Familie, nah dran
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Bergpark Wilhelmshöhe und Wasserspiele am Herkules

In den Wasserspielen am Fuße des Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe habe ich vor langer Zeit als Kind zuletzt mit nackten Füßen geplantscht. Gut 30 Jahre später war ich jetzt wieder dort.

Lange her… auf Klassenfahrt beim Herkules

Ich erinnere mich bis heute gut an den Tag im Bergpark Wilhelmshöhe. Wir waren auf Klassenfahrt in der Nähe und haben einen Ausflug zum Herkules und den Wasserspielen gemacht. Wir Kinder liefen mit nacken Füßen in den Kaskaden herum, über die sich das Wasser bergabwärts ergoss. Welche Lehrerin würde das ihren Schülerinnen und Schülern heute noch erlauben? Versicherungstechnische Gründe und so… aber wir durften damals noch hinein in die Fluten und hatten einen Riesenspaß. So sehr hat mich die Anlage beeindruckt, dass ich mich bis heute gut an viele Details erinnere.

Zurück nach mehr als 30 Jahren

Schattiger Natur-Spielplatz in der Nähe des Schlosses

Lange schon standen der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel und natürlich die Wasserspiele auf der Liste der Orte, die ich mal wieder besuchen wollte. An einem Mittwoch in den Sommerferien war es jetzt so weit: Mit der ganzen Familie und dem Zug ging es los. Vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe noch ein paar Stationen mit der Straßenbahn, schon ist der Fuß des größten Bergparks Europas erreicht. Im Besucherzentrum erstmal einen Überblick verschaffen über die riesige Anlage… Und die Eckdaten abspeichern: Ab 1696 ließen die Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel den Landschaftspark bauen, in den folgenden 150 Jahren wurde er erweitert. Italienische und französische Barockgärten und Englische Landschaftsparks dienten als Vorbild. Wer mit offenen Augen herumläuft, entdeckt besondere Pflanzen, durchdachte Sichtachsen und gekommt inszenierte Landschaft.

Künstliche Landschaft: der Lac

Seit 2013 ist die Anlage Unseco Welterbe mit dem Schloss Wilhelmshöhe, in dem heute die Gemäldegalerie untergebracht ist, und den benachbarten Gewächshäusern. Und natürlich mit dem Herkules.

Auch ziemlich schräge Bauten gibt es hier, etwa die Löwenburg, eine Nachbildung einer mittelalterlichen englischen Burganlage. Sie wurde schon als Teilruine erbaut. Da hatte offenbar jemand richtig Spaß an alter Geschichte und hat sich seine eigene Phantasiewelt im Park realisiert. Außerdem gibt es nämlich ein Stück Aquädukt, eine Pyramide und ein Tempelchen sowie künstlichen Grotten.

Der Herkules und die Wasserspiele

Der kupferne Herkules schaut auf Kassel hinab

Besonders der Herkules ist bekannt, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebaute, 70 Meter hohe Schloss-Oktagon ganz oben im Park. Auf dem auf einer Pyramide die gut acht Meter große Herkules-Statue aus Kupfer steht. Zu seinen Füßen ergießt sich immer mittwochs und sonntags Wasser die Kaskaden hinab und sucht sich anschließend weiter seinen Weg hangabwärts durch den Bergpark. Dabei passiert es den künstlich angelegten Steinhöfer-Wasserfall, die romantische Teufelsbrücke und ein „altes“ Aquädukt.

