Gastlich, gemütlich, so habe ich Franken erlebt. Und selbst die Flüsse scheinen keine Eile zu haben. Ruhig laufen die Räder an den beiden Flüssen Tauber und Altmühl. Sie fließen durch idyllische Täler und hübsche Orte mit fränkischen Bier- und Weintraditionen.

Wertheim mit seiner beeindruckenden Stauferburg
Wir starten in Wertheim, hier fließen Main und Tauber zusammen. Gerade ankert ein Flusskreuzer am Mainufer. Wir schieben unsere Fahrräder über den mittelalterlichen Marktplatz mit seinem Engelsbrunnen aus Sandstein, wurschteln uns irgendwie zwischen den vielen Kreuzfahrtgästen hindurch. Über dem ganzen Gewusel thront die imposante Stauferburg Wertheim.
Alles am Fluss

Blick von der Burg Gamburg ins Taubertal
Auf dem Tauber Altmühl Radweg kann man von Wertheim entlang der Tauber radeln, und weiter am Ufer der Altmühl bis nach Kelheim an der Donau. Das sind rund 350 Kilometer Strecke am Stück. Leicht rollen die Räder hinter Wertheim auf einer ehemaligen Bahntrasse. Der Fluss fließt verträumt vor sich hin. Alles wirkt so beschaulich, oder lieblich, der Slogan des Taubertals. Nach etwa zehn Kilometern schauen wir uns das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach aus dem 12. Jahrhundert an. Im historischen Gewölbe gibt es eine Vinothek, hier sind die heimischen Weine versammelt.
Wein kosten

Winzer Karlheinz Sack
Das inspiriert uns zu einem kurzen Weinproben-Stopp in Lauda-Königshofen. In fünfter Generation betreibt dort Familie Sack ihr Weingut im mittleren Teil des Taubertals. Spezialität des Hauses ist die noch relativ unbekannte Rebsorte Souvignier Gris. Frisch und fruchtig schmeckt der Wein im Glas.
Ein Zukunftstropfen, meint Winzer Karlheinz Sack: „Wir sehen in der Sorte ein großes Potenzial, sie besitzt eine hohe Widerstandskraft, ist klima- und pilzresistenter als die meisten anderen Trauben“, erklärt er.

Sicherer übers Wasser: der Brücken-Schutzheilige Nepomuk
Bald stellen wir fest, nicht immer nur flach, auch sanft geschwungen kann der Radweg sein, weiter geht’s durch Waldstücke, vorbei an Streuobstwiesen und Weinbergen. Kleine Sandsteinbrücken führen über die Tauber, manche mit einer Nepomuk-Figur bestückt, der Brücken-Schutzheilige.
Die stille Altmühl
Hinter Rothenburg ob der Tauber, ihr wisst schon, das Städtchen mit Fachwerkromantik pur, erreicht der Radweg die Altmühl. Dunkel fließt sie dahin. Man nimmt kaum Bewegung wahr, als würde die Altmühl einfach so da liegen. Es ist der langsamste Fluss Bayerns, sagt man uns. Er schleicht durch das fränkische Seenland und dann, hinter Treuchtlingen verengt sich das Tal, jetzt flankieren weiße Felsnasen den Flusslauf – er ist angekommen im Naturpark Altmühltal.

Weiter Blick ins Altmühltal. © Naturpark-Altmuehltal / Dietmar Denger
Wir radeln vorbei an spektakulären Kalksteinfelsen, umgeben von Wacholderheiden, darunter die Felsgruppe „Zwölf Apostel“ bei Solnhofen. Die Dolomitfelsen waren vor Millionen Jahren Riffe im Jurameer.
Wer sich für Erdgeschichte interessiert ist im Naturpark Altmühltal genau richtig, und in Hobbysteinbrüchen bei Solnhofen und Eichstätt kann man Fossilien finden und mit nach Hause nehmen.
Durch Wiesen und Felder
Wenige Kilometer hinter dem barocken Eichstätt mäandert die Altmühl durch Wiesen und Felder, stellenweise ist der Fluss renaturiert. Da piepst, zwitschert und quakt es besonders heftig zwischen Sträuchern und Gehölzen. Auf den Wiesen stehen Pusteblumen, ein leichter Wind kommt auf und weht mir die Blüten um die Nase.

Der Altmühlradweg bei Dietfurt
In kleinen Orten stehen Jura-Bauernhäuser, früher gehörten Brauerei, Gasthof und Landwirtschaft meist zusammen. Noch heute gibt es über zwanzig Brauereien im Naturpark. Nach rund 250 Kilometern entlang der Altmühl erreicht der Radweg in Kelheim sein Ziel, die Donau. Die Altmühl aber, sie hat sich auf den letzten Kilometern verwandelt. In der Nähe von Dietfurt fließt der Fluss begradigt weiter im Main-Donau-Kanal.
Treppengiebel-Häuser
Apropos Dietfurt. Die Altstadt zieren ein paar Treppengiebel-Häuser, und eine spezielle Verbindung hat das Städtchen zum Reich der Mitte: Der Legende nach verweigerten einst die Dietfurter dem Steuereintreiber aus Eichstätt den Zutritt zur Stadt, woraufhin der Beamte seinen Vorgesetzten berichtete, die Dietfurter hätten sich wie die Chinesen hinter einer Mauer versteckt.
Dietfurt nahm den Ball auf, so entstand der „Chinesen-Brunnen“ vor dem Rathaus, eine Städte-Partnerschaft mit Nanjing, und jährlicher Höhepunkt der Verbindung ist der sogenannte Chinesenfasching. Der gehört seit 2025 zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.
Der Donaudurchbruch
Ein Natur- und Kulturhighlight wartet am Ende des Tauber Altmühl Radwegs, nämlich der Donaudurchbruch und Kloster Weltenburg. Auf einer Schiffstour von Kelheim zum Kloster kann man den spektakulären Donaudurchbruch am besten auf sich wirken lassen: Im Zeitlupentempo schiebt sich das Ausflugsboot durch die Weltenburger Enge, flankiert von bis zu achtzig Meter hohen Kalkwänden. Die Donau verließ mit diesem Felsdurchbruch vor langer Zeit ihr ursprüngliches Bett – darin fließt heute die Altmühl. Die Weltenburger Enge ist geadelt als erstes bayerisches Nationales Naturmonument.

Der Donaudurchbruch © Tourismusverband im Landkreis Kelheim e.V. / Anton Mirwald
Prämiertes Barock Dunkel
Schwalben segeln über das Wasser, und dann gerät äußerst malerisch hinter einer Kiesbank gelegen das Kloster Weltenburg in den Blick. Mit einem stets gut besuchten Biergarten. Die Anfänge der Brauerei liegen im 11. Jahrhundert, somit beansprucht Weltenburg die älteste Klosterbrauerei der Welt zu sein. Mehrfach prämierte Bier-Spezialität: Barock Dunkel.

Das Kloster Weltenburg. © Tourismusverband im Landkreis Kelheim e.V. Anton-Mirwald
Gut zu wissen
Infos zu den Regionen Tourismusverband Franken Naturpark Altmühltal
Die Fluss-Radwege können natürlich auch einzeln erradelt werden und sind überwiegend flach: Der Tauberradweg führt 102 Kilometer weit von Wertheim bis nach Rothenburg ob der Tauber, vom ADFC mit fünf Sternen ausgezeichnet. Der Altmühl-Radweg (oder auch Altmühltal-Radweg) startet in Rothenburg ob der Tauber, dann folgen 253 Kilometer bis Kelheim an der Donau. Oder man beginnt in Gunzenhausen im Naturpark, dann sind es 161 Kilometer. Infos zu beiden Varianten: www.frankentourismus.de/wege/altmuehltal-radweg
Reiseführer Ein facettenreiches Porträt vom Altmühltal, Fränkisches Seenland, erschienen im Michael Müller Verlag, 2. Auflage 2026, kostet 19,90 Euro. ISBN: 9 783966 855419
Einkehrtipp Eine versteckte Perle ist das Café Burg Gamburg im Taubertal, mit Top-Ausblick auf das Flusstal, geöffnet Sa./So. und an Feiertagen, von April bis Anfang November. Geboten werden auch Veranstaltungen und Burgführungen
Alle Fotos, wenn nichtr anders angegeben: © Karin Kura
Herzlichen Dank für die Recherche-Unterstützung beim Tourismusverband Franken, Tourismusverband Liebliches Taubertal, Naturpark Altmühltal sowie Tourismusverband Landkreis Kelheim
…Lust auf weitere Radtouren? Wie wäre es mit dem Mainradweg?

