Ausflug, natürlich
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Ostseefeeling und Sandsteinhöhlen im Harz


Denke ich an den Harz, denke ich an zuerst an Nadelwälder und bizarre Felsformationen. Als zweites fallen mir lichte Mischwälder und lauschige Täler ein, in denen ein Flüsschen plätschert – diese Landschaft gibt es vor allem am Nordrand des Mittelgebirges. Auf Kiefernwälder und Sandsteinhöhlen würde ich im Zusammenhang mit dem Harz allerdings nicht kommen. Und doch gibt es beides bei Blankenburg: Ostseefeeling pur am Harzrand. Nur ohne Meer.

Der Wald aus Kiefern und ein paar Birken öffnet sich in eine große, flache Mulde. Die ist bedeckt von grau-beigem Sand. An ihren Rändern reihen sich kleine und ein paar größere Höhlen auf. Wir stapfen hinab, kriechen in einige der Höhlen, schauen die vielen eingeritzten Bilder an. Fast jeder Besucher scheint sich hier im weichen Sandstein zu verewigen, kaum eine Stelle ist ohne Einritzung. Fratzen mit großen Ohren schauen einen an, Namen sind graviert. Vielen Inschriften sind kaum zu entziffern. Oder nicht mehr: Wind und Wetter tun das ihre, die Einritzungen verwittern zu lassen. So fressen sich die Sandsteinhöhlen langsam immer tiefer in den Wald.

Von unten in der Kuhle zeichnen sich die umgebenden Kiefern dunkel gegen den Himmel ab. Würde man jetzt noch ein fernes Meeresrauschen hören, es würde mich nicht wundern. Oder eine Muschel im Sand finden… Diese Art Landschaft kenne ich sonst eigentlich von der Ostsee. Erstaunlich. Noch erstaunlicher sind allerdings die Höhlen. Eine ist schwarz verrußt, hier muss wohl mindestens eine Party mit Feuer stattgefunden haben… „Sandhutsche“ nennen die Blankenburger die Höhlen, die weniger Kilometer außerhalb ihrer Stadt am Nordrand des Harzes liegen. An manchen Stellen haben sich schmale Gänge im Sandstein gebildet (oder wurden hineingearbeitet?), durch manche passt ein Kind hindurch, durch andere wird wohl nur das Wasser abfließen, nachdem es geregnet hat.

Wer zu den Sandsteinhöhlen kommt, sollte sich auf jeden Fall auch Zeit nehmen für eine Wanderung durch das ganze Kiefernwäldchen. Das, ist man erstmal mittendrin, gar nicht mehr so klein ist. Etwas entfernt warten weitere, kleinere Höhlen, und nochmal rund zwei Kilometer weiter trifft man auf die Überreste einer alten Wassermühle, die Regensteinmühle. Die Mahl- und Ölmühle, die durch herabfließendes Wasser angetrieben wurde, stammt in ihren Ursprüngen aus dem 12. Jahrhundert. Schon beeindruckend, was man damals bereits bauen konnte!

Mindestens ebenso beeindruckend sind die Überreste der Burg Regenstein. Die mittelalterliche Anlage thronte auf einem Felsen, der sich weit über die Landschaft erhebt. 80 Meter fällt der Sporn senkrecht auf der nördlichen Seite ab, man blickt bei guter Sicht weit in die flache Bördelandschaft. Auf der anderen Seite erhebt sich der Harz.

Heute sind allerdings nur noch die Überreste der Burg zu besichtigen, vor allem Mauern und ein paar in den Fels gehauene Räume, in denen Funde ausgestellt sind, alte Waffen oder Münzen. Die ältesten stammen aus dem 11. Jahrhundert. Am Eingang der Burg befindet sich übrigens die Stempelstelle 81 der Harzer Wandernadel. Die wird so als Jäger und Sammler natürlich sofort noch ins Heft gestempelt…

Zu erreichen ist die Burg Regenstein nur vom Parkplatz aus, nicht von den dahinter liegenden Sandsteinhöhlen. Kommt man von dort, muss man also erst einmal um den großen Felsen herum laufen. Doch die Wanderung lohnt sich allemal, nicht nur wegen der beeindruckenden Ostseelandschaft am Harzrand. Wer offenen Auges unterwegs ist, findet an Bäumen und auf dem Boden immer wieder kleine Kunstwerke aus Blättern, Flechten und Rinde.

Lust auf mehr Harz? Wie wäre es mit einer Wanderung zu den Schnarcherklippen? In den Grand Canon des Harzes, das Bodetal? Oder auf den Burgberg?

Mehr Infos zum Harz hat der Harzer Tourismusverband.

Entdeckt habe ich auch diese Tour im Buch „Ab nach draußen: 52 kleine & große Eskapaden im Harz“. Das wurde mir vom Verlag Mairdumont als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Den Ausflug nach Blankenburg habe ich selbst organisiert und bezahlt.

 

3 Kommentare

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      Hallo Ewald, ich vorher auch nicht… umso mehr war ich positiv überrascht, welche unerwarteten Orte es rund um den Harz gibt!
      Liebe Grüße
      Anke

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