Es gibt Seelenorte, da klopft das Herz vor Freude schon beim an sie Denken. Garmisch-Partenkirchen ist so einer davon. Gerade war ich mit meinem Reisekind da und habe tolle Tipps für die perfekte Winterreise nach Garmisch-Partenkirchen.
Zuletzt waren Frederik das Reisekind, Tilda und ich im September in Garmisch-Partenkirchen und haben Sommer-Aktivitäten ausprobiert. Jetzt liegt Schnee. Mit der Bahn fahren wir vom Münchner Hauptbahnhof nach Garmisch-Partenkirchen, wo wir im Familotel Leiners einchecken. Rote Fensterläden geben dem mächtigen, alten Gebäude mit den dunklen Holzgiebeln ein freundliches Gesicht. Innen erleben wir eine Überraschung. Statt bayerisch-bäuerlicher Bodenständigkeit, fühlen wir uns wie im Märchen. Fantastische Fische und Lampions schaukeln über der Bar, im Kaminzimmer steht ein Thron zum Kuscheln, Paradiesvögel zieren lichte Lampen und Hunde blicken würdevoll aus ihren Bilderrahmen. Kein quietschebuntes buntes Kindergartenfeeling, sondern so stilvoll designt, dass sich auch Erwachsene wohlfühlen.
Von unserem Zimmer blicken wir direkt auf die Schanze und ich finde es zu schade, dass jetzt kein Skispringen ist. Zum Träumen bleibt keine Zeit, denn unser Schlitten zur Partnachklamm wartet vor dem Olympiahaus schon auf uns. Nicht nur Kutscher und Pferde dampfen weiße Atemwölkchen in der Kälte, sondern auch unser Guide Josef Karner von Geotrip. Josef Karner ist ein Unikum, der schon viel in seinem Leben gemacht hat und jetzt nicht nur durch die Partnachklamm führt, sondern sich den Steinen verschrieben hat. Mit Adleraugen und Erfahrung erkennt er unter Allerweltsgesicht und trister Tarnung schnöder Kieselsteine ihr glänzendes, glamouröses Herz. „Ein bisschen schleifen und fertig“, erklärt er knapp, wie man zu den Schätzen kommt. Heute jedoch nicht, denn wir stapfen mit Stirnlampen durch die Partnachklamm. Im Schein der Lampen glitzern auch die Eiszapfen wie Brillanten, doch die Schönheit ist vergänglich und nicht zum Mitnehmen.
Am nächsten Morgen fahren wir mit der historischen Eckbauerbahn in einer schnukkeligen, offenen Zweiergondel auf den 1250 Meter hohen Eckbauer. Eigentlich war der Plan über Deutschlands höchstgelegenes Kirchdorf Wamberg zurück zum Skistadion zu wandern. Doch Freddie ist aus den samtenen Zauberflocken nicht rauszukriegen. Auch gut, dann gewöhnt er sich schon mal an die weiße, kalte Pracht, die heute Abend unser hoffentlich nicht zu kaltes Nachtlager werden soll. Nicht hier, sondern auf der Zugspitze. Rotbackig und rechtschaffen müde gondeln wir wieder ins Tal.
Nach kurzer Auszeit geht es schon wieder aufi, diesmal richtig hoch auf die Zugspitze. Mit der Zahnradbahn fahren wir auf das Zugspitzplatt, wo das Igludorf steht. Nur soviel: es war genial. Doch über unser Mini-Inuit-Abenteuer schreibe ich eine eigene Geschichte.
Am nächsten Morgen müssen wir gar nicht zählen, ob noch alles dran ist, kalt war es nicht. Nur Sonne suchen wir vergeblich, statt samtweicher Flocken zeigen die Schneekristalle, dass sie auch winzige Morgensterne sein können. Eisige Zacken bohren sich in jede ungeschützte Stelle, verkleben Wimpern und Augenbrauen zu dicken Beulen. Wir wollen rodeln. „Wir schaffen das!“ Verschwörerisch nicken wir uns zu und verhüllen unsere Gesichter Bankräubern gleich mit Skibrillen und Fleeceschals. Praktischerweise kann man hier oben Zipfelbobs leihen. Für unsere ersten Rutschversuche suchen wir uns einen sanften Hang. Bald reicht uns das nicht mehr und dem Rausch der Geschwindigkeit verfallen, sausen wir ins Weiße Tal, wo uns die Gondel Sonnenkar wieder hinaufbringt.
