Meine schwedische Lieblingsstadt Göteborg setzt weiter konsequent auf Nachhaltigkeit: 11 neue Tipps für Ausflüge ins Grüne oder die kleine Pause zwischendurch – alle super schnell mit Straßenbahn, Bus oder Boot zu erreichen.
Nachdem ich mich vor zwei Jahren kurz im Umland von Göteborg umgeschaut habe und ein Stück des Fernwanderwegs Gotaleden gewandert bin, bin ich diesmal gleich einen ganzen Monat in Schwedens freundlichster Stadt (und nach dem Global Sustainability Destination Index auch eine der weltweit nachhaltigsten!) geblieben. Ganz viel Zeit, all die Ecken in der Westküsten-Stadt zu entdecken, die bisher noch schwarze Flecken auf meiner Karte waren. Manche haben mich total überrascht.
Botanischer Garten
Göteborgs Botaniska Trädgården gehört zu den größten Europas. Und zu den schönsten. Dominieren im unteren Teil weite Grasflächen den gut hundert Jahre alten Garten, folgen im oberen Teil (und das ist wortwörtlich gemeint, es geht ziemlich steil bergauf) die Themengärten, etwa das Japan- oder das Rhododendren-Tal. Aus Felsen plätschern Wasserfälle in kleine Teiche mit Koi-Karpfen, und von den kahlen Felsen des Aussichtspunkts Håberget lässt es sich weit über die Stadt schauen. Ein Ort zum Staunen, Entdecken und Verweilen.
Wer den hinteren Ausgang des Botanischen Gartens nimmt, kann rechterhand den Berg hinab zurück zur Straßenbahnhaltestelle Botaniska laufen und kommt dabei durch das überraschend hübsche Viertel Änggården mit seinen großen bunten Holzhäusern. Wer Lust hat, noch ein bisschen weiter zu laufen und das zum Botnischen Garten gehörende Arboretum zu besuchen, geht nicht nach rechts, sondern geradeaus in Ängberggardens Naturreservat.
Ängberggårdens Naturreservat
Dieses Naturschutzgebiet war eine echte Überraschung für mich! Von der Stadt aus schnell erreicht (etwa vom Verkehrsknotenpunkt Korsvägen in einer Viertelstunde Busfahrt!), wähnte ich mich – abseits der geschotterten Wege, die man allerdings im Schutzgebiet, das einen großen Teil des Areals einnimmt, nicht verlassen sollte – irgendwo in der weiten Natur. Gut, man erreicht hier südlich des Botanischen Gartens dann doch recht schnell wieder bebautes Gebiet, denn Ängberggården ist nicht riesig. Aber für den kleinen Ausflug in die Natur ist es perfekt. Wer noch mehr über Pflanzen lernen will, läuft mit offenen Augen durchs integrierte Arboretum: Im Amerikatal haben die Bäume, die dort gepflanzt wurden, Namensschilder.
Mittagspause in der Markthalle
Nur eine halbe Stunde Zeit in der Innenstadt? Dann schlendert einmal durch die zentrale Markthalle am Kungsportsplatsen. Dort findet ihr bestimmt etwas Leckeres – auf die Hand oder im Sitzen an einem der hübschen Stände aus hellem Holz. Die Stora Saluhallen wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und ist seitdem quasi unverändert – und sehr charmant. Sie hat werktags von 10-18 Uhr geöffnet.

Göteborgs historische Markthalle stammt aus dem Jahr 1888
Wandern, paddeln und Waffeln essen im Delsjögebiet
Größer als Ängberggården ist das Delsjögebiet südöstlich der Innenstadt. Es ist ein bei den Göteborgern sehr beliebtes Naherholungsgebiet mit Wäldern und Seen. An der großen Badestelle kann man auf der Wiese liegen, grillen und natürlich am breiten Sandstrand baden. Ein Netz aus geschotterten Wegen lädt zum Spazieren oder Wandern ein, dabei locken viele Bänke und Picknickplätze, um eine Rast direkt am See einzulegen.

