Ausflug, nah dran
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Traum-Erlebnis auf der Burgenstraße: Einmal Falknerin sein

Ich habe mich verliebt. Sein Name ist Paulchen. Und wenn er sich wohlfühlt, gibt er ganz leise Gurr-Geräusche von sich. Paulchen ist ein wunderschöner Wüstenbussard und lebt auf der Deutschen Greifenwarte auf Burg Guttenberg.

Mulmig ist mir schon, als ich den Falknerhandschuh anziehen darf. Für Paulchen reicht ein kleinerer aus weichem Leder, nicht so dick und riesig wie die Handschuhe für die großen Greifvögel. Nach dem ersten gegenseitigen „Beschnuppern“ gibt er auf meiner Hand ganz leise Gurr-Geräusche von sich. Ich ahne es schon, frage aber trotzdem Falknerin Esther Lehmann, ob das etwas zu bedeuten hat: „Das ist ein Zeichen, dass er sich wohlfühlt, vergleichbar mit dem Schnurren einer Katze.“ Habe ich also ein besonders magisches Händchen für Greifvögel, dass Paulchen sich auf Anhieb wohlfühlt?

Natürlich nicht: „Paulchen liebt diese Falknerstunden mit Besuchern“, sagt Esther Lehmann. „Wenn wir mit ihm arbeiten, fordern wir ihm richtig viel ab.“ Nicht so die Fremden. Auf meiner Hand bekommt er leicht verdientes Futter. Wegfliegen, zurückkommen, Belohnung. Fertig. Ganz easy. Und das bringt ihn zum Schnurren, pardon Gurren. Zudem sind Wüstenbussarde im Gegensatz zu den meisten anderen Greifvögeln soziale Tiere, die sogar im Verband gemeinsam mit Artgenossen jagen. Deshalb können sie sich auch besonders gut auf Fremde einlassen.

Ganz anders dagegen die misstrauischeren Seeadler, Uhus und anderen, die hier in der Deutschen Greifvogelwarte auf Burg Guttenberg leben. Sie sind Einzelgänger:

Zu diesen Tieren müssen die Falkner mit viel Geduld eine Beziehung aufbauen. Und genau wie in zwischenmenschlichen Beziehungen nehmen es die Tiere übel, wenn man keine Zeit für sie hat, nicht in die Beziehung investiert. Wochen- oder gar monatelange Abwesenheiten, ein längerer Urlaub, solche Dinge sind für einen Falkner eigentlich nicht drin.

Da kann es passieren, dass ein Tier, zu dem er zuvor eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung hatte, plötzlich nach ihm hackt und ihn attackiert. Und trotz dieser zeitintensiven, fordernden Arbeit hat der Falknerberuf eine ungebrochene Faszination.

 

Dass ein Tier, das die Freiheit liebt, trotzdem jeden Tag nach seinem Ausflug zurückkommt, ist sicher eines der faszinierenden Dinge daran. Obwohl sich Esther Lehmann da auch keine übertriebenen Illusionen macht: „Stellen Sie sich einfach vor, dass sie die Wahl hätten zwischen dem täglichen Schnitzel auf dem Teller und einem Schnitzel, das da unten über die Wiese läuft und Haken schlägt. Da wüssten Sie auch, wofür Sie entscheiden.“

Und so haben die Tiere jeden Tag bei ihren Flügen die freie Wahl und kommen zurück zur Burg Guttenberg. Allein die Flugshow ist hier ein Ereignis, denn das Gemäuer liegt malerisch auf einem Bergsporn hoch oben über der Landschaft.

Und obwohl wir eigentlich kein Glück mit dem Wetter haben und es Bindfäden regnet, lauschen wir doch gebannt den Erklärungen von Esther während der Flugshow. Man spürt ihre Begeisterung für die Tiere, wie humorvoll sie die Charaktereigenschaften jedes einzelnen Greifvogels beschreibt, wie respektvoll sie sie wahrnimmt. Sie räumt mit Vorurteilen auf und geht auch auf die Eintagsküken ein, die sie und die anderen Falknerinnen und Falkner hier an die Greifvögel verfüttern.

Hinterher erfahre ich bei meiner Probestunde nicht nur, wie man die Tiere hält und dass man die Handfläche nach unten drehen und den Arm anheben muss, um sie fliegen zu lassen. Dass ich zum Anlocken eine Belohnung zwischen Daumen und Handfläche halte und die Handkante nach unten zeigen muss. Sondern dass die Tiere auch ganz deutlich zeigen, wenn sie mal keine Lust haben.

Als die Probestunde vorbei ist, mag Paulchen noch nicht zu seiner Falknerin zurückkehren, sondern sitzt weit entfernt und reagiert zunächst gar nicht auf ihre Lockrufe. Kein leicht verdientes Futter mehr. So ein Ärger aber auch.

Dieses Erlebnis war eines meiner Highlights auf unserer Wohnmobil-Tour entlang der Burgenstraße (dazu folgt später noch ein längerer Beitrag), nun erstmal die

Zusatzinfos und Tipps:

    • Die Deutsche Greifenwarte auf Burg Guttenberg ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, mit Flugvorführungen jeweils um 11 und 15 Uhr – übrigens auch bei Regenwetter! Letzter Einlass 17:30 Uhr
    • Über die Internetseite lassen sich Tickets für die Flugvorführungen, Falknerstunden etc. online buchen.
    • Wer einen verletzten oder kranken Greifvogel findet, kann ihn auf Burg Guttenberg abgeben. Die Falkner kümmern sich ehrenamtlich  um kranke und verletzte Tiere und wildern sie nach deren Genesung wieder aus.
    • In der Burgschenke kann man vor Ort in mittelalterlichem Ambiente sehr lecker essen. Das hat sich allerdings herumgesprochen in der Region, deshalb besser rechtzeitig reservieren.

