nah dran, Norddeutschland
Kommentare 2

Bodetal: Im Grand Canyon des Harzes


Wanderungen im Harz sind schön, aber manchmal, vor allem auf breiten Forstwegen, auch ein wenig unspektakulär. Nicht so im Bodetal, dem „Grand Canyon“ des Mittelgebirges.Da, wo die Bode eine tiefe Schlucht in den Untergrund gegraben hat, erinnert vor allem der untere Abschnitt nahe Thale an manchen Stellen tatsächlich ein wenig an ein alpines Tal. Manche Reiseführer sprechen gar vom Grand Canyon des Harzes – okay, übertreiben sollte man nicht. Spektakulär ist das tiefe Flusstal aber allemal.

Nun gut, der Anfang unserer Wandertour ist noch wenig spektakulär. Vom Hexentanzplatz geht es, sehr früh morgens, auf schnurgeraden Forstwegen kilometerweit fast ohne Höhenunterschiede durch den Wald, das spannendste Ereignis ist, als ein Fuchs hastig den Weg kreuzt. Noch gut einen Kilometer bis Treseburg, verändert sich die Landschaft dann spürbar, wird zum lichten Eichenhain.

Stempeln und hinab nach Treseburg

Freunde der Harzer Wandernadel kommen auch auf ihre Kosten, am „Weißen Hirsch“ wartet nicht nur der begehrte Stempel, sondern auch eine spektakuläre Aussicht über das weit unten liegende Örtchen Treseburg. Wobei so viel Ort garnicht auszumachen ist. Eigentlich sieht man nur den Kreisel in der Mitte des Ortes. Ob es hier einen Kaffee für uns gibt, vielleicht sogar Frühstück?

Unten angekommen, beginnt auf der rechten Seite des Flusses der Weg entlang der Bode. Der Abschnitt ist auch Teil des Fernwanderwegs Harzer Hexen-Stieg. Frühstück bekommen wir übrigens leider nicht, das angesteuerte Café hat noch geschlossen. Aber die mitgebrachte Stulle auf einer Bank neben dem Fluss mundet auch. Die ersten Kilometer schlängelt sich der Wanderweg durch Mischwald, bewegt sich mal näher, mal ein wenig ferner des Flusses. Später folgen im Bodetal An- und Abstiege, manche Stellen sind mit einem Geländer zum steil abfallenden Flussufer abgesichert. Immer wieder liegen umgefallene Bäume am Wegesrand oder versperren den Weg, skurrile Wurzeln halten die Bäume am Hang fest (oder offenbar manchmal auch nicht…).

Unten am Fluss lässt es sich dann schön pausieren.

Geröll und Steinschlag

Geröllhalden an den Wegesrändern zeugen von Frostsprengung und anderen Kräften. Schilder warnen vor Steinschlägen. Das Tal wird enger, der Weg steiler. Inzwischen ist er, im Gegensatz zum Anfang, auch wirklich nicht mehr für Kinderwagen geeignet, wie ein paar Mitwanderer mit Kleinkind betrübt feststellen müsen.

Toll sind auch die immer wieder offen liegenden Felswände. Schauen, anfassen, staunen. Fotografieren. Und weiter geht´s.

Einmal noch schweißtreibend bergauf, dann ist ein Panoramaausblick zur gegenüberliegenden Rosstrappe erreicht. Whow, ein wirklich beeindruckender Anblick! In Serpentinen geht es anschließend hinab bis fast aufs Flussniveau.

Nach der Teufelsbrücke, die die Bode überquert, läuft der Weg am linken Ufer weiter. Auch Goethe ist hier verewigt. Und wegen der langen Dürre in Norddeutschland zeigen sich die Birken in der Felswand mitten im Sommer schon in herbstlichen Farben.

Bald ist das Gasthaus Königsruhe erreicht, an dem man sich mit Getränken selbst bedient, die hausgeräucherten Forellen allerdings an den Tisch gebracht bekommt.

Thale: Bahn oder Schusters Rappen?

Weiter auf dem Weg gen Thale, zeigt sich wenige Minuten später die Kabinenbahn, die einen bequem hinauf auf den Hexentanzplatz bringt. Wahlweise kann man auch am Gasthaus Königsruhe die steinerne Brücke überqueren und sich in Serpentinen den Hang hinaufarbeiten. Wer sich für die bequeme Variante Kabinenbahn entscheidet, kann in Thale – nachdem er den Vergnügungsbereich rund um die Talstation verlassen hat – auch erst noch ein paar hübsche Villen aus der Zeit um 19oo sowie die St. Petri-Kirche im Kurpark besichtigen, bevor er nach oben zum Hexentanzplatz schwebt. Manche Gondeln haben übrigens einen Glasboden, ein wenig komisch ist das schon, so tief nach unte schauen zu können…

 

Lange schon auf dem To-Do-Zettel, hat mich das Buch „52 kleine & große Eskapaden im Harz“ aus dem DuMont Reiseverlag, das u.a. die Bodetal-Tour vorstellt, überzeugt, nun aber wirklich mal loszuwandern… Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Wer Lust auf bekannte, aber auch unbekanntere Ausflüge in den Harz hat, bekommt darin schöne Anregungen. Und man kann alle Touren auch downloaden.

Mehr Lust auf Harz? Hier könnt ihr lesen, wie es auf dem Burgberg ist. Mit Brockenblick. Was man noch so machen kann im Harz? Wir haben 11 Tipps für euch.

 

Kategorie: nah dran, Norddeutschland

von

Avatar

Seit ich denken kann, zieht es mich in die Natur. Und in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

2 Kommentare

Kommentar verfassen