Stadtnahe Natur im Delsjögebiet
Wer aufs Wasser will, leiht sich ein Kanu. Oberhalb der Badestelle lockt ein Café (die Caféstugan Lyckan, übersetzt Glück) mit frisch gebackenen Waffeln, sehr lecker wahlweise mit Blaubeer- oder Himbeermarmelade und einem Klecks Sahne. Yummie.
Raus auf die Insel Teil 2: Vrångö
Vor einiger Zeit war ich ja auf Brännö, einer der Inseln im südlichen Göteborger Archipel (es gibt auch noch eine nördliche Inselgruppe oberhalb der Stelle, wo der Fluss Göta Älv ins Kattegatt mündet). Ich fands super auf Brännö, hier nachzulesen. Danach habe ich Styrsö erkundet, das gefiel mir aber nicht so gut. Schließlich bin ich noch ein paar Inseln weiter nach Süden gefahren (also, genaugenommen habe ich mich von der Fähre hinfahren lassen), nach Vrångö.
Und was soll ich sagen? Brännö hat als Lieblingsinsel Konkurrenz bekommen. Während man auf Styrsö und Brännö erst durch den Ort laufen muss, ist man auf Vrångö, am Fähranleger direkt nach links abgebogen, gleich mitten in der Insel-Natur. Wir sind die ca. viel Kilometer lange südliche Schleife gegangen, durch Wald und Felsen. Dabei haben mich vor allem die großen Gletschergeschiebe fasziniert. Und der rote Lotsenausguck! Die hübschen weißen Holzhäuser im Inselort! Nächstesmal erkunde ich den nördlichen Teil der Insel.
Die Fahrt mit dem Boot ist übrigens Teil des Stadtverkehrs von Västtrafik, ihr kommt mit einem Einzelticket der Zone A für rund 3,50 Euro hin. Aus der Stadt fährt die Straßenbahn 11 bis Saltholmen zum Anleger.
Täglich was mit Kardamom und Safran essen
Dass die Kaffeepause Fika den Schweden heilig ist, weiss inzwischen auch hierzulande wohl jeder. Zum Kaffee gibt es was Leckeres, gern Hefegebäck. Es gibt natürlich die klassische Zimtschnecke, aber auch Kardamom- oder Vanilleschnecken und weitere Variationen mit Nüssen oder Marzipan. Lecker sind alle. Für mich gilt: Hauptsache, es ist Kardamom drin. Sich Zeit zu nehmen, die Pause und das Gebäck wirklich zu genießen, ist einfach eine hervorragende Idee.
Als Alternative zu Kuchen empfehle ich das Eis von Lejonet & Björnen, einer lokalen Eismarke. Das Safraneis ist wirklich das Genialste, was ich je an gekauftem Eis gegessen habe. Ein Blick auf die Zutatenliste verrät: Die satt gelbe Farbe kommt wirklich nur von echten Safranfäden. Allein dieses phänomenal köstliche Eis wäre eigentlich Grund genug, für immer in Göteborg zu bleiben…
Genießen im Slottskogen

Musik für alle
Auf der anderen Seite des Botanischen Garten liegt eine weitere große grüne Oase, der Park Slottskogen, übersetzt Schlosswald. Der citynahe Park ist echt riesig. Hier findet übrigens jedes Jahr im August Nordeuropas größtes Festival Way Out West (mit einem verblüffend konsequenten Nachhaltigkeitskonzept, unter anderem ist das gesamte Food-Konzept vegetarisch oder vegan) und prominentem Line-Up statt. Als ich da war, spielten die Göteborger Symfoniker hier anlässlich des Nationaltags am 6. Juni ein kostenloses Konzert. Man saß auf Picknickdecken oder Klappstühlen, hatte was zu essen und ein Kaltgetränk dabei und genoss einfach zusammen den Nachmittag in der Frühsommersonne. Es gibt im Slottskogen auch Tiergehege mit nordischen Tieren (etwa Elchen und Rentieren), ein Seehundbecken und einen Streichelzoo – alles kostenlos.
Paddeln durch Göteborgs Kanäle
Göteborg wurde von den Holländern geplant, und so finden sich noch immer Kanäle in der Stadt (einst angelegt, um Waren bequem auf dem Wasserweg bis in die Stadt transportieren zu können). Einige sind im Laufe der Zeit allerdings bereits zugeschüttet orden. Auf dem großen Hamnkanalen und zickzack durch den Vallgraven, Teil der früheren Stadtbefestigung, kann man paddeln und die Stadt vom Wasser aus entdecken. Eine geführte Tour beginnt am Fluss Göta Älv im Hafen Lilla Bommen. Von dort geht es erst ein Stück den Fluss hinab und dann links in den Kanal.
Wer lieber alleine unterwegs sein will, kann hier auch nur ein (sehr bequemes und gut steuerbares!) Kajak leihen. Wir waren in der Gruppe unterwegs, und Besitzer und Guide Lawrence hat unterwegs allerlei Wissenswertes über die Stadt erzählt – etwa, warum manche Hausnummern halbe Zahlen sind, also etwa 17 1/2.
Auf dieser Seite findet ihr noch weitere Möglichkeiten, in und um Göteborg zu paddeln.
Rosarium und Mini Crystal Palace direkt neben der City
Der Park des Gartenvereins (Trädgårdsföreningens Park, kurz Trädgå´n) liegt direkt in der City. Der Haupteingang befindet sich an der Haltestelle Kungsportsplatsen, ein zweiter dem Hauptbahnhof gegenüber. Perfekt für eine kleine Pause im Grünen. Man darf auf dem Rasen sitzen und es stehen sogar kostenlose Liegestühle für die Besucher bereit! Im Gewächshaus, das den zauberhaften Crystal Palace im viktorianischen Stil in Londons Kew Gardens zum Vorbild hat, kann man tropische Pflanzen sehen. Neben dem großen Rosarium kann man im Rosenkafeet mittags ein leckeres Lunch-Gericht essen oder Kaffee und Gebäck (mit Kardamom!) schlemmen.
Der Park öffnet morgens um 7 Uhr und schließt im Sommer um 20 Uhr, von Oktober bis April schon um 18 Uhr.
Varbergs Kaltbadehaus
Okay, für den letzten Tipp müsst ihr eine halbe Stunde mit der Bahn aus Göteborg rausfahren. Aber es lohnt sich! Kaltbadehäuser sind ein Ding zwischen Malmö und Göteborg. Malmö etwa hat ein richtig großes, historisches, das kleinere Landskrona ein ganz neues. Und Varberg vielleicht das schönste. Das alte Holz-Badehaus (es ist dennoch schon das dritte an dieser Stelle, das Meer fordert immer wieder Tribut) steht auf Holzpfosten im Meer und stammt aus dem Jahr 1903. Es ist hübsch mit Ornamenten verziert.

