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Den Frühling begrüßen: Wandern im Cilento in Süditalien

Dieser Winter fühlte sich ganz schön lang an, nicht? Ohne Licht, Farben und blauen Himmel. Aber jetzt ist es endlich so weit – ein süditalienisches Frühlingslüftchen weht!

Letztes Jahr wollte ich nicht länger warten und bin dem Frühling einfach entgegen gereist. In den Cilento, eine Provinz in Kampanien, in Süditalien. Freute mich auf das azurblaue Meer, von einer felsigen Küste hatte ich gelesen – und dann zeigte sich die Landschaft auch noch überraschend grün. Ein perfektes Ziel zum Küstenwandern und für Touren in den Wäldern im Hinterland.

Maccia und Kiefernduft

Stacheliges Macchia-Gestrüpp zerrt an den Hosenbeinen, Kiefern verströmen ihren Duft. Auf hellem Karstgestein führt ein Küstenpfad nahe dem Ort Marina di Camerota im südlichen Cilento über Hügel von Bucht zu Bucht. Jeweils in Sichtweite voneinander stehen die Sarazenentürme, einst errichtet, um die Bevölkerung vor Piraten und anderen feindlichen Angriffen vom Meer zu warnen.

Küstenwandern von Bucht zu Bucht

Palinuro, touristischster Küstenort im Cilento

Wenn die Saison beginnt, werden die Strände mit ganzen Kolonien von Sonnenschirmen und Liegen befüllt, aufgestellt in Reih und Glied – ein typisches Bild für Italiens Küste. Doch jetzt im Frühjahr liegen die Sand- und Kiesstrände noch verlassen da. Und auf dem Küstenpfad hat man immer wieder schöne Ausblicke zur Palinuro-Halbinsel, die sich wie eine Hand ins Tyrrhenische Meer schiebt.

Blick aufs Capo Palinuro

Palinuro ist der touristischste Küstenort im Cilento mit Restaurants, Hotels und Souvenierläden. Dahinter, am Kap, dem Capo Palinuro, sind die steilen Felsen bis zu achtzig Meter hoch, schroffes Kalksteingebirge trifft auf azurblaues Meer. Wegen seiner starken Strömungen war das Kap früher bei Seefahrern eine gefürchtete Ecke, am Meeresgrund sollen rund dreißig Schiffswracks liegen.

Wanderführer Udo zeigt die Palinuro-Halbinsel

In die Grotta Azzurra

Dunkle Löcher klaffen in der Steilküste, in manch Grotte kann man mit dem Boot hineinfahren und bizarre Steinskulpturen bestaunen. Am bekanntesten ist die Grotta Azzurra, die Blaue Grotte am Kap von Palinuro. Das Wasser leuchtet innen besonders intensiv, wenn mittags und nachmittags die Sonnenstrahlen in einem bestimmten Winkel einfallen.

Die Blaue Grotte

Stille und Einsamkeit

Große Städte gibt es im Cilento keine. Der nächste größere Ort ist Salerno, rund hundert Kilometer nördlich von Palinuro, und die Metropole Neapel liegt drei Autostunden entfernt. Antike Sehenswürdigkeiten wie die griechischen Tempel von Paestum befinden sich im Norden des Cilento, den Süden hingegen prägt die Natur. Still und einsam ist es beim Wandern in den Wäldern, die die Ausläufer des Apennin bedecken. Der höchste Gipfel im Nationalpark heißt Monte Cervati, mit 1.898 Metern zugleich die höchste Erhebung in Kampanien. Im 1991 gegründeten Nationalpark leben Bären, und in manchem Fluss tummelt sich der seltene Fischotter.

Wandern unter knallblauem Himmel, das Meer immer im Blick

Palazzos in Pisciotta

Aufgelockert werden die Wälder durch Olivenhaine in der Nähe der Bergdörfer, die an den steilen Hängen zu kleben scheinen. Einer der schönsten Orte ist das mittelalterliche Pisciotta. Man streift durch die engen, steilen Gassen, vorbei an mehrstöckigen alten Palazzos, einige Häuser sind rosa oder gelb gestrichen. Von zahlreichen Aussichtsterrassen mit Blickrichtung Küste fühlt es sich an, als schwebe man zwischen Himmel und Meer.