Freddie will unbedingt noch einmal, doch ich habe genug, außerdem Hunger! Sorry Sohn! Die Gletscherbahn bringt uns auf den Gipfel der Zugspitze. Nach dem obligatorischen Photostopp mit dem Gipfelkreuz im Hintergrund lassen wir uns im Restaurant Gipfelalm verdient verwöhnen. Lecker! Nicht nur wir finden das Ambiente toll, sondern auch drei Hochzeitsgesellschaften. Weiße Bräute im Schnee. Richtig beseelt vom guten Essen und dem Panorama gleiten wir mit der Eibsee-Seilbahn ins Tal.
Bei uns steht eine Führung über die Olympia-Skisprungschanze an. Fast filigran wirkt der riesige Freischwinger, der weithin sichtbar das Stadtbild prägt. Es hatte mich schon immer gereizt, einmal oben auf dem Schanzentisch zu stehen und allein beim Blick nach unten die Luft anhalten zu müssen. Auch Freddie ist beeindruckt. Zusammen mit unserer Führerin Andrea Prielmeier erklimmen wir die 332 Stufen der Himmelsleiter zum Anlaufturm. Es ist der Wahnsinn, nicht weil es so anstrengend ist, sondern allein der Gedanke, dass es wirklich Männer und Frauen gibt, die da hinunter rasen, um auf Skiern zu fliegen. Respekt! Wir sind nachhaltig beeindruckt.
Nachmittags wandern wir mit Bettina Plank vom Gesundheits-Eck Garmisch-Partenkirchen zur Windbeutelalm. Ein schöner, recht einfacher Weg ohne große Steigungen, dafür mit Speicherkarten füllenden Blicken. Auch für Kinder gut machbar, Motivation sind die legendären Windbeutel. Lange ist es her, dass ich Windbeutel gegessen habe, das ist auch gut so, denn die Exemplare haben Suchtpotential. Knusprig-fluffiger Brandteig mit verschiedenen Füllungen. Da werde sogar ich, die man sonst mit Süßigkeiten jagen kann, schwach. Unbedingt teilen.
Nach dem Schmaus brechen wir zur Rothirschfütterung mit Förster Willi Ehrwald auf. Die Tiere sind wirklich wild, scheu und Menschen wenig zugetan. Doch der knorrige Ur-Bayer hat es geschafft, dass die Tiere in Gegenwart von Menschen fressen. Es darf auch fotografiert und geredet werden. Willi Ehrwald erzählt allerlei Erstaunliches über „seine“ Herde. Nicht nur Kinder lauschen mit großen Ohren.
Jim Knopf, Momo, die unendliche Geschichte sind Bücher, mit denen ich aufgewachsen bin. Ihr Autor Michael Ende wurde in Garmisch geboren, weshalb es einen Michael Ende Kurpark und die Dauerausstellung „Der Anfang von Ende“ im Kurhaus gibt. Mit Liebe zum Detail gestaltet und einen Besuch wert. (Hinweis am 5. Januar 2017: Die Ausstellung ist derzeit geschlossen)
Freddie will nur noch eins: Skifahren! Weil seine Eltern leider nicht die besten Skifahrer sind und er es richtig lernen soll, bekommt Sohnemann Skilehrer Bernhard von der Skischule Zugspitze-Grainau. Was für ein Glücksgriff! Mit der Hausbergbahn fahren wir zum Kinderland auf dem Hausberg. Etliche flache und sanft abfallende Hänge in Sonnenlage. Statt wie früher schweißtreibendem Hochstapfen, befördern Zauberteppich und drei Anfängerlifte die Schneezwerge wieder nach oben. Auch den Schneepflug gibt es nicht mehr, dafür Pizza und Pommes. Bernhard hat ein Händchen für unseren Schneehaas. Mit roten Backen flitzt er bald die Hänge hinunter und findet es klasse, nur Bremsen findet er blöd. Gut, dass ich ihm nicht Skifahren beibringen muss… Der Skilehrer weiß, wie er ihn packt und bald klappt auch das Bremsen. Ein wenig neidisch schaue ich meinem Fünfjährigen hinterher, wie er mit den Skiern eins wird. Warum eigentlich nicht Du?, fragt meine innere Stimme. Ja, warum nicht ich? Nächstes Jahr! Mit Bernhard zum-Wieder-sicher-werden. Gebongt!
