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11 Tipps für Borkum

Borkum ist die größte der Ostfriesischen Inseln. 11 Tipps für die Nordseeinsel, auf der man im Sommer von der Promenade aus Robben beobachten kann.

Wer sich ganz entspannt eine frische Hochseebrise um die Nase wehen lassen will, aber auch ein wenig Kultur nicht abgeneigt ist, ist auf Borkum goldrichtig. Kurz die Fakten: Die Insel ist gut 30 Quadratkilometer groß und hat rund 5300 Einwohner. Nach Norderney zählt die Insel die meisten Urlaubsgäste. Ab 1834 eroberten die das frühere Walfängereiland zunehmend. Autos sind zwar erlaubt, man fährt aber vor allem Fahrrad – und das sehr gemütlich. Im Norden der Insel liegt ein breiter Sandstrand, dem sich Dünenketten anschließen, außerdem gibt es Marschen und Salzwiesen. Borkum liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Teile der Insel sind als Schutzzonen ausgewiesen. Einzigartig sind die Seehunde und Kegelrobben, die im Sommer regelmäßig auf einer Sandbank vor dem einzigen Inselort Borkum liegen und sich von der Strandpromenade aus beobachten lassen. Meine 11 Tipps für Borkum:

Nationalpark-Feuerschiff Borkumriff besuchen

Das rote Feuerschiff Borkumriff diente viele Jahre als schwimmender Leuchtturm (daher das „Feuer“ im Namen) im Borkumriff, einer gefährlichen Gegend, in der schon unzählige Schiffe gestrandet sind und das deshalb bis heute als Schiffsfriedhof verrufen ist. Inzwischen liegt das – immer noch fahrtüchtige – Schiff im Hafen Borkums und ist ein technisches Kulturdenkmal. Man kann einen Blick in Kajüten und Maschinenraum werfen. Außerdem dient das Feuerschiff als Infostelle für den Nationalpark, in seinem Bauch informiert die kleine Ausstellung über „Borkum, Insel der Vielfalt“. Manchmal wird auf den Schiff auch geheiratet.

Am Neuen Hafen 9, Eintritt 3,50 €, der Inselbus hält direkt vor dem Schiff (fährt aber nicht besonders oft), feuerschiff-borkumriff.de

Seehunde und Kegelrobben gucken

Sie genießen die Sonne, räkeln sich, spielen – die Seehunde auf der Seehundsbank vor der Stadt Borkum. Auch zahlreiche Kegelrobben sind unter ihnen. Einst waren die im Wattenmeer wegen intensiver Bejagung fast ausgerottet, heute sind sie sind die größten wildlebenden Tiere Mitteleuropas. In den letzten Wintern wurden hier die ersten Jungtiere geboren, mit etwas Glück etabliert sich die Kolonie. Dafür dürfen die Tiere nicht gestört werden. Ein Zaun markiert, bis wohin Menschen gehen dürfen. Von der Promenade aus lassen sich die Tiere im Sommer aber hervorragend beobachten – Fernglas mitnehmen! Im Oktober ziehen die Tiere ans Ostende Borkums auf die Seehundbank Hohes Riff um.

Konditoreis schlecken

Borkum ist eine Ferieninsel, und da darf Eis nicht fehlen. Tatsächlich liegt eine gute Handvoll italienischer Eisdielen in der Innenstadt. Das kultigste Eis gibt es aber direkt gegenüber vom Bahnhof in der Fußgängerzone. Die inhabergeführte Kleinen Borkumer Eiskonditorei bietet neben leckerem Vanilleeis und weiteren Klassikern immer ein Eis des Tages an, etwa Erdbeereis mit Balsamico-Essig oder Stracciatella mit Amarena-Kirsch. Auch vegane Sorten und Frozen Yogurt.

