Mitten im tristen Novemberwetter denk‘ ich gern zurück an ein wirklich tolles Unternehmen in der Sonne – in Naxxar, im Nordwesten in den Bergen von Malta. In der Nähe der Victoria-Linie, einer sehr bekannten Wandergegend. Aber trotzdem nahe einer kleinen Stadt. Ich durfte die 4000 Quadratmeter große Farm vor einiger Zeit besuchen: Urban Greenz, 100 Prozent nachhaltig – Urban Farming halt. Auf den ersten Blick schön wild, wilde Blumen, Hühner gackern, ein Hahn kräht. Claudia Cavallaro Pejnovic baut dort seit 2021 mit Bruder Mauritio essbare Blumen, außergewöhnliche Kräuter, Salate und Gemüse wie etwa lilafarbenen Brokkoli oder gestreifte Tomaten nachhaltig an. Ihre Kunden: unter anderem High End-Chefköche bekannter Sternelokale des Mittelmeerarchipels – wie etwa das „Noni“, „Undergrain“ oder „Bahia“.
Mischkulturen gegen die Schädlinge
Wenn Claudia inmitten ihres Gartens steht, ist schnell zu merken, wofür ihr Herz schlägt: „Wir betreiben hier auf der Farm Mischkultur, wir haben hier mehrere Kulturen in einer Pflanzenreihe, so gibt es keine Umgebung für Schädlinge, die sich hier wohl fühlen und sich vermehren könnten“, erklärt die Malteserin mir: IMG_8649 2

Sie gäben den Pflanzen somit die Möglichkeit, sich selbst zu helfen. Und trotzdem ist es kein einfaches Urban Farming, im Sommer kann es auf Malta richtig heiß werden. Und was machen sie dagegen? „Wir bedecken den Boden zunächst mit Heu und Pilz-Kompost, das hält ihn feucht und bis zu einer bestimmten Temperatur müssen die Wurzeln nicht kämpfen“. Und doch ist so richtig heißes Wetter schwierig. Da sie aus Nachhaltigkeitsgründen natürlich auch versuchen, wenig Wasser zu benutzen. Natürlich auch keine Pestizide, keine Chemie, auch nicht bei der Vertical Farming-Methode, die der Bruder überdacht durchführt.
Während Covid waren die Regale oft leer
Und wie begann ihre Geschichte? Claudia lacht, früher sei sie Sprachlehrerin gewesen, dann lange im Tourismus – bis Covid kam und das Geschäft erstmal quasi vorbei war… Neue Ideen mussten her. „Mein Bruder und ich essen gerne und lieben Pflanzen, also sattelten wir um, studierten Landwirtschaft und Farming – und experimentierten dann“, erzählt die engagierte Landwirtin.
Während Covid seien die Regale teilweise richtig leer gewesen auf Malta, wenn das Wetter schlecht war und der Import von Lebensmitteln schwierig. So entstand langsam die Idee, selbst für „food security“ auf der Insel zu sorgen. „Jetzt arbeiten wir mit asiatischen Samenbanken zusammen. Die Samen sind vollkommen unberührt, organisch, gen-unverändert, haben keine Hybride“, weiß Claudia. Also keine Krankheiten würden importiert.
Wahre Künstler sind die Chefköche
Die wahren Künstler seien aber die Chefs der High End-Restaurants, meint die Unternehmerin. In enger Zusammenarbeit wird mit ihnen überlegt, was Claudia und Mauritio anbauen können. Jetzt haben sie mittlerweile über 40 Tomatensorten (Samen sogar aus Südamerika in allen Farben), viele Kräuter, fünf Kohlarten, alle nachhaltig angebaut mit nährstoffreichem, gesundem Boden – ohne Chemikalien, „nur so kann etwas gut wachsen“. „Wir geben nur die Produkte, mit denen die Chefs dann wunderschöne Menüs kreieren“, sagt Claudia. Nach der Ernte etwa der Blumen werden sie sofort an die Michelin-Köche geliefert, sonst würden sie verderben. Die lagern sie kühl. Später entdeckt man die Blüten dann wieder in Salaten, auf Kuchen, zur Deko auf feinen Gerichten – oder in leckeren Cocktails.
Urban Farming als Alternativlösung
Bald wollen Claudia und Mauritio Touren für Urlauber auf der netten Urban Greenz-Farm anbieten, um das Urban Farming als alternative Lösung zur traditionellen Landwirtschaft auf Malta zu zeigen. Eine wichtige Alternative auf der schon sehr touristisch geprägten Insel finde ich – und richtig nachhaltig!!

Junges Restaurant sofort Stern errungen
Ein exquisites Ein Sterne-Lokal ist das „Le GV Rooftop“ in Sliema, die beiden sympathischen Köche haben erst seit letztem Jahr geöffnet und sich schon direkt den ersten Michelin-Stern erkocht. Mit Geschmäckern, frischen Zutaten der Insel und genialem Fisch und Meeresfrüchten. Unbedingt hingehen – und das traumhafte Essen inklusive tollem Panorama über die maltesische Stadt Sliema genießen!
Bei der kulinarischen Pressetour durch Malta haben mich netterweise VisitMalta und MMGY Lieb unterstützt. Wer noch mehr bei uns zu Mittelmeerinseln oder Italien lesen möchte, hier ist eine Story nochmal zu Malta: der Bienenmann, zur Emilia Romagna, Sizilien und Sardinien.
Hinkommen
Eurowings und Lufthansa fliegen beispielsweise nonstop von Deutschland nach Malta.