Meine Tipps sind keinesfalls vollständig. Garmisch-Partenkirchen hat noch viel mehr zu bieten, aber dafür reichte unsere Zeit nicht. Diesmal.
Meine 11 Tipps für den Winter in Garmisch-Partenkirchen mit Kindern
- Anreise von München nach Garmisch mit der Bahn
Flug von Hamburg nach München, dann mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und mit der Bahn bis nach Garmisch-Partenkirchen. Am günstigsten für uns war das Regio Ticket Werdenfels für 19 Euro, S-Bahn bis zum Hauptbahnhof inklusive. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden und ist eine echte Panoramatour. Am besten in Fahrtrichtung links sitzen, da ist der Blick auf den Starnberger See am schönsten. Blauer See, weiß verschneite Berggipfel dazu Sonne, blitzeblauer Himmel und weiße Wattewölkchen – die Bayernfarben Weiß und Blau.
- Nächtigen im Familotel Leiners
Ganz neu renoviertes Hotel, das nicht nur Kindern Freude macht, sondern auch den Eltern. Angefangen von der neuen Sauna bis zum 4-Gänge-Menü, das in Ruhe genossen werden kann, denn die Kleinen schlafen schon (Babyphon) oder werden betreut. Himmlisch!
- Schlittenfahrt zur Partnachklamm und Führung mit Geotrip
Dick in Fellen eingemummelt wie die Könige zur Klamm kutschiert werden und dann Wissenswertes über Steine, die Klamm und die Geschichte hören. Klar ist die Klamm auch ohne Führung ein Erlebnis, doch der Steine- und Naturexperte Josef Karner öffnet einem die Augen für die Besonderheiten der Natur. Genau wie im Museum ohne Führung: Man rauscht durch die Bilder und nickt, aber kapiert nix. Sobald ein Führer dabei ist, erzählen die Werke Geschichten.
- Führung durch die neue Olympia Skisprungschanze
Nichts für Menschen mit Höhenangst. 332 Stufen führen nach oben auf die Olympia-Schanze. Allein für den Blick aus der Vogelperspektive und das wohlige Gruselgefühl beim Hinunterschauen auf Garmisch-Partenkirchen in Lego-Größe lohnt den Aufstieg. Darunter springen? Niemals! Dazu erzählt Gästeführerin Andrea Prielmeier kindgerecht spannende Geschichten über die Skisprungschanze, die Springer und Garmisch-Partenkirchen. Geführte Touren immer samstags um 15 Uhr (10/8 Euro), von Mai bis Oktober auch mittwochs um 18 Uhr.
- Wanderung zur Windbeutelalm
Den Namen „Windebeutelalm“ hat sich der Berggasthof Almhütte Windbeutel schützen lassen. Zu recht, denn die Windbeutel sind einfach legendär. Ich empfehle, das fluffige Gebäck mit köstlicher Füllung zu teilen. Die Dinger sind gigantisch und so lecker. Wir haben die geführte Wanderung vom Garmisch-Partenkirchen Gesundheitseck mitgemacht. Etwa anderthalb Stunden läuft man auf dem Kramerplateauweg mit herrlichem Blick über das Tal und auf die Berge bis zur Almhütte, einfache Strecke ohne nennenswerte Steigung. Das Gesundsheits-Eck Garmisch-Partenkirchen bietet geführte Wanderungen dorthin an. Start und Ende ist in Garmisch.