Varbergs schönes Kaltbadehaus im Kattegatt
Für knapp zehn Euro Eintritt sauniert man strikt nach Geschlechtern getrennt und taucht dazwischen ins kalte Meer ein (alles stets unbekleidet). Bei Sonne kann man außerdem im „Innenhof“ auf dem Holzboden liegen oder sich einen Liegestuhl nehmen. Super gechillt alles, absolute Empfehlung!
Stadtnahe Alternative: Göteborg hat seit wenigen Jahren eine öffentliche Sauna („Bastu“) am Fluss Göta Älv im neuen Jubiläumsparken. Sie kostet nichts, man muss nur vorab online ein Zeitfenster buchen. Da die Sauna sehr begehrt ist, ist mir das leider nicht gelungen, die regelmäßig freigeschalteten Termine sind immer ganz schnell weg. Vielleicht habt ihr ja mehr Glück!
GUT ZU WISSEN
In Göteborg fährt man Straßenbahn. Die himmelblauen Bahnen aus ganz unterschiedlichen Zeiten (toll sind die ganz alten Bahnen) dominieren den Verkehr, Autos sind aus der Innenstadt fast ganz verbannt. Am einfachsten ist es, sich eine Tages- oder Dreitagskarte (oder in meinem Fall eine Monatskarte) für die Öffis zu kaufen. Die schließen auch die Boote zu den Schären mit ein. Ganz einfach geht das in der Västtrafik To Go App. Damit lässt sich auch jederzeit die schnellste Verbindung vom aktuellen Standort aus abfragen. Gut gemacht und einfach.

Alles wird gut
Wenn das Wetter mal nicht so nach ausgedehnten Outdoor-Aktivitäten ruft, bieten Göteborgs Museen Zerstreuung und Anregungen für mehr als einen verregneten Tag. Vier städtische Museen (Göteborgs Stadsmuseum, Röhsska Museet, Göteborgs Konstmuseum, Sjöfartsmuseet Akvariet) bieten zusammen die Jahreskarte Museikortet für 150 SEK (ca. 14 Euro) an, mit der man im Kalenderjahr alle vier so oft man will besuchen kann. Das rechnet sich schon, wenn man nur zwei sehen oder später nochmal wiederkommen will (Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren kommen sowieso umsont hinein). Alle vier Museen lohnen sich wirklich und haben zudem schöne Cafés und Museumsshops (Tipp: mittags die vegetarische Lasagne im Café des Röhsska Museet essen. Gibts auch in vegan).
Infos zu Göteborg gibts vor Ort in der Tourist Info am Kungsportsplatsen und online unter www.goteborg.com
Infos zur Region Westschweden findet ihr auf der Seite www.westschweden.com
… hier gibts noch mehr Tipps zu Göteborg und den Ausflug zur Insel Brännö.
Danke an Göteborgs Tourismusverband, dass ich mit durch Göteborgs Kanäle paddeln durfte.
(C) für alle Fotos, wenn nicht anders genannt: Anke Benstem


Ich möchte sofort alle deine Tipps abfahren💚 und den Kölner Temperaturen ans Göteborger Wasser entkommen, eine Kardamom Schnecke in der Hand!
Ich würde direkt wieder mitkommen…