Wasserbilder

Der tutende Zentaur

„Wasserbilder“ heißen die Inszenierungen ganz passend. Schließlich landet das Wasser im Lac, einem großen künslichen See, aus dessen Mitte dann durch den gestiegenen Wasserdruck eine riesige Fontäne in den Himmel schießt. Das Wasser kommt übrigens aus einem großen Reservoir oberhalb des Herkules, erzäht uns ein netter Mitarbeiter der Museumslandschaft Hessen Kassel. Es wird bei Niederschlägen vor allem im Winter gesammelt und muss dann den ganzen Sommer lang reichen. Deshalb wird auch nur zweimal die Woche ein Schwall Wasser den Hang hinab geschickt. Zu Beginn der Wasserspiele füllt ein Tuten die Luft und hält die ganze Zeit an – das ist der Zentaur, der oberhalb der Kaskaden am Bassin in sein Horn bläst. Anfangs fand ich den Ton etwas irritierend, aber wenn man es weiß…

Die Wasserspiele früher und heute

Als die Wasserspiele pünktlich um 14.30 Uhr mit dem Tuten des Zentaurs beginnt und das Wasser die großen Kaskaden hinabfließt, ist es unfassbar voll. Schon zuvor hatten sich busseweise Besucher vom oberen Parkplatz zum Herkules begeben, jetzt drängeln sich alle Zuschauer auf den Terrassen und der Treppe. Wegen Bauarbeiten ist die zweite Treppe nämlich gerade gesperrt. Mit dem Wasser ergießen sich auch die Menschen einer Welle gleich durch den Park. Antizyklisch zu laufen, normalerweise eine gute Idee, funktioniert hier nur bedingt, denn das Wasser ist nur immer rund zehn Minuten an jedem Ort bzw. Wasserbild zu sehen.

Viel Publikum auf wenig Raum

Und waren die großen Kaskaden zu Füßen des Herkules nicht früher viel größer? Wohl nicht. Ich war kleiner. Das relativiert sich. Auf jeden Fall aber war es weniger voll, da bin ich mir ganz sicher. Für meine Verhältnisse drängeln sich jetzt deutlich zu viele Menschen auf der Treppe, immer wieder staut es sich. Seit der Park zum Unseco Welterbe gehört, sind die Besucherzahlen deutlich gestiegen. Und dabei ist heute Mittwoch und nicht einmal Sonntag…

Finale: Die große Fontäne im Lac

… und zum Schluss hier nochmal die große Fontaine, das nasse Finale der Wasserspiele am Lac.

Der Mitarbeiter im unteren Besucherzentrum hatte uns übrigens geraten, auf keinen Fall zu Fuß die rund vier Kilometer durch den Bergpark hinauf zum Herkules zu gehen. Sondern lieber einen der Shuttlebusse zu nehmen. Viele Besucher würden sich überschätzen und an den rund 300 Höhenmetern scheitern. Wir sind trotzdem hoch und nach einem Picknick und Erklimmung des Herkules mit dem Wasser wieder runter gegangen – und es war kein Problem, obwohl es ein warmer Tag war.

Es gibt zwei Besucherzentren, eines am Fuße des Parks und eines oberhalb des Herkules. Hier findet ihr einen Übersichtsplan über das 2,4 Quadratkilometer große Gelände. 350 Fußballplätze würden hinein passen!

Die Wasserspiele laufen von Mai bis Oktober immer mittwochs, sonntags und feiertags um 14.30 Uhr, außerdem gibt es sie an einigen Terminen am Abend in illuminiert. Mehr Infos zu den Wasserspielen findet ihr hier.

 

2 Kommentare

  1. Avatar

    Liebe Anke, zum Herkules wollte ich schon ewig… dabei wußte ich nicht einmal von den Wasserspielen. Ich kenne Kassel eigentlich nur von der documenta und der Blick hinauf ist immer so toll. Wenn ich mir die Massen auf Deinen Bildern anschaue, glaube ich, dass ich auf das Wasser verzichten könnte, wenn ich dafür den Park selbst in mehr Ruhe erleben könnte. Der stieg durch Deinen Bericht jetzt nämlich noch einmal höher in meiner Gunst. Wirklich beeindruckend. Liebe Grüße, Stefanie

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      Liebe Stefanie, der Park alleine ist wirklich auch schon einen Besuch wert. Vieleicht mit herbstlicher Laubfärbung? Und auf den Herkules kann man ja trotzdem klettern und den Fernblick bewundern… Liebe Grüße! Anke

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