Ein etwa vierstündiger Rundweg führt um Pisciotta. Zunächst geht es sagenhaft steil über Treppen hinauf, vorbei an alten, großen Olivenbäumen. Das Olivenöl von Pisciotta zählt zu den hochwertigsten im Cilento. Die Treppenstufen nach oben wollen kein Ende nehmen, und sie tun es irgendwann doch. Es folgt Waldwandern. Durch Lorbeerwald, auch mal vorbei an einer Gruppe Erdbeerbäume, und dann flankieren hohe Farne die Kastanienwälder. Wolkendunst hängt wie eine Glocke über allem, in der Nacht zuvor hatte es gestürmt und geregnet.

Pilgerpfad zur Grotte di San Michele

Weniger Wald, mehr großartige Ausblicke verspricht der Pilgerpfad von Caselle in Pittari zur Grotte di San Michele, eine Grotte und Höhlenkirche zu Ehren des Erzengels Michael. Auf Kalkstein und rötlicher Erde geht es voran, Geckos huschen vor den Füßen. Die Pilger-Route dauert hin und zurück zweieinhalb Stunden, und man kann sie verlängern, indem man einmal rund um den knapp 700 Meter hohen Monte San Michele läuft.

Auf felsigem Weg zur Grotte

Am Bergmassiv führt ein schmaler Pfad entlang, links die hohen, zerklüfteten Felsen, und rechts geht’s in die Tiefe. Die Augen schauen voraus, der Blick schweift über dicht bewaldete Bergkuppen hinweg auf die Südküste des Cilento, auf den Golf von Policastro. Verführerisch glitzert in der Ferne das Meer.

Copyright für alle Fotos: Karin Kura

GUT ZU WISSEN

Beste Reisezeit: Im Frühjahr oder Herbst. Im Mai blüht die Natur, das Meer ist noch frisch, ab Mitte September sowie im Oktober sind die Badetemperaturen angenehm, es ist gutes Wanderwetter, mit heißen Tagen muss man im September aber noch rechnen.

Hinkommen: Man kann mit der Bahn nach Neapel fahren, umsteigen, und von dort weiter mit einem Zug bis zum Bahnhof Pisciotta-Palinuro, www.italiatren.com

Übernachten: Hotel Calanca in Marina di Camerota, ein familiengeführtes Hotel mit 20 Zimmern, orts- und strandnah, gute Küche, www.hotelcalanca.com Ein DZ kostet ab 64 Euro

Wikinger Reisen bietet zwei geführte Wanderreisen in den Cilento an, die Termine liegen im Mai, September und Oktober, www.wikinger-reisen.de

Bootstouren zu den Grotten kann man in Marina di Camerota und in Palinuro buchen, zweistündige Fahrten kosten rund 20 Euro pro Person, Kinder zahlen die Hälfte, www.costieradelcilento.it

Reiseführer: Cilento, erschienen im Michael Müller Verlag, aktuelle Auflage von 2024, mit vierzehn Wandertouren, der Band kostet 19,90 Euro

Noch mehr Infos zur Region: www.italia.it/de, www.incampania.com (Italienisch/Englisch) oder die Nationalparkseite www.cilentoediano.it (nur Italienisch)

Ein Dankeschön an Wikinger Reisen, der Veranstalter hat mich auf dieser Wanderreise unterstützt.

Mehr Wanderen? Na klar, in Analusien, im Nationalpark Kellerwald-Edersee oder lieber im Allgäu?

 

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von

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt reise ich oft in Richtung Süden, nach Spanien. Karge Landschaften ziehen mich magisch an, besonders Wüsten. Alle Wüsten dieser Welt besucht zu haben, das wäre ein Traum!

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