Franz-Habich-Str. 23, www.borkumeis.de

Weitblick genießen

308 Stufen wollen erklommen werden, bevor einen von Aussichtsplattform ein wunderbarer Rundblick über die Insel erwartet – bei guter Sicht auch bis zu den Nachbarinseln und ans Festland. Ganz so neu ist der runde Turm aus rotbraunen Klinkersteinen allerdings nun auch nicht mehr: In nur fünf Monaten im Jahr 1879 errichtet, ist das Lichtsignal des Turms 24,3 Seemeilen weit zu sehen, gut 45 Kilometer weit. Den Turm umgibt eine große, runde Rasenfläche, auf dem in der Dämmerung Kaninchen herumhoppeln.

Eintritt 3 € (aber nur mit Gästekarte oder Insulanernachweis), derzeit Corona-bedingt geschlossen, aktuelle Infos hier.

Ins Ostland in die Dünen radeln

Auf Borkum fährt man Rad. Nicht nur die Insulaner, auch die Touristen gondeln gemütlich meist mit 7-Gang-Rädern durch den Ort und über die Insel. Ideal dafür ist, dass es wenig Autoverkehr und viele Radwege gibt. Etwas ungünstig sind die manchmal kopfsteinpflasternen Straßen und Wege, die obendrein ziemlich buckelig sind – was am sandigen Untergrund liegen mag. Und dass der Wind mindestens einmal von vorn kommt, sei es beim Hin- oder beim Rückweg. Aber davon abgesehen ist Radfahren auf Borkum sehr zu empfehlen. Vor allem ins Ostland, also dem Osten der Insel mit seinen weiten Dünenflächen.

Schön ist hier ein Blick von der Aussichtsdüne Steerenklippdüne, unter der ein alter Bunker liegt und die heute weitgehend von wilden, wunderbar duftenden Rosen bewachsen ist. Die Düne kann man nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichen, und bei guter Sicht blickt man bis Juist, Memmert oder Lütje Hörn. Fahrräder kann man an mehreren Stellen ausleihen, zentral z.B. beim Bahnhof, ca. 8 €uro pro Tag.

Fische und anderes Meeresgetier besuchen

Borkums Aquarium ist klein, aber fein. Maria und Ihno Oetjen haben die 15 Schauaquarien nach den Lebensbereichen um Borkum geordnet, da geht es um das Borkum Riff, das Wattenmeer und die offene Nordsee genauso wie um Priele, Treibholz oder das Borkumer Hafenbecken. Aus dem hat in diesem Sommer übrigens ein Junge ein Kurzschnäuziges Seepferdchen gefischt, das nun auch im Aquarium zu sehen ist – zuvor waren 50 Jahre keine lebenden Seepferdchen gefangen worden. Zusammen mit Seenadeln schwebt es nun durchs Aquarienwasser. Nebenan lässt eine Wachsrose ihre bis zu 200 grünlich-hellviolettfarbenen Tentakeln im Wasserstrom treiben. Die sehen schön aus, enthalten aber ein starkes Gift. Noch ein Becken weiter haben sich Muscheln aufgereiht. In einem Nebenraum sind weitere Muscheln und Gesteine Borkums ausgestellt.

Von Frese-Straße 46, Eintritt 4,50 € (derzeit nur nach Anmeldung und pro zeitfenster begrenzt auf zehn Personen), www.nordsee-aquarium.de

Bei 43 Kleider & Sieben Sachen stöbern

Manche der Dinge, die die Läden in der Borkumer Fußgängerzone feilbieten, sind wirklich unerträglicher Touristennepp schlechtester Qualität. Billige Schals und Mützen (Hauptsache Ankermotiv), Sanddornprodukte, die sonstwo hergestellt worden sind und alles, nur keinen Sanddorn in nennenswerter Menge enthalten. Da ist 43 Kleider & Sieben Sachen angenehm anders: Bunte Öko-Mode, fair gehandelte Accessoires, Papierartikel und Spielzeug. Hier macht es Spaß zu stöbern.

Strandstraße 30 (direkt am Neuen Leuchtturm).

