlich stattfindende Schwedenprozession mit Trachten und Gewändern, die an die Belagerungen im 30-jährigen Krieg erinnert. Am Fährhafen, vor dem renovierten alten Lager- und Kornhaus die „Greth“, ankern Ausflugsschiffe und Fähren.

Auf Treppen sitzen Menschen, umlagert von Enten, und betrachten das Wasser. Wir setzen uns dazu, warten auf das Schiff nach Konstanz. Während der See smaragdgrün leuchtet.

Die Reise wurde unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Premiumwanderweg SeeGang und REGIO Konstanz–Bodensee–Hegau e.V.

Website Wanderweg: www.premiumwanderweg-seegang.de
www.bodenseewest.eu und www.bodensee.eu.

Termintipp: Landesgartenschau in Überlingen im nächsten Jahr, Näheres findet ihr hier: www.ueberlingen2020.de

Über Karin Kura

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren!

So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt.

Jetzt würde ich gerne Spanisch lernen. Wenn mal Zeit dafür bleibt. Vielleicht ja auf meiner Lieblingsinsel: La Gomera.

2 Kommentare

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    kariwana sagt

    O ja, ziemlich perfekt! Nur, in der kalten Jahreszeit, da soll’s viel Nebel geben, erzählte man uns. Der hält sich lange und kann deprimieren…

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