Ein kleines Filmemacher-Team hat übrigens auch schon vor Ort mit Esther Lehmann gedreht. Und in diesem Beitrag schimmert – genau wie bei ihren Flugvorführungen und Falknerstunden – bei jedem Wort die Leidenschaft für Greifvögel durch. Unbedingt sehenswert:

Diese Recherche wurde freundlich unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft „Die Burgenstraße e.V.“ und der Wohnmobil-Vermietung „rent easy“. Vielen Dank dafür!

 

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21 Kommentare

  1. Oh wie schön, ich beneide dich. Sowas finde ich so toll. Es sind so majestätische Vögel und sie derartig aus nächster Nähe erleben zu dürfen, faszinierend!! Wunderbar. Vielen Dank für den schönen Beitrag.

    • Und dir vielen Dank für diesen lieben Kommentar! Oh, und ich bin nach diesem Erlebnis noch viel mehr begeistert als vorher. Zum Beispiel hat die Falknerin erzählt, dass sie die Tiere jeden Tag wiegen, unter anderem weil ein Greifvogel niemals zeigen würde, dass er krank ist – um nicht als schwach zu erscheinen. Erst am plötzlichen Gewichtsverlust merken die Falkner dann, dass den Vogelkörper 🦅 etwas stark belastet. Es gibt riesige Unterschiede zwischen den Greifvogelarten, aber auch zwischen den Individuen einer Art. Einfach nur total faszinierend . Ich kann schon verstehen, warum sich die Begeisterung für die Falknerei durch die Geschichte und die verschiedenen Kulturen unserer Welt zieht.

      • Absolut. Und es sind so faszinierende Geschöpfe. Scheint ja besonders bei Frauen sehr beliebt zu sein 🙂 Würde ich sowas in der Nähe haben, würde ich noch mal umschulen 😉 Spannend mit dem Gewicht. Was es alles gibt!

        • Ja, aber das mit den Frauen ist wohl besonders auf Burg Guttenberg und an diesem Tag ausgeprägt gewesen (Es waren drei Frauen und ein Mann). Bei anderen Flugshows habe ich bis jetzt aber doch überwiegend Männer im Falknerberuf gesehen.

          • Und ich dachte schon, es gäbe eine Trendwende in dem Beruf 🙂 Die großen Greifvögel dürften ein gutes Gewicht auf die Waage bringen. Wenn ich mir das auf (m)einem Arm vorstelle – wow!

          • Ja, stimmt, ich durfte auch kurz einen Uhu mit einem größeren Handschuh halten, da musste ich dann mit der zweiten Hand nachstützen. Ich vermute, Falkner bekommen mit der Zeit ordentlich Bizeps 😉

          • DAS glaube ich auch 🙂 Wow, einen Uhu halten, das wird ja immer toller!! Ich sag ja Neid neid 🙂

          • Das klingt jetzt wirklich unglaubwürdig, oder? Aber ich hab ein Beweisfoto 😉 Und wie man sieht, musste ich ohne Falknerei-trainierten Bizeps mit der Hand nachstützen: Reisefeder-Autorin mit Uhu

          • Wie süüüß 🙂 Der Uhu sieht sehr entspannt aus. Ich glaube, du hast doch einen besonderen Draht zu den Vögeln 🙂 Nur mit einer Hand ist aber gut! Ich hätte ne Säule gebraucht, haha!

          • Nein, das täuscht. Erstmal hat mich die Uhu-Dame zur Verteidigung angezischt. (Das macht sie immer nur prophylaktisch, sagt die Falknerin) Danach saß sie dann aber ganz ruhig auf meinem Arm. Trotzdem: Sobald sie wieder bei Esther Lehmann war, hat sie sich richtig mit dem Kopf in deren Halsbeuge gekuschelt, wie ein Baby. (nach dem Motto: Gottseidank wieder bei Mama!) Das war so wunderschön anzusehen und so süß 🙂 So ein Vertrauen bekommst du nicht als Fremde einfach so geschenkt, aber das finde ich auch vollkommen in Ordnung. Das sieht dann so aus: Falknerin Esther Lehmann mit Uhu

          • Ach wie niedlich!! Wer hätte gedacht, daß die so anhänglich sein können! Naja, immerhin hat sie nicht gebissen 🙂

          • Ach nein, sie hat sich nur ein bisschen aufgeplustert: „Tu mir nicht weh, ich bin gefährlich!“ 😉

    • P.S.: Wenn ich auf deinem Blog sehe, wie nahe Dich wildlebende(!) Vögel mit der Kamera herankommen lassen. Wie Du langsam nach und nach ihr Vertrauen gewinnst, diese Geduld hätte ich nicht. Du würdest bestimmt eine gute Falknerin abgeben!

      • Das mit der Geduld ist bei mir sehr unterschiedlich verteilt ;-), wie bei vielen anderen vermutlich auch, aber das könnte schon himmkommen, daß ich bei Tieren geduldiger bin (nicht immer vielleicht) bzw. sie nicht einengen will.

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