Auf dem Borkumer Walpfad wandeln

Der Borkumer Walpfad widmet sich dem Walfang und den Walfängern, die im 18. Jahrhundert vor Grönland Wale jagten, um ihr Tran zu verkaufen. Manche der Walfänger nahmen die Knochen der Grönlandwale mit nach Hause und bauten daraus Zäune, um ihre Gärten vor Wind zu schützen. Heute sind die letzten verbliebenen Zäune dieser Art weltweit einmalig. Nur auf Föhr gibt es einen weiteren Zaun aus Walknochen. Der Borkumer Walpfad führt zu den Orten auf der Insel, die mit dem Walfang in Zusammenhang stehen, und so auch am prächtigsten Zaun aus Walknochen auf Borkum entlang. Der umschloss das Grundstück des Walfangkapitäns Roelof Gerritz Meyer, der 311 Wale erlegte, damit steinreich wurde und trotzdem nicht aufhören konnte. Er ging noch mit 74 Jahren auf Walfang.

Der beeindruckendste Zaun: Wilhelm-Bakker-Straße beim Alten Leuchtturm

Im Heimatmuseum dies und das entdecken

Das Heimatmuseum im Dykhaus fällt als erstes das riesige Pottwalskelett ins Auge, das mitten im Raum hängt. Drumherum gibt es jede Menge zu Borkum und seiner Vergangenheit zu entdecken: Vögel, Trachten, Schifffahrt, Grabsteine und sogar eine Sandsammlung.

Roelof-Gerritz-Meyer-Straße (östlich des Alten Leuchtturms), Eintritt 4 €uro, www.heimatverein-borkum.de/heimatmuseum

Auf geführte Entdeckertouren gehen

„Stadtrundgang zur Geisterstunde“, „Auf den Spuren der Grönlandfahrer“ oder „Piraterie vor Borkum“: Berend „Tüte“ Baalmann und Nils Nörtemann von der Watthanse nehmen ihre Zuhörer*innen mit in vergangene Zeiten der Insel – kenntnisreich, humorvoll und sehr unterhaltsam. Da erfährt man so einiges über das harte, aber einträgliche Leben der Walfänger, den echten Drinkeldodenkarkhoff und warum so viele Borkumer in Nike-Turnschuhen rumlaufen… Vorher auf der Website ein Ticket kaufen oder telefonisch anmelden – das  ist Auflage jetzt in Corona-Zeiten, aber die beliebten Touren können auch sonst ausgebucht sein.

Kosten pro Tour: 8 €uro, Info über die Touren, weitere Angebote und Blog: www.watthanse.de

Handgemachte Seife schnuppern

Neben dem ganzen Touristen-Tinneff, den die Läden in der Fußgängerzone feilbieten, hebt sich das Angebot von Grün & Wertvoll angenehm durch Qualität ab. Wer auf natürliche Seife steht, wird hier sicher fündig. Ein Teil der Seifen mit so wohlklingenden Namen wie Meersalzseife oder Sanddorn-Orange werden sogar in der hauseigenen Manufaktur hergestellt. Und die passende Seifenschale gibt es auch gleich dazu.

Neue Straße 33, gruen-und-wertvoll.de

Nützliche Links und ein Reiseführer

Infos zu Borkum: www.borkum.de

Wattführungen: https://www.nationalpark-partner-wattenmeer-nds.de/partner/wattfuehrungen-borkum
Weltnaturerbe Wattenmeer: www.weltnaturerbe-wattenmeer.de
Nationalpark Wattenmeer: https://www.nationalpark-wattenmeer.de

Hans-Jürgen Fründt: Insel Trip Borkum, Reise Know How Verlag 2019, ISBN 978-3-8317-3233-3, 11,95 €. Kompakter Borkum-Reiseführer mit Web-App, fünf Inselwanderungen und Ausflügen zu den Nachbarinseln, nach Emden und nach Holland.

Die Reise nach Borkum wurde von der Nordseeheilbad Borkum GmbH unterstützt. Danke! Den Reiseführer hat mir der Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Mehr Inseln gibs bei unserem Insel-ABC: Wir hätten zum Beispiel Aruba, Bornholm oder Guernsey

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