- Wildtierfütterung
Auf der Pirsch nach dem Hirsch heißt die beeindruckende Vorstellung, die Förster Willi gibt. Dem knorrigen Urbayern ist es gelungen, dass Besucher einem Rudel wilder Rothirsche bei der Fütterung zusehen können. Die Tiere sind wirklich wild und nur im Winter im Gatter. Mit ihren degenerierten Kollegen aus dem Wildpark haben sie außer dem Aussehen nichts gemein, weshalb die Fütterung auch für Erwachsene interessant ist. Förster Willi Ehrhardt ist ein Unikat, kommentiert die Tiere und beantwortet alle Fragen. Die Fütterung ist im Preis der Wanderung vom Gesundheits-Eck Garmisch-Partenkirchen enthalten, die immer am Donnerstag stattfindet. sonst kostet sie drei Euro, Kinder ab sechs Jahren ein Euro. Hunde nicht erlaubt. Die Futterstelle liegt etwa zehn Minuten Fußweg von der Windbeutelalm entfernt. Die Schaufütterung findet immer von Donnerstag bis Sonntag zwischen 16 und 17 Uhr statt. Letzter Termin in 2016 ist der 28. Februar. Ein Flyer gibt es hier.
- Dauerausstellung über Michael Ende im Kurhaus
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – wer kennt die beiden nicht? Kleine, aber feine Dauerausstellung über den berühmten Autor und gebürtigen Garmischer Michael Ende. Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. (Hinweis am 5. Januar 2017: Die Ausstellung ist derzeit geschlossen.)
- Fahrt mit der Eckbauerbahn
Wanderung oder Rodeln (Schlitten können an der Talstation geliehen werden. Schon die Fahrt in den nostalgischen, offenen blauen Gondeln ist ein Erlebnis. Von der Bergstation ist es eine schöne Wanderung über das Dorf Wamberg zurück zum Skistadion. Die Wege sind ausgeschildert. Oder einfach nur rodeln und im Schnee spielen.
- Übernachten im Iglu-Dorf auf der Zugspitze
Ein einmaliges Erlebnis, auch für Kinder. Erfrierungen sind nicht zu befürchten, denn Arktis taugliche Expeditionsschlafsäcke werden gestellt. Im Iglu-Dorf wird abends ein Käsefondue serviert und den nächtlichen Saunagang auf dem höchsten Berg Deutschlands vergisst so schnell niemand.
- Rodeln auf der Zugspitze
Flocken stieben, das Adrenalin kocht durch den Körper und die Augen blitzen vor Vergnügen. Die lange Abfahrt ins Weiße Tal ist der Hammer! Anfänger sollten vorher unbedingt am flachen Hang üben und testen, wie man einen Zipfelbob bremst. Wir Nordlichter kannten diese kleinen Rennteile nämlich nicht, aber ihre Beherrschung ist relativ leicht. Bobs und Ausrüstung können auf dem Zugspitzplatt geliehen werden.
- Skifahren lernen im Kinderland auf dem Hausberg
Zauberteppich, sanfte Pisten und Skilehrer, die mit Kindern können – so hätte ich auch gerne Ski fahren gelernt. Das Kinderland auf dem Hausberg Garmisch-Partenkirchen ist ein Paradies für Pistenflöhe und liegt direkt neben der Bergstation der Hausbergbahn. Freddie wurde zum richtigen Pistenblitz und konnte gar nicht genug bekommen. Sein Skilehrer Bernhard von der Skischule Zugspitze-Grainau hat uns so überzeugt, dass wir nächstes Jahr einen Kurs mit ihm buchen und endlich auch wieder auf die Bretter kommen. Perfekt, die Skischule Zugspitze-Grainau hat auch Leihausrüstung im Angebot.
Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusamt Garmisch-Partenkirchen , der Bayerischen Zugspitzbahn und dem Familotel Leiners. Danke dafür!
die Michael- Ende Ausstellung gibts nicht mehr,
Vielen Dank für den Hinweis! Da noch nicht ganz klar ist, ob und wie es damit weitergeht, lassen wir sie vorerst noch drin und fügen nur eine entsprechende Anmerkung hinzu.
Liebe Grüße
Iris