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Islands Schwur für die Natur – Icelandic Pledge

Waren es die Vulkanausbrüche, der Eyjafjallajökull? Etwa der WM-Erfolg des Fußballzwergs? Oder Musiker wie Björk, die die kleine Nordmeer-Insel auf die Landkarte der Tourismus-Welt rückten? Jedenfalls explodieren seit einigen Jahren die Besucherzahlen auf Island. Und leider sind, man  muss es so sagen, immer auch gedankenlose Idioten dabei: Trampeln empfindliche Pflanzen und Moose nieder, behandeln die Einwohner als putzige Statisten oder müssen gerettet werden, bevor sie im Vulkan oder im Gletschereis sterben. Wer genau so NICHT reisen will, kann darauf einen Eid leisten: den „Isländischen Schwur“. Er macht noch einmal drauf aufmerksam, was in Island wichtig ist – acht positiv formulierte Punkte, die helfen sollen, die Landschaft zu erhalten. Siehe unten. Und die eigene Gesundheit auch. Bevor strikte Verbote nötig werden…

Denn Isländer haben es eigentlich nicht so mit Verboten und strikten Absperrungen. Im Norden ist es normal, dass man in der freien Natur tun und lassen kann, was man will – solange man sorgsam mit ihr umgeht und weil man selber aufpasst. Schließlich dauert es in dem kühlen Klima mit kurzen Sommern sehr lange, bis Umweltsünden wieder verheilen. Das wissen die Einheimischen selbst am besten, gibt es doch heute nur noch Reste von Wäldern, seit die ersten Siedler vor tausend Jahren den Großteil aller Bäume – nicht zuletzt zum Überleben in den langen Wintern – abholzten. Erst jetzt lassen Aufforstungsmaßnahmen kleine Waldstücke wieder wachsen.

Mehr Besucher, weniger Ahnung

Manche Touristen haben keine Ahnung von empfindlicher Natur. Treten neben die Wege, reißen Stücke aus jahrhundertelang gewachsenen Moosteppichen, um ihre Initialien zu hinterlassen. Fahren mit dem Allradfahrzeug quer oben drüber. Und lassen Müll in der Gegend liegen, sogar Fäkalien, weil die Klo-Infrastruktur nicht so schnell gewachsen ist wie die Besucherzahl. Und vor allem verteilen sich die Besucher nicht übers Land, sondern drängen sich vor allem im „Goldenen Kreis“ nahe Reykjavík. Die Zahl der Passagiere am einzigen Auslandsflughafen Keflavík lag 2010 noch bei 500.000 pro Jahr. Heute sind es mehr als 2 Millionen, Tendenz steigend. Ach ja: Island hat 340.000 Einwohner…

Isländer hatten bisher keine Erfahrung mit Massentourismus. Dass man am berühmten Geysirfeld jetzt am besten ganz früh oder spät kommt, um den Busladungen an Kurztrip-Besuchern zu umgehen – geschenkt. Dass man an manchen Hotspots beinah Schlange stehen muss — ach, es gibt auch noch viele andere Wasserfälle, weniger bekannte Aussichtspunkte und andere tolle Naturschauspiele auf der Insel. Und mehr Tourismus ist auch nicht per se negativ, nur eben die Ignoranz. Auch in Reykjavík schätzen die Einwohner, dass sich jetzt das „Leben“ nicht mehr nur auf das Altstadtviertel beschränkt, sondern auch andere Gegenden der Stadt mehr Cafés, Events und andere Vielfalt bieten.

Aber was macht man mit Touristen, die in schicken Sandalen auf Gletscherwanderung gehen oder ein waghalsiges Selfie direkt an der frei zugänglichen Wasserfallkante machen wollen. Mit „Happy-Go-Lucky-Besuchern“, die nicht nachdenken und ohne Vorbereitung quer durchs Hochland wollen. Auch nicht mit dicken Kreuzfahrtschiffen, die ihre Passagiere in kleinen malerischen Orten „ausschütten“, die dann in die Fenster der süßen bunten Häuschen gucken, um zu sehen, wie die „Ureinwohner“ so leben…  Hatte ich schon „Idioten“ gesagt?

 

Der Schwur gegen Rücksichtslosigkeit

Auch viele Isländer haben also inzwischen die Nase voll. Heiß wird diskutiert, ob man Besucherzahlen begrenzen sollte, ob die Naturschönheiten Zäune und Zutrittsgebühren bekommen sollen, etc.pp. Die zuständige Ministerin, Þórdís Kolbrún R. Gylfadóttir, drückt es freundlich aus: „Der Menschentyp, der nach Island kommt, will ein verantwortlicher Tourist sein. Es ist nur so, dass sie nicht immer wissen, was da dazu gehört„.

Jedenfalls hat das Tourismusministerium, neben anderen Maßnahmen, vorigen Sommer den „Isländischen Schwur“ entwickelt. Einen Eid, den man – auch online, hier – ablegen kann, um sich noch mal bewusst zu machen, worauf es in der Natur der Nordmeerinsel ankommt. Ein symbolisch Akt, ja. Inwieweit kann das wirksam sein? Aber wie gesagt, Isländer haben es nicht so mit Verboten.

Also dann, so banal wie wahr:

Der Isländische Schwur

Ich schwöre, ein verantwortungsvoller Tourist zu sein.

Wenn ich neue Orte erkunde, hinterlasse ich sie so,
wie ich sie vorgefunden habe.

Ich werde zum Sterben schöne Fotos machen,
ohne dafür zu sterben.

Ich werde der Straße ins Unbekannte folgen,
aber niemals von der Straße abweichen.

Und ich werde nur dort parken, wo es erlaubt ist.

Wenn ich unter dem Sternenzelt schlafe,
bleibe ich auf dem Campingplatz.

Und wenn mich der Ruf der Natur ereilt,
beantworte ich ihn nicht in der Natur.

Ich werde auf alle Witterungen, Möglichkeiten und
Abenteuer vorbereitet sein.

Gut zu wissen:

 

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"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon" - so wahr! Also fuhr ich als Kind in Büchern um die Welt, bis nach Taka-Tuka-Land. Heute bin ich "in echt" unterwegs und schreibe manches Buch selber ;) Per Bahn, Pedale, Paddel und per pedes reise ich am liebsten, als Wissenschaftsjournalistin, Reiseautorin und Fotografin immer mit offenem Blick. Und einem Faible für Sprachen. In Bolivien und der Arktis, Australien, China oder Island. Slowenien, Polen. Finnland. Ach... Reisen!

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    Der Schwur sollte nicht nur für Island gelten sondern für alle Orte wo wir uns aufhalten… 😊😊😊
    Lieben Gruß